8. Mai 2026, 16:58 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten
Spinnen faszinieren und beängstigen zugleich – vor allem wegen ihres Giftes. Doch welche Art trägt tatsächlich den Titel der giftigsten Spinne der Welt? Forscher sind sich nicht in allen Punkten einig. Klar ist jedoch: Ein bestimmtes Tier sticht selbst unter hochgiftigen Kandidaten deutlich hervor – und taucht sogar gelegentlich ganz unerwartet bei uns auf.
Keine akute Gefahr in Deutschland
Zunächst eine beruhigende Nachricht für Menschen mit Spinnenangst: Die giftigste Spinne der Welt lebt nicht in Mitteleuropa. Von den rund 1000 in Deutschland vorkommenden Arten ist keine bekannt, deren Biss für gesunde Erwachsene lebensbedrohlich wäre. Hinzu kommt, dass die Beißwerkzeuge vieler heimischer Spinnenarten zu kurz sind, um menschliche Haut überhaupt zu durchdringen.1
Diese Spinnen gelten als besonders giftig
Weltweit sind etwa 45.000 Spinnenarten wissenschaftlich beschrieben. Unter ihnen gibt es mehrere Kandidaten, die regelmäßig als besonders gefährlich eingestuft werden:
Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus)
Die Sydney-Trichternetzspinne zählt zu den wenigen Spinnen weltweit, deren Biss für erwachsene Menschen potenziell lebensgefährlich sein kann. Sie lebt im weiteren Umfeld der australischen Metropole Sydney und galt lange Zeit als eine einzelne Art mit dem wissenschaftlichen Namen Atrax robustus. Neue Forschungsergebnisse eines internationalen Teams unter Beteiligung der Universität Hamburg und des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels zeigen jedoch, dass es sich tatsächlich um einen Artenkomplex aus drei genetisch und morphologisch unterscheidbaren Arten handelt. 2
Neben der „echten“ Sydney-Trichternetzspinne, die vor allem im Großraum Sydney und an der Central Coast vorkommt, gehören dazu die südlicher verbreitete Atrax montanus sowie die deutlich größere, neu beschriebene Art Atrax christenseni aus der Region um Newcastle. Für die Giftforschung ist diese Erkenntnis von großer Bedeutung, da Spinnengifte artspezifisch variieren können. Bekannt ist zudem, dass das Gift der Männchen etwa fünf- bis sechsmal giftiger ist als das der Weibchen. Seit der Einführung eines wirksamen Gegengiftes Anfang der 1980er-Jahre wurden jedoch keine Todesfälle mehr registriert, obwohl die Sydney-Trichternetzspinne weiterhin als eine der giftigsten und gefährlichsten Spinnen der Welt gilt.3
Die Brasilianische Wanderspinne (Phoneutria nigriventer)
Ihren Namen hat sie, weil sie als Nomadin lebt. Die Kammspinne baut weder ein Netz, noch fertigt sie sich irgendeine Art von Unterschlupf an. Tagsüber sitzt die nachtaktive Jägerin meist versteckt in Bromelien, in Termitenhügeln, umgekippten Bäumen, in Felsspalten oder in Bananenstauden, mit denen sie aus Versehen mitverschifft wird. Ihre Beute erlegt die Lauerjägerin sozusagen unterwegs auf ihren bis zu 100 Meter weiten Wanderungen.
Auf ihrem Speiseplan stehen Grillen, Schaben, aber auch größere, wehrhafte Skorpione und Hundertfüßer. Auch kleine Wirbeltiere wie Mäuse, Frösche, Eidechsen oder Jungvögel in Nestern geraten in ihre Fänge. Fühlt sich eine Bananenspinne bedroht, zieht sie sich nicht zurück, sondern stellt sich auf die Hinterbeine und hebt die Vorderbeine vertikal an. Dabei wiegt sie sich hin und her und zeigt dem Angreifer so die Warnfarben an der Unterseite ihrer Beine und die gesträubten Beinstacheln. Wenn dies keine Wirkung zeigt, geht die durchschnittlich 35 Millimeter große, robuste Spinne zum Angriff über.
