21. Januar 2026, 17:16 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ein ungewöhnlicher Besucher sorgte vor der Küste San Franciscos für Aufsehen: Ein Kojote schwamm durch das eiskalte, tückische Wasser der Bucht – und erreichte aus eigener Kraft die berüchtigte Gefängnisinsel Alcatraz. Die Szene wurde von einem Touristen gefilmt und gilt als bislang einzigartig. Doch was trieb das Tier zu dieser waghalsigen Reise?
Erstes dokumentiertes Kojoten-Abenteuer nach Alcatraz
Ein Kojote überraschte kürzlich Besucher in der San Francisco Bay, als er offenbar als erster seiner Art zur ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz schwamm. Das berichtete unter anderem die britische Tageszeitung „The Guardian“. Warum das Tier die rund zwei Kilometer lange Strecke zurücklegte, bleibt unklar. Experten gehen jedoch davon aus, dass der Kojote ursprünglich aus San Francisco stammt oder möglicherweise von benachbarten Inseln, auf denen bereits andere Exemplare gesichtet wurden.
Aidan Moore von Alcatraz City Cruises veröffentlichte am 11. Januar 2026 Videoclips des schwimmenden Tieres auf Facebook. „Ein Kojotenschwimmen von der Hauptinsel nach Alcatraz!“, schrieb Moore in seinem Beitrag. Gegenüber dem Nachrichtenportal „SFGate“ erklärte er, dass er die Aufnahmen von einem Touristen erhalten habe, der ihn während der Arbeit ansprach: „Das Aufregendste, was hier seit Ewigkeiten passiert ist! Das ist eine Meile und ein Viertel.“ (Anm. der Red.: etwa zwei Kilometer).
Erschöpft, aber entschlossen: Kojote trotzt der Strömung
Die Videos zeigen, wie der Kojote alleine durch die kalten Gewässer der Bucht paddelt – das Ziel fest im Blick. Schließlich erreicht das Tier die felsige Küste von Alcatraz, sichtlich erschöpft und durchnässt. Der berühmte Hintergrund: die Silhouette der Golden Gate Bridge. Laut „SFGate“ informierte Moore daraufhin die Ranger des National Park Service über den ungewöhnlichen Besucher. Als diese jedoch eintrafen, war der Kojote bereits verschwunden – sein weiterer Verbleib ist unbekannt.
Ein Sprecher der Golden Gate National Recreation Area, zu der auch Alcatraz gehört, bestätigte laut „SFGate“ die Echtheit der Sichtung, konnte aber keine Angaben dazu machen, was den Kojoten zu diesem ungewöhnlichen Trip veranlasste.
Mögliche Revierkämpfe als Auslöser
Die lokale CBS-Station von San Francisco berichtete unter Berufung auf eine Naturbeobachterin über mögliche Hintergründe: Janet Kessler, eine autodidaktische Wildtierexpertin, die seit über zwanzig Jahren das Verhalten von Kojoten in der Region dokumentiert, vermutet Revierkonflikte. „Dieser hier wurde wahrscheinlich von anderen Territorialbesitzern herumgeschubst und entschied, dass er diese Reise machen konnte“, sagte sie dem Sender. „Also hat er es versucht, und er hat es geschafft.“
Kessler betonte, dass Kojoten seit Generationen rund um San Francisco heimisch seien. In Bezug auf das Alcatraz-Tier sagte sie: „Er kann es kaum schaffen. Er ist erschöpft. Er zittert. Ihm ist kalt.“
Auch Moore äußerte sich zum Zustand des Tieres: „Er sah nicht so aus, als wäre er in besonders gutem Zustand, was mich angesichts der erschütternden Erfahrung nicht überrascht“, sagte er gegenüber „SFGate“.
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Wird der Kojote auf der Insel überleben?
Was aus dem Kojoten wurde, ist bislang nicht bekannt. Janet Kessler erklärte jedoch, dass die Insel grundsätzlich Ressourcen zur Verfügung stelle, mit denen das Tier überleben könnte: Dazu gehörten unter anderem Bananenschnecken, Mäuse, Ratten, Vögel und Regenwasserpfützen. „Sie sind Überlebenskünstler“, sagte Kessler gegenüber „CBS“. „Darum breiten sie sich weiter aus.“
Alcatraz – einst Hochsicherheitsgefängnis, heute Touristenmagnet
Die Gefängnisinsel Alcatraz wurde 1963 nach knapp drei Jahrzehnten Betrieb vom US-Bundesstaat geschlossen. Zu den berüchtigtsten Insassen zählten Al Capone, George „Machine Gun“ Kelly und James „Whitey“ Bulger. Weiteres Wissenswertes zur Gefängnisinsel erfahren Sie auch bei unseren Kollegen von TRAVELBOOK.
Die gefährliche Strömung und die eisigen Temperaturen des Wassers machten Alcatraz nahezu unausweichlich – offenbar bis jetzt. Heute besuchen jährlich mehr als eine Million Touristen das ehemalige Gefängnis, das inzwischen als Museum dient.