23. April 2026, 5:58 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Liest man von Hai-Begegnungen oder gar „Attacken“, stammen diese Meldungen meist aus Regionen wie Australien oder Südafrika. Doch wie sieht es im Mittelmeer aus? Kann man dort beim Schwimmen oder Tauchen Haien begegnen – und können diese für den Menschen gefährlich werden? PETBOOK ist abgetaucht und hat nachgeforscht.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, im Mittelmeer auf einen Hai zu treffen?
Das Mittelmeer erstreckt sich zwischen den Küsten Europas, Afrikas und Asiens und ist ein Nebenmeer des Atlantischen Ozeans. Es beherbergt rund 500 Fischarten – darunter auch etwa 50 Hai-Arten. Seine tiefsten Stellen liegen südlich von Griechenland und reichen bis zu 5000 Meter hinab. Durch den Suezkanal, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet, sind zudem einige Arten eingewandert und inzwischen dort heimisch geworden.
Grundsätzlich gilt: Haie halten sich überwiegend in tieferen Gewässern auf und meiden die Nähe zum Menschen. Begegnungen in Küstennähe sind daher selten – sorgen aber immer wieder für Aufmerksamkeit und teils dramatische Schlagzeilen.
So etwa am 18. April 2026 vor der französischen Mittelmeerküste bei Port-La Nouvelle: Fischer filmten dort einen rund zehn Meter langen Hai, der weniger als einen Kilometer vor der Küste auftauchte. Mehrere Medien berichteten. Bei dem Tier handelte es sich vermutlich um einen Riesenhai – nach dem Walhai der zweitgrößte Fisch der Welt. Gelegentlich jagt er in Küstennähe Beute wie Makrelen oder Sardinen. Tatsächlich sind dokumentierte Haiangriffe im Mittelmeer äußerst selten, tödliche Vorfälle absolute Ausnahmen. Die meisten Haiarten gelten als scheu und meiden den Kontakt zum Menschen.
Gibt es eigentlich auch Haie in Nord- und Ostsee?
So riesig werden die größten Haie der Welt
Welche Haiarten tauchen im Mittelmeer auf?
Etwa 50 Arten von Haien leben im Mittelmeer. Einige von ihnen werden immer wieder gesichtet – wenn auch meist fernab der Küsten. Darunter auch der von manchen gefürchtete Weiße Hai, weil er sich in den warmen Gewässern in der Straße Siziliens, der Ägäis und der Adria wohlfühlt.
Weißer Hai (Carcharodon carcharias)
Der Weiße Hai zählt zu den größten räuberischen Fischen der Welt und kann bis zu sieben Meter lang werden, wobei Weibchen größer sind als Männchen. Auch im Mittelmeer kommt er vor. Sie bringen bis zu 3,2 Tonnen auf die Waage und sind in allen Ozeanen anzutreffen. Im Mittelmeer ist ihre bereits kleine Population durch die Verschmutzung der Gewässer und den Rückgang der Thunfischbestände weiter zurückgegangen.
Zudem werden sie weiter als Beifang in den großen Netzen der Trawler dezimiert. Dennoch ist der Aufschrei in den Medien bei jeder Sichtung groß, z. B. als sich ein Exemplar vor die Küste der Baleareninsel Cabrera verirrte. Dabei gibt es heutzutage leider deutlich weniger Weiße Haie als früher. Der Weiße Hai gilt als bedroht. Die Wahrscheinlichkeit, ihm im Mittelmeer zu begegnen, ist verschwindend gering.
Hammerhai (Sphyrnidae)
Auch Hammerhaie sind im Mittelmeer vertreten, darunter der Große Hammerhai. Sichtungen erfolgen gelegentlich vor der Küste Liguriens. Die Tiere bevorzugen warme Gewässer und werden von der Weltnaturschutzunion (IUCN) je nach Art als „gefährdet“ bis „stark gefährdet“ eingestuft. Der Große Hammerhai wird dabei bis zu sechs Meter lang, der Korona-Hammerhai knapp einen Meter lang. Hammerhaie leben bevorzugt in tropischen und subtropischen Gewässern und werden von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) als „gefährdet“ bis „stark gefährdet“ eingestuft.
Sie gelten als potenziell gefährlich, Angriffe auf Menschen sind jedoch äußerst selten und bislang nicht tödlich verlaufen.
