11. September 2025, 17:07 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Das Gequake von Fröschen und Kröten gehört zum Frühjahr wie Vogelgezwitscher und Gartenarbeit. Wenn die Tiere in Teichen und Tümpeln auf Brautschau gehen, ist das nicht zu überhören – obgleich sich nicht alle über nächtliche Froschkonzerte freuen. Doch spätestens im Sommer, wenn der Froschnachwuchs langsam heranwächst, ist Schluss mit dem Konzert am Teich – oder etwa nicht? Einige Frösche nämlich quaken mitunter bis in den Herbst hinein. Wer da jetzt noch musiziert und warum – PETBOOK hat nachgefragt.
Für die meisten Menschen ist klar: Frösche quaken. Doch auch ihre Verwandten aus dem Reich der Amphibien, die Kröten, äußern sich mitunter lautstark. Mit wem man es im Garten zu tun hat, ist für Laien daher nicht immer klar – die Tiere ähneln sich optisch. Dabei lassen sich Kröten und Frösche zumindest grob auch für Laien recht einfach unterscheiden. Kröten haben im Gegensatz zu Fröschen eine warzige, raue Haut. Darauf sitzen sichtbare Drüsen, aus denen sie bei Gefahr ein Sekret absondern können. Dieses bitter schmeckende Gift soll Fressfeinde davon abhalten, sie ins Maul oder in den Schnabel zu nehmen.
Im Frühjahr geht es auf Brautschau
Amphibien wie Frösche und Kröten sind wechselwarme Tiere: Ihre Körpertemperatur hängt von der Umgebung ab. Bei kühleren Temperaturen sind die Tiere träger, ist es wärmer, werden sie munterer und auch ihre Körpertemperatur steigt. Die kalte Jahreszeit verbringen Frösche und Kröten je nach Art eingegraben im Schlamm, unter Laubhaufen oder auf dem Grund des Sees, in dem sie leben.
Im zeitigen Frühjahr, nach dem Aufwachen aus der Winterstarre, gehen sie auf Brautschau. Schon wenn die Nachttemperaturen stabil über fünf Grad Celsius liegen, werden die ersten Exemplare munter und machen sich auf den Weg. Zahlreiche Kröten und auch Frösche zieht es dann in ihre Laichgewässer. Das können mitunter auch bloß eine größere Pfütze sein. Unzählige Tiere sind dann in lauen Nächten unterwegs. 1 2 3 4
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Nur Männchen quaken laut
Je nach Art nutzen die Tiere das Quaken, um ihr Revier abzugrenzen oder während der Paarungszeit Weibchen anzulocken. Wirklich laut quaken ausschließlich die Männchen. Nur sie verfügen über die sogenannte Schallblase, die je nach Art entweder rechts und links oder mittig an der Kehle sitzt und den erzeugten Ton verstärkt. Die lautesten Quaker sind mitunter mehrere hundert Meter weit zu hören.
Hörbar quaken können nicht nur Frösche, auch Kröten machen sich je nach Art deutlich bemerkbar. Der Laubfrosch allerdings ist der lauteste Vertreter seiner Art. „Der Laubfrosch ist ein Lautfrosch“, so Biologe Andreas Zahn auf PETBOOK-Nachfrage. Mitunter, so geht auch aus der Literatur hervor, können diese Frösche bis zu 90 Dezibel erreichen, was einem lauten Rasenmäher oder einem startenden Motorrad entspricht, und locker mehr als einen Kilometer weit zu hören sein.