Südliche Schwarze Witwe (Latrodectus mactans)
Die Südliche Schwarze Witwe (Latrodectus mactans) ist eine der bekanntesten und zugleich am meisten gefürchteten Giftspinnen der Welt. Sie gehört zur Familie der Kugelspinnen und ist die wohl prominenteste Vertreterin der sogenannten Echten Witwen. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Südosten der Vereinigten Staaten über Mexiko und Zentralamerika bis in weite Teile Südamerikas. 4
Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von etwa acht bis 13 Millimetern und ist damit deutlich größer als das nur vier bis sechs Millimeter große Männchen. Charakteristisch ist ihr Haubennetz, ein locker gesponnenes Deckengespinst mit klebrigen Fangfäden, das meist bodennah zwischen Vegetation, Steinen oder an Gebäuden angelegt wird. Gefährlich ist vor allem ihr Gift: Es handelt sich um ein stark wirkendes Nervengift, dessen Hauptbestandteil Alpha-Latrotoxin unkontrollierte neuromuskuläre Reaktionen auslöst.
Ein Biss wird oft zunächst kaum wahrgenommen, kann jedoch nach 30 bis 60 Minuten zu starken Muskelkrämpfen, insbesondere im Bauchbereich, sowie zu generalisierten Muskelschmerzen, Schwellungen und Rötungen führen. Unbehandelt können die Beschwerden über Tage anhalten. Todesfälle sind selten, betreffen jedoch vor allem geschwächte Personen, Kinder oder ältere Menschen. Trotz ihres Rufes gilt auch für die Südliche Schwarze Witwe: Sie ist scheu, nachtaktiv und beißt in der Regel nur, wenn sie sich unmittelbar bedroht fühlt.
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Wann beißen Spinnen zu und was kann passieren?
Doch auch die giftigsten Spinnen der Welt beißen generell nur im Notfall zu, wenn sie sich verteidigen müssen und keinerlei Fluchtmöglichkeiten mehr haben. Dabei gelangt das Gift über die Beißwerkzeuge in den menschlichen Körper.
Bei Bissen von Giftspinnen bildet sich an der Bissstelle eine kleine juckende Blase. Innerhalb von 30 bis 60 Minuten schmerzt die ganze Gliedmaße, die zusehends anschwillt. Es können Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen sowie leichte Lähmungen der Atmung und des Zwerchfells auftreten.
Die geschwollene Stelle muss gekühlt werden, zudem sind Schmerzmittel zu empfehlen. Bei schweren Verläufen, die sogar zum Tode führen können, hilft nur die schnelle Gabe eines wirksamen Gegengiftes.
Bananenspinne gelegentlich auch in Deutschland
Von allen Arten, die als giftigste Spinne der Welt gelten, sorgt vor allem die Brasilianische Wanderspinne immer wieder für Schlagzeilen, da sie gelegentlich mit Bananenlieferungen nach Europa gelangt. Die Wahrscheinlichkeit, eine Begegnung mit einer Bananenspinne zu haben, ist in Deutschland relativ gering, denn nur 0,8 % unserer Dessertbananen werden aus Brasilien importiert. Oft handelt es sich um ein Exemplar der Großen Bananenspinne (P. boliviensis), deren Gift deutlich ungefährlicher ist, oder um ein anderes harmloses Spinnentier.
Auch wer durch den Regenwald von Brasilien streift, bekommt die Brasilianische Wanderspinne eher selten zu sehen. Doch die wanderlustige Kammspinne hält sich gerne in von Menschen besiedelten Gegenden auf und sucht sich dort bevorzugt einen Unterschlupf in Schränken und Haushaltsutensilien. Wenn man sie dort unbeabsichtigt stört, verteidigt sie sich und beißt unvermittelt zu.
Was passiert, wenn man von der giftigsten Spinne der Welt gebissen wird?
