19. Oktober 2026, 16:50 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Zwei schwarze Pinsel auf den Ohren, Sprungkraft wie ein Hochleistungssportler und ein Blick, der sagt: „Ich weiß, dass du zuschaust“ – der Karakal sieht aus wie eine Hauskatze, die in einer Fitnessstudio-Werbung mitgespielt hat. Tatsächlich ist er ein Jäger, der Vögel im Flug aus der Luft holt. Und eine Wildkatze, die im Wohnzimmer nichts verloren hat.
Bis zu drei Meter Luftsprung aus dem Stand
Ein ausgewachsener Karakal wiegt je nach Quelle etwa sechs bis 18 Kilogramm und ist an der Schulter nur rund 40 bis 50 Zentimeter hoch. Das klingt nach Handtaschenformat, aber der Körper ist reine Sprungfeder: Die Weltnaturschutzunion-Expertengruppe für Katzen (IUCN Cat Specialist Group) gibt eine Sprunghöhe von zwei Metern und mehr an. Die südafrikanische Naturschutzbehörde SANBI spricht sogar von bis zu drei Metern und davon, dass ein Karakal mit einem Sprung bis zu zwölf Vögel erwischen kann.1,2
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Seine Paradedisziplin ist die Vogeljagd. Der Karakal pirscht sich oft an die Tiere heran und schnappt sie, wenn sie auffliegen. Er frisst vor allem auch kleine bis mittelgroße Säugetiere und Vögel, dazu Hasen, Nagetiere, Klippschliefer, Echsen und sogar Giftschlangen. Meist erbeutet er Tiere unter fünf Kilogramm, aber er kann auch Beute erlegen, die zwei- bis dreimal so schwer ist wie er selbst, etwa ausgewachsene Springböcke.
Karakal, der Flughafen-Wächter
Weil er so gut mit Vögeln umgehen kann, wurde er zum Jobkandidaten. Die südafrikanische Luftwaffe trainierte laut SANBI einst eine Gruppe von Karakalen, um Start- und Landebahnen von Vögeln freizuhalten. Noch älter ist die Jagdtradition: In Indien und im Iran wurden Karakale gezähmt und für Wettkämpfe genutzt, bei denen sie in Gehegen um die Wette Tauben fingen. Im Deutschen heißt die Katze deshalb auch Wüstenluchs.3
Warum der Karakal so markante Ohren hat
Die Ohrpinsel sind sein Markenzeichen und stecken sogar in seinem Namen. Denn „Karakal“ geht auf das türkische „karakulak“ zurück und bedeutet „schwarzes Ohr“. Die vier bis fünf Zentimeter langen schwarzen Haarbüschel an de Ohrspitzen machen die Katze unverwechselbar. Wofür genau diese Haarpinsel gut sind, beschäftigt Wissenschaftler noch heute. Bekannt ist, dass Karakale ihre Ohren aktiv zur Kommunikation einsetzen. Weitere Theorien besagen, dass sie damit besser hören sollen, sie zur Tarnung beitragen und als Insekten- bzw. Sonnenschutz dienen.
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Von Afrika bis Indien
Der Karakal lebt in weiten Teilen Afrikas, von dort über die Arabische Halbinsel und den Nahen Osten bis Turkmenistan und Nordwestindien. Nur in tropischen Regenwäldern West- und Zentralafrikas, in den Wüsten Namibias und der zentralen Sahara fehlt er. Weltweit gilt die Art als nicht gefährdet. In einzelne Regionen sieht es aber anders aus: In Marokko ist er vom Aussterben bedroht, in Pakistan schätzen Experten den Bestand nur auf 100 bis 150 Tiere.
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Trendtier mit Haken
Süß, sprungstark und fotogen – das reicht heute, um zum Trendtier zu werden. Genau das sieht der Schweizer Tierparkleiter Marc Zihlmann mit Sorge. Fotos von Menschen mit Wildkatzen würden die Nachfrage anheizen: „Diese Jöö-Darstellung der Tiere verführt viele dazu, auch ein solches Statussymbol haben zu wollen“, sagt er dem SRF.4
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Die Realität im Wohnzimmer sieht laut Zihlmann anders aus als auf Instagram. Viele Wildkatzen bekommen Katzenfutter statt Beutetiere und leiden dadurch an schlechten Zähnen und weichen Knochen Er berichtet von einem Karakal, der in einer Villa lebte, mit Halsband samt Swarovski-Steinen und Luxusspeisen. Gut gemeint, aber nicht artgerecht, so Zihlmann.
Besonders kritisch sieht er Kreuzungen aus Karakal und Hauskatze, die immer häufiger vorkämen. Die Paarung sei für die Hauskatzenmutter oft tödlich, die Jungen müssten per Kaiserschnitt geholt werden. Er nennt die Tiere „fürchterliche Qualzuchten“. Hybride gelten außerdem als schwer berechenbar. Wenn Halter nicht mehr klarkommen, lassen sie sich oft nicht im Tierheim abgeben und werden eingeschläfert. In der Schweiz braucht man für die Haltung zudem eine Bewilligung.
Und in der Wildnis?
Auch dort hat der Karakal zu kämpfen. Weil er mancherorts Schafe, Ziegen und Geflügel reißt, wird er verfolgt, gefangen oder vergiftet. Im Iran sind Vergeltungstötungen und Verkehrsunfälle ein großes Problem. Auch der Tierhandel spielt eine Rolle: Schätzungen zufolge werden jedes Jahr 50 bis 100 Karakale aus Somaliland in die Golfstaaten geschmuggelt.
Die Moral: Bewundern, ja. Mitnehmen, nein. Der Karakal ist ein Wildtier und gehört in die Savanne – nicht aufs Sofa.