Blauhai (Prionace glauca)
Er gehört zu den häufigsten Hochsee-Haiarten und erreicht eine Länge von etwa dreieinhalb Metern. Im Mittelmeer hält er sich meist im offenen Wasser auf, wird aber gelegentlich auch in Küstennähe gesichtet. Auf den Azoren kann man an geführten Tauchgängen teilnehmen, um die Spezies überhaupt beobachten zu können.
Der Rücken und die Oberseite der Flossen strahlen tatsächlich beeindruckend dunkelblau. Der Blauhai hat eine auffallend schmale Schnauze, deren Spitze sich nach oben biegt. Er gilt als neugierig, und es sind rund 13 Angriffe auf Menschen bekannt, wovon vier tödlich endeten.
Kurzflossen-Mako (Isurus oxyrinchus)
Der Makohai zählt zu den schnellsten Haien der Welt und kann bis zu vier Meter lang werden. Lange Zeit wurde er im Mittelmeer kaum gesichtet, umso größer war das Interesse, als 2022 mehrere Exemplare vor Mallorca und Barcelona auftauchten. Mit 500 Kilogramm ist er schon einer der beeindruckenderen räuberisch lebenden Fische, wurde nun aber seit Längerem nicht mehr im Mittelmeer gesichtet. Makohaie können übrigens relativ weit aus dem Wasser springen. Auch diese Art gilt als potenziell gefährlich, konkrete Vorfälle sind jedoch selten.
Seidenhai (Carcharhinus falciformis)
Seit einigen Jahren ist der Seidenhai vereinzelt auch im Mittelmeer anzutreffen. Er ist vermutlich über die Straße von Gibraltar eingewandert. Er wird zwei bis drei Meter groß und schwimmt vorwiegend in den oberen Wasserschichten auf. Der Seidenhai gilt als wenig scheu, Angriffe sind jedoch selten und bislang nicht tödlich verlaufen. Tauchern wird bei einer Begegnung der geordnete Rückzug angeraten.
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Weitere Hai-Arten im Mittelmeer
Neben den bekannteren Arten gibt es zahlreiche weitere Haie, die im Mittelmeer vorkommen – die meisten davon sind für den Menschen harmlos:
- Hundshaie (z. B. Mustelus-Arten) – häufig in Küstennähe, ernähren sich von kleinen Meerestieren und sind harmlos
- Riesenhai (Cetorhinus maximus) – nach dem Walhai der zweitgrößte Fisch der Welt, ernährt sich von Plankton und ist für Menschen völlig ungefährlich
- Tigerhai (Galeocerdo cuvier) – gilt grundsätzlich als potenziell gefährlich, wird im Mittelmeer jedoch nur äußerst selten nachgewiesen
- Sandtigerhai (Carcharias taurus) – wirkt durch sein Gebiss bedrohlich, gilt aber als vergleichsweise ruhig und greift Menschen kaum an
- Heringshai (Lamna nasus) – ein Verwandter des Weißen Hais, potenziell gefährlich, jedoch ohne bekannte Vorfälle im Mittelmeer
- Katzenhaie (z. B. Scyliorhinus canicula) – kleine, bodenlebende Haie, die für Menschen völlig ungefährlich sind
- Engelhaie (Squatina-Arten) – flach am Meeresboden lebend, harmlos, aber stark bedroht
- Bronzehai (Carcharhinus brachyurus) – kann groß werden und gilt als potenziell gefährlich, ist im Mittelmeer aber selten
- Fuchshaie (Alopias-Arten) – erkennbar an ihrer langen Schwanzflosse, jagen Fische, für Menschen ungefährlich
Insgesamt gehören etwa 25 bis 30 der rund 45 bis 50 Haiarten im Mittelmeer zu den für Menschen völlig ungefährlichen Arten. Zum Beispiel: Katzenhaie, Engelshaie, Riesenhai und viele Hundshaie.
Weitere 10 bis 15 gelten als kaum riskant (Sandtigerhai, Fuchshaie, Blauhai oder Bronzehai), während nur etwa fünf bis sieben Arten überhaupt als potenziell gefährlich eingestuft werden – und selbst diese kommen selten vor. Darunter Weißer Hai, Makohai, Blauhai, Hammerhaie und Bronzehai. Arten wie der Tigerhai spielen als reine Ausnahmeerscheinungen praktisch keine Rolle für Badegäste.