Doch auch die zu den sogenannten Grünfröschen zählenden See- und Teichfrösche sind zu hören. Von den fünf hierzulande lebenden Krötenarten quaken hingegen nur Wechsel- und Kreuzkröte deutlich lauter. Die Erdkröte ist nur selten zu hören – sie gehört zu den leiseren Vertretern im Amphibienreich. Auch die anderen Krötenarten hielten sich bei der Lautstärke zurück, sagt Zahn. Moor- und Grasfrösche gehören ebenfalls zu den leiseren Tieren, sie geben eher blubbernde oder knurrende Laute von sich, um Weibchen auf sich aufmerksam zu machen.5 6
Quaken als Lockruf
Aber ganz gleich, ob Frosch oder Kröte, die meisten Tiere sind ausschließlich im Frühjahr bis zum Frühsommer zu hören, wenn es gilt, Weibchen anzulocken. Frösche nutzen das Quaken zudem, um Artgenossen aus demselben Teich klarzumachen, wo die Reviergrenzen liegen. Die Reviere messen im Durchschnitt nur wenige Zentimeter, daher passen bei Bedarf zahlreiche Frösche in einen Teich. Entsprechend wichtig ist, das eigene Areal zu verteidigen. Männliche Kröten hingegen quaken nicht nur zum Anlocken von Weibchen, sondern auch, wenn sie andere Männchen vertreiben wollen.
Nachdem die Weibchen von Frosch und Kröte je nach Art zwischen im April und Mai bis Anfang Juni abgelaicht haben, kehrt jedoch auch wieder Ruhe im Garten oder am Teich ein. „Während der Trockenphase im Sommer quaken die Frösche nicht, und auch bei den meisten Kröten ist dann Ruhe.“ Lediglich Krötenarten, die unter bestimmten Umständen nach einigen Wochen noch einmal laichen, sind eventuell auch noch mal später im Jahr zu hören.7
Herbstrufe durch laute Maschinen?
Eine Ausnahme bilden jedoch auch hier wieder die Laubfrösche. Nur rund drei bis fünf Zentimeter groß, gehören sie jedoch nicht nur zu den lautesten Vertretern ihrer Art, sondern quaken auch noch bis in den Spätsommer und Herbst hinein.
Wer an warmen Wochenenden in der Nähe von Seen oder Mooren, an Waldrändern oder Feuchtgebieten vorbeigekommen ist, wird in den Abendstunden womöglich seltsam-quakende Geräusche vernommen haben, die wie das typische Äpp, Äpp, Äpp des Laubfroschs klangen. Aber um diese Jahreszeit ist das doch kaum möglich, oder? „Doch“, so Biologe und Froschexperte Andreas Zahn auf PETBOOK-Nachfrage. „Unter den Laubfröschen kommt es vereinzelt auch zu sogenannten Herbstrufen.“ Die kletterfreudigen Tiere sitzen dann nicht selten in Bäumen oder Hecken und lassen von sich hören. Mitunter sind auch See- und Teichfrösche an milden Spätabenden noch zu hören. Meist aber ist es ein Laubfrosch, der Abendspaziergänger verwundert die Ohren spitzen lässt.
Warum die Tiere so spät im Jahr noch quaken, obwohl keine Laichzeit ansteht, darüber kann derzeit nur spekuliert werden. „Wir wissen noch nicht, warum sie das tun“, so Dr. Andreas Zahn, Biologe, Froschexperte und Vorsitzender der Kreisgruppe des BUND im bayerischen Mühldorf. Fest steht allerdings: Laubfrösche suchen auch während der Balzzeit gerne Bäume auf, wo sich sich erholen, vorbeifliegende Insekten fressen und quaken. Womöglich, so Zahn, erinnere sie der Tagesrhythmus im beginnenden Herbst an den des Frühjahrs: Die Tage sind noch warm, die Abende lau, aber die Tageslänge ist vergleichsweise kurz – ähnlich, wie es auch im zeitigen Frühjahr ist.
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Andere Theorien warum Frösche im Herbst quaken
Andere Theorien besagen, dass die Tiere vielleicht schon in eine Art verfrühte Balzlaune kommen, was ebenfalls mit dem Tagesrhythmus zu tun haben könnte. Oft werden Herbstrufe von Laubfröschen jedoch auch durch Menschen ausgelöst, wie in der Literatur beschrieben wird. Vor allem scheinen laute Motorengeräusche, wie sie etwa von Flugzeugen oder Motorrädern verursacht werden, die Frösche zum Rufen zu bringen. Auch knatternde Rasenmäher oder menschliche Rufe können Auslöser sein.
Warum der Laubfrosch jedoch auf diese Geräusche mit Quaken reagiert, ist ebenfalls noch unklar. „Vielleicht quakt er aber auch nur, weