15. September 2026, 16:53 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Viele kennen die Zeile aus dem Kinderlied, doch kaum jemand weiß, ob sie überhaupt stimmt: Können Regenwürmer husten? Die Antwort führt tief in die erstaunliche Biologie der Tiere und erklärt zugleich, warum man ihnen nach einem Regenschauer so häufig begegnet. Gemeinsam mit den Experten von Wildtierschutz Deutschland e. V. klärt PETBOOK auf, wie Regenwürmer atmen und ob sie tatsächlich husten können.
Können Regenwürmer husten?
Seit Jahrzehnten kreist dieses Kinderlied durch die Köpfe verschiedenster Generationen. Oft bleibt der Refrain im Kopf und entpuppt sich über einige Zeit als zuverlässiger Ohrwurm. Doch was ist überhaupt dran? Können Regenwürmer wirklich husten? PETBOOK hat beim Wildtierschutz Deutschland e. V. nachgefragt. Dieser hat eine klare Antwort, die sich die meisten vermutlich schon gedacht haben: Regenwürmer können nicht husten. Der Grund ist mehr als simpel: „Ihm fehlen die Lunge und die Atemwege, die wir dafür benötigen.“
Wenn Regenwürmer nicht husten können, weil sie keine Lunge haben, wie atmen die Tiere dann, um an den nötigen Sauerstoff zu kommen? „Er atmet durch die Haut“, so der Wildtierschutz Deutschland e. V. Dafür bräuche er einen dünnen Feuchtigkeitsfilm auf seiner Körperoberfläche. „Darin löst sich der Sauerstoff, bevor er durch die Haut ins Blut gelangt.“, erklärt die Tier- und Naturschutzorganisation. Kohlendioxid werde auf dem umgekehrten Weg abgegeben.
Was uns beim Anfassen etwas glitschig erscheint, sei für den Regenwurm lebensnotwendig. „Trocknet seine Haut aus, verliert er auch die Möglichkeit, ausreichend zu atmen“, erklärt der Wildtierschutz Deutschland e. V.
Haben Regenwürmer einen Mund?
Haben Sie schon einmal einen Regenwurm aus der Nähe betrachtet? Fast sieht es so aus, als hätte das Tier keinen Mund. Aber das trügt, laut der Tier- und Naturschutzorganisation: „Am Vorderende liegt unter einem kleinen, beweglichen Kopflappen die Mundöffnung.“
Den Mund braucht der Regenwurm vor allem zur Nahrungsaufnahme. Damit nehme der Wurm abgestorbene Pflanzenreste und organisches Material aus dem Boden auf. „Zähne braucht der unterirdische Bewohner dafür nicht“, erklärt der Wildtierschutz Deutschland e. V. „Die Zerkleinerung übernimmt sein Muskelmagen, unterstützt von winzigen mineralischen Körnchen, die er mit der Nahrung verschluckt“, führt er aus.
Können Regenwürmer unter der Erde ersticken?
Regenwürmer leben vor allem unter der Erde, trotzdem ersticken sie dort nicht. Der Boden sei kein luftleerer Raum. „Zwischen Erdkrümeln und in kleinen Hohlräumen befindet sich normalerweise genügend Sauerstoff für seine Bewohner“, erklärt der Verein. Doch ein gewisses Risiko gibt es: „Werden diese Räume über längere Zeit mit Wasser gefüllt, kann der Sauerstoff jedoch knapp werden.“ Und dann könnten die Tiere tatsächlich ersticken.
Ein überfluteter Gang bedeutet allerdings nicht automatisch Lebensgefahr. Der Wildtierschutz Deutschland e. V. erklärt: „Regenwürmer können den im Wasser gelösten Sauerstoff über ihre Haut aufnehmen.“ Und weiter: „Wie gut sie eine Überschwemmung überstehen, hängt unter anderem von der Art und dem Sauerstoffangebot ab.“
Können Regenwürmer krank werden?
„Auch Regenwürmer sind nicht vor Erkrankungen und Parasiten geschützt“, ordnet die Tier- und Naturschutzorganisation ein. „In ihrem Körper können beispielsweise winzige einzellige Parasiten leben“, erklärt er weiter. Nicht jeder Befall mache sie schwer krank, doch auch ein
Tier mit einem so unscheinbaren Äußeren sei gesundheitlich verletzlich. Eine Erkältung, wie wir sie kennen, ist jedoch aufgrund der fehlenden Lunge ausgeschlossen.
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Warum liegen nach Regen aufgequollene Regenwürmer an Pfützen?
Wenn es geregnet hat, kann man manchmal Regenwürmer auf Straßen oder Wegen liegen sehen. Mit dem Regen können sie sich zunächst gut durch entstehenden Schlamm fortbewegen. Doch wenn dieser trocknet und die Wildtiere auf einem verdichteten Boden wie Pflasterstein oder Asphalt landen, können sie nicht mehr zurück in die Erde.
„Wirkt ein Regenwurm aufgequollen und bewegt sich kaum noch, lässt sich allein daraus nicht erkennen, was geschehen ist.“, erläutert der Wildtierschutz Deutschland e. V. Sauerstoffmangel im Wasser oder Verletzungen kämen als Ursachen seiner schlechten Verfassung infrage. Wichtig: „Nicht jedes reglose Tier ist bereits tot – und nicht jeder Regenwurm neben einer Pfütze ist ertrunken“, betont der Verein.
In so einer Situation rät er: „Wer helfen möchte, kann das Tier vorsichtig mit einem Blatt oder sauberen, angefeuchteten Händen aufnehmen und in unmittelbarer Nähe auf feuchte, lockere Erde im Schatten setzen.“ Etwas Laub biete zusätzlichen Schutz. Besonders wichtig dabei: „Nicht ziehen, quetschen oder tief eingraben.“
Eine einzelne, deutlich abgegrenzte Verdickung im vorderen Körperbereich sei übrigens ganz normal. „Dieser sogenannte Gürtel gehört zur Fortpflanzung erwachsener Regenwürmer“, so der Wildtierschutz Deutschland e. V.
Welche Mythen über Regenwürmer halten sich besonders hartnäckig?
Zäh hält sich laut Wildtierschutz Deutschland e. V. die Aussage: „Aus einem zerteilten Regenwurm werden keine zwei neuen Tiere.“ Zwar könne das Vorderteil unter bestimmten Voraussetzungen ein verlorenes Hinterende nachbilden, das abgetrennte Hinterteil werde aber nicht zu einem vollständigen Regenwurm.
„Auch die Vorstellung, alle Regenwürmer lebten tief unter der Erde, stimmt nicht“, so der Verein. Was für eine Art ein geeigneter Lebensraum sei, müsse es für eine andere noch lange nicht sein.
Ein weiterer Mythos dreht sich um die Ernährung des kleinen Tiers. Denn diese essen nicht nur Erde. „Sie erschließen sich die organischen Bestandteile darin, fressen Pflanzenreste und Mikroorganismen“, führt die Organisation aus. Wer im Garten also Laub liegen lässt und den Boden vor Austrocknung und Verdichtung schütz, hilft so einer kleinen vielfältigen Gemeinschaft verborgen unter unseren Füßen.