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Seltener Anblick

Warum goldene Tiger Forschern Sorgen bereiten

Seltener Goldener Tiger
Goldene Tiger werden auch Erdbeertiger genannt. Ihr Fell ist goldblond mit rötlichen Streifen Foto: picture alliance / Zoonar | Di-Q
Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

11. August 2026, 9:16 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Goldene Tiger wirken auf den ersten Blick wie eine Sensation der Natur: helles Fell, rötliche Streifen und ein fast unwirklicher Schimmer. Doch so faszinierend die seltene Fellfarbe wirkt: Hinter dem märchenhaften Aussehen kann ein ernstes Problem stecken. PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider erklärt, wie die seltene Fellfarbe entsteht und warum sie Naturschützern Sorge bereitet.

Wie entsteht ein goldener Tiger?

Ein goldener Tiger ist eine Farbvariation des Bengalischen Tigers Panthera tigris tigris, auch Königstiger genannt. Die besondere Fellfärbung wird durch ein sogenanntes rezessives Gen ausgelöst. Das bedeutet, dass das Gen nicht dominant ist – Mutter und Vater müssen es an ihre Nachkommen weitergeben, damit goldene Tiger entstehen.

Das Gen beeinflusst die Produktion der schwarzen Pigmente während des Haarwachstums. Gleichzeitig wird vermehrt Phäomelanin gebildet. Dieses Pigment sorgt für einen rötlich-gelblichen Ton im Fell. Dadurch kommt es zu einer völlig anderen Farbkombination: Statt Orange mit Schwarz haben goldene Tiger blondes Fell und rötliche Streifen.

Bei weißen Tigern sorgt dasselbe Gen übrigens dafür, dass die Tiere nur noch kaum sichtbare Streifen ausbilden können. Somit entstehen sogenannte streifenlose Tiger. In der Natur tauchen solche Farbkombinationen nur äußerst selten auf, da die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Träger des Gens aufeinandertreffen und verpaaren, gering ist.

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Warum Naturschützer goldene Tiger mit Sorge sehen

Auch wenn das Auftreten der seltenen Tiere für viel Aufsehen sorgt – Tierschützer sehen die goldenen Tiger mit Sorge, vor allem, wenn sie in Nationalparks auftreten. Denn dies könnte ein Zeichen für zunehmende Inzucht in der Population sein. Wissenschaftler sprechen auch von genetischer Verarmung. Diese tritt dann auf, wenn es von außen keine „frische“ genetische Information mehr gibt, die Tiere sich also nur noch untereinander paaren können.

Dies scheint im Kaziranga National Park der Fall zu sein. Laut einem Statusbericht der National Tiger Conservation Authority in Indien leben etwa 70 Prozent der Tiger des indischen Bundesstaates Assam in Kaziranga. Durch die rasante Entwicklung der Region verlieren viele Wildtiere ihre Wanderrouten zwischen ihren Habitaten. Eine Studie aus 2020 dokumentierte eine zunehmende Fragmentierung sowie einen Verlust von Waldkorridoren rund um den Park. All das isoliert die Tigerpopulation und fördert Inzucht.

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Wie viele goldene Tiger gibt es?

Wie viele goldene Tiger es in freier Wildbahn gibt, ist nicht bekannt. Forscher gehen davon aus, dass weniger als ein Tiger von 10.000 mit weißem Fell geboren wird. Die goldene Fellfärbung soll sogar noch seltener sein.

Laut verschiedener Quellen soll es schätzungsweise 30 goldene Tiger in Gefangenschaft geben. Sie alle sollen allerdings auf einen einzigen weißen Tiger namens Bhim zurückgehen. Dieser war Träger des seltenen Gens und gab dieses auch an einige seiner Nachkommen weiter. Doch weil es zwei Genträger braucht, um goldene Tiger zu erzeugen, wurde Bhim zunächst mit einem weiblichen Bengaltiger verpaart und anschließend mit seiner eigenen Tochter.

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Es ist also viel Inzucht nötig, bis Tiere mit der seltenen Farbe entstehen. Und genau das ist auch der Grund, warum Tierschützer das Vorkommen von goldenen Tigern mit Sorge betrachten.

Im Nationalpark wurden mehrere goldene Tiger gesichtet

Goldene Tiger sind extrem selten. Dennoch wurden im Kaziranga-Nationalpark in Indien in den vergangenen Jahren mehrere Tiere mit dieser besonderen Fellfärbung dokumentiert. Ein besonders bekanntes Beispiel ist die Tigerin Kazi 106-F. Ein Foto des Tierfotografen Gaurav Ramnarayanan sorgte Anfang 2024 in den sozialen Medien für großes Aufsehen und wurde auch von zahlreichen Medien aufgegriffen. Auf der Aufnahme ist eine Tigerin mit ungewöhnlich hellem Fell zu sehen: Statt des typischen orangefarbenen Fells mit schwarzen Streifen wirkt das Tier beinahe blond.

Kazi 106-F ist allerdings nicht der einzige Tiger mit dieser auffälligen Fellfärbung, der im Kaziranga-Nationalpark gesichtet wurde. Bereits 2020 teilte der in Mumbai lebende Fotograf Mayuresh Hendre Aufnahmen einer Safari in Kaziranga, die ebenfalls im Internet für Aufsehen sorgten. Ob die Tiere zeitgleich im Park lebten oder nacheinander beobachtet wurden, ist nicht eindeutig belegt. Laut dem indischen Nachrichtenmagazin „The Hindu“ handelte es sich jedoch offenbar um zwei verschiedene Tiger.

Wie die indische Tageszeitung „The New Indian Express“ berichtete, soll der Nationalpark nach dem Bekanntwerden der Aufnahmen von Kazi 106-F sogar angegeben haben, dass dort insgesamt vier Tiger mit dieser besonderen Fellfärbung vorkommen. Für Biologen ist das ein alarmierendes Zeichen: Die seltene Färbung kann auf Inzucht innerhalb der Population hindeuten. Diese gilt als großes Problem, weil sie körperliche Beeinträchtigungen begünstigen, das Immunsystem schwächen und die genetische Vielfalt verringern kann. All das kann langfristig die Überlebenschancen einer Population deutlich verschlechtern.

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