Das Giftsekret der Bananenspinne besteht aus etwa 150 chemischen Verbindungen. Dieser neurotoxische Giftcocktail verändert u. a. die Rezeptoren des neuromuskulären Systems. Das kann zu Krampfanfällen, Speichel- und Tränenfluss, Lähmungen, Erschöpfung, Schläfrigkeit, Erbrechen, Ataxien, erschwerter Atmung, Herzrhythmusstörungen, akutem Lungenödem bis hin zu schmerzhaften Erektionen, aber auch zu starkem Abfall des Blutdrucks führen.5
Bei Hunden sind Niesanfälle ein erstes Symptom für einen Biss. Wer das Pech hat, von einer Brasilianischen Wanderspinne gebissen zu werden, hat es in 70 Prozent der Fälle mit einem Männchen zu tun. Die gute Nachricht ist, dass diese eine deutlich geringere Giftmenge abgeben, sodass die meisten Unfälle harmlos sind und keine Gabe eines Gegengiftes, des Antiserums Anti-ctenidico, nötig ist.6
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So erkennen Sie die giftigste Spinne der Welt
Die Brasilianische Wanderspinne ähnelt neben den Wolfsspinnen auch Vertretern innerhalb der Überfamilie der Lycosoidea. Ihr Körper (Hinterleib) ist hellbraun, braun und grau gefärbt. An der Unterseite ihrer vorderen Beinpaare hat sie schwarze, gelbe oder weiße Streifen, die sie zur Abschreckung einsetzt. An ihrem Hinterkörper sind zwei längslaufende Linien zu erkennen, an denen bei manchen Exemplaren schwarze Punkte ausgebildet sind. Die Unterseite ist je nach Geschlecht orange, braun oder schwarz gefärbt. Die Brasilianische Wanderspinne, die zwischen 25 und 50 Millimeter groß wird, kann eine Beinlänge von 150 Millimetern und auch länger erreichen.
Die Wolfspinne, mit der es leicht zu Verwechslungen kommen kann, erreicht ebenfalls eine Größe von bis zu 45 Millimetern und ihre Färbung kann zwischen gelbbraun, grau und schwarz variieren. An der Körperoberfläche besitzt sie, im Gegensatz zur Brasilianischen Wanderspinne, meist eine Musterung und ein dichtes Haarkleid. Auch ihre Beine sind lang und kräftig. Ein Alleinstellungsmerkmal der Wolfspinne sind ihre Augen, denn die Augen in der oberen Reihe sind deutlich größer. Zudem hat die Bananenspinne, die zur Familie der Kammspinnen (Ctenidae) zählt, zwei Tarsalklauen an den Beinen, die wie ein Kamm angeordnet sind, daher der Name.
Generell ist das Gift von Wolfspinnen für den Menschen ungefährlich. Wer jedoch eine harmlose Wolfspinne oder Spinnen der Gattung Cupiennius mit der hochgiftigen Brasilianischen Wanderspinne verwechselt, kann dies mit dem Leben bezahlen.
Darf man die giftigsten Spinnen der Welt als Haustiere halten?
Es gibt Menschen, die den Nervenkitzel in der Tierhaltung suchen. Manche Terraristiker halten auch die hochgiftigen Achtbeiner wie die Brasilianische Wanderspinne als Heimtier. Aber keine Angst: Die private Haltung hochgiftiger Spinnen ist in Deutschland stark eingeschränkt und teils vollständig verboten. 7
Besonders strikt ist die Lage in Nordrhein-Westfalen: Dort gilt seit dem 01.01.2021 das sogenannte Gifttiergesetz, das die Neuanschaffung besonders giftiger Tiere – darunter bestimmte Spinnenarten – grundsätzlich untersagt. Ziel ist der Schutz der Bevölkerung vor erheblichen Gesundheitsgefahren durch Bisse oder Stiche. Privatpersonen dürfen solche Tiere nur dann weiter halten, wenn sie diese bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes besaßen. Diese Altbestände mussten beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz gemeldet werden. Zusätzlich sind Zuverlässigkeit und eine Haftpflichtversicherung nachzuweisen. 8
Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllt, muss die Tiere abgeben. Erlaubt bleibt die Haltung lediglich in Zoos, wissenschaftlichen Einrichtungen oder im genehmigten gewerblichen Tierhandel. Auch in anderen Bundesländern gelten teils strenge Verbote oder Genehmigungspflichten, wobei die Regelungen je nach Land deutlich variieren. Insgesamt gilt: Für Privatpersonen ist die Haltung der giftigsten Spinnen der Welt in Deutschland rechtlich nur in Ausnahmefällen möglich und mit hohen Auflagen verbunden.