Fruchtfliegen gelten ohnehin nicht als besonders langlebig. Doch der Anblick toter Artgenossen kann ihr Leben offenbar zusätzlich verkürzen. Forschende in den USA haben bereits 2019 festgestellt, dass Fruchtfliegen, die tote Tiere ihrer eigenen Art wahrnehmen, schneller altern, geringere Fettreserven aufbauen und schlechter mit Hunger umgehen können. In einer neuen Studie sind die Wissenschaftler nun der Frage nachgegangen, warum der bloße Anblick des Todes solche Auswirkungen hat. Die Ergebnisse liefern überraschende Einblicke in die biologischen Mechanismen hinter Stress und Alterung.
Das Fruchtfliegen-Experiment
Die vorherigen Ergebnisse der Studienautoren Tuhin S. Chakraborty, Christi M. Gendron und ihren Kollegen deuteten darauf hin, dass spezielle Serotonin-Rezeptoren, genannt 5-HT2A, für die Beschleunigung des Alterungsprozesses von Fliegen verantwortlich sein könnten. Die Rezeptoren kommen unter anderem im Zentralnervensystem vor und beeinflussen verschiedene biochemische Vorgänge.
Für die im Fachjournal „PLOS Biology“ veröffentlichte Studie machten die Forscher die Aktivität bestimmter Nervenzellen mithilfe fluoreszierender Marker sichtbar. Danach platzierten Chakraborty, Gendron und ihre Kollegen die Fliegen in einen Raum mit mehreren toten Artgenossen. Die toten Fliegen lagen in „normalem Essen“, heißt es in der Studie. Insgesamt wurden die lebenden Insekten den toten Tieren mehrere Tage lang ausgesetzt.
Zunächst untersuchte das Forschungsteam, was im Gehirn der Fruchtfliegen passiert, wenn sie tote Artgenossen wahrnehmen. Anschließend aktivierten die Wissenschaftler bestimmte Nervenzellen gezielt, um dieselbe Reaktion künstlich auszulösen. So konnten sie zwei Nervenzelltypen identifizieren, die eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung solcher Eindrücke spielen.
Was die Fruchtfliegen-Studie mit Menschen zu tun hat
Die Ergebnisse zeigen, dass der Anblick toter Artgenossen bestimmte Vorgänge im Gehirn auslöst, die mit schnellerer Alterung zusammenhängen. Eine interessante, wenngleich nicht unbedingt nützliche Information – zumindest, wenn es um die Übertragung auf das menschliche Gehirn geht. Schließlich unterscheidet sich das Hirn einer Fruchtfliege stark von einem Menschenhirn.
Den Studienautoren zufolge helfen die Ergebnisse dabei, besser zu verstehen, wie die Wahrnehmung des Todes den Körper beeinflusst und welche biologischen Prozesse dabei eine Rolle spielen. „Unsere Ergebnisse könnten Erkenntnisse für die Behandlung von Personen liefern, die regelmäßig mit dem Tod konfrontiert sind, darunter Soldaten oder Rettungskräfte“, schreiben die Wissenschaftler. Auch wenn sich die Ergebnisse nicht direkt auf Menschen übertragen lassen, liefern sie interessante Ansätze für weitere Forschungen.
Was die Fruchtfliegen im eigenen Haushalt angeht, müssen tote Artgenossen aber wohl nicht extra liegen bleiben. Gegen eine Fruchtfliegenplage helfen andere Maßnahmen vermutlich deutlich besser.
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