23. September 2025, 16:51 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Auf dem Meeresboden spielte sich vor verblüfften Forschern ein außergewöhnliches Naturschauspiel ab. Zum ersten Mal wurden Haie bei einer Dreier-Paarung gesichtet und gefilmt. Was Wissenschaftler dort beobachteten, wirft ein neues Licht auf das Paarungsverhalten einer bedrohten Haiart.
Erstmaliger Nachweis eines Hai-Dreier-Kontakts in der Natur
Dr. Hugo Lassauce von der University of the Sunshine Coast (UniSC) gelang ein wissenschaftlicher Coup. Der Meeresbiologe filmte vor der Küste Neukaledoniens eine seltene Paarungsszene zwischen zwei männlichen und einem weiblichen Leopardenhai (Stegostoma tigrinum). Es handelt sich um die weltweit erste dokumentierte Gruppenpaarung dieser Art in natürlicher Umgebung.
„Es ist selten, Hai-Paarungen in freier Wildbahn zu beobachten, aber das bei einer bedrohten Art zu sehen – und den Moment auch noch zu filmen – war so aufregend, dass wir sofort zu jubeln begannen“, sagte Dr. Lassauce in einer Mitteilung.
Indopazifische Leopardenhaie (Stegostoma tigrinum) gelten nicht nur als scheu, sondern sind auch schwer zu beobachten – insbesondere bei der Paarung. Umso überraschender war, was das Forschungsteam am Abore-Riff rund 15 Kilometer vor der Küste filmte: Eine Haidame wurde nacheinander von zwei Männchen begattet.
Männchen erschöpft, Weibchen voller Bisswunden
Ein Jahr lang schnorchelte der Forscher wöchentlich rund 15 Kilometer vor der Küste Neukaledoniens, um die Haie im Rahmen eines Überwachungsprogramms des Aquariums des Lagons zu beobachten. Zwar hatte er zuvor schon männliche Tiere bei Verfolgungsjagden beobachtet, doch die vollständige Paarung blieb ihm bisher verborgen.
„Ich hatte schon gesehen, wie Männchen schnell hinter Weibchen her schwammen und war auch schon mal kurz nach einer Paarungsszene eingetroffen, aber die ganze Abfolge hatte ich noch nie erlebt“, berichtete er. Während einer Erhebung beobachtete er schließlich ein Weibchen, das sich mit zwei Männchen auf dem Meeresboden befand. „Dann, während ich dieses bestimmte Aggregat von Leopardenhaien untersuchte, sah ich ein Weibchen mit zwei Männchen, die sich an ihren Brustflossen festhielten.“
Die Paarung verlief rasch, erinnert sich der Wissenschaftler: „Ich wartete eine Stunde lang frierend im Wasser, aber schließlich begannen sie aufzusteigen. Es war schnell vorbei bei beiden Männchen, nacheinander. Der erste brauchte 63 Sekunden, der andere 47.“
Danach seien beide Männchen bewegungslos am Grund geblieben, während das Weibchen aktiv davonschwamm. Es trug deutlich sichtbare Bisswunden an beiden Brustflossen – Spuren, die von der Fixierung durch die Männchen stammten.
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Neue Erkenntnisse für Forschung und Artenschutz
Die beiden Männchen waren dem Forschungsteam bereits aus früheren Beobachtungen seit 2018 bekannt. Die jetzt dokumentierte Szene ist von großer Bedeutung für die Wissenschaft. Denn bisher lagen kaum Informationen über das natürliche Paarungsverhalten dieser Haiart vor – insbesondere im Freiland.
Dr. Christine Dudgeon, Senior Research Fellow an der UniSC und international anerkannte Expertin für Leopardenhaie, sieht in der Beobachtung einen wichtigen Schritt für die Arterhaltung: „Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der Ort in Neukaledonien ein wichtiges Paarungsgebiet ist, was für das Management und Schutzstrategien von Bedeutung sein kann – ebenso wie für unser Verständnis der Populationsdynamik und des Fortpflanzungsverhaltens.“
Darüber hinaus könnten die Ergebnisse auch die laufende Forschung zur künstlichen Besamung unterstützen, mit dem Ziel, die Art in ihrem ursprünglichen Lebensraum wiederanzusiedeln. „Es ist überraschend und faszinierend, dass bei dieser Gelegenheit zwei Männchen nacheinander beteiligt waren“, sagte Dr. Dudgeon. „Aus genetischer Sicht wollen wir herausfinden, wie viele Männchen zur Eiablage der Weibchen beitragen.“
Hintergrund zur Art
Der Leopardenhai – auch als Zebra-Hai bekannt, da die Jungtiere zunächst Streifen tragen, die sich später zu Punkten wandeln – ist in den Küstengewässern des Indo-Westpazifik verbreitet, von der Ostküste Afrikas bis zu den Pazifischen Inseln und Australien. Die Art gilt laut der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet.
Die wissenschaftliche Arbeit zur Beobachtung wurde im Fachjournal „Journal of Ethology“ veröffentlicht. Neben Dr. Lassauce und Dr. Dudgeon zählen auch Dr. Olivier Chateau, Direktor und Chefwissenschaftler des Aquariums des Lagons, sowie der Forschungsassistent Hugues Gossuin zu den Co-Autoren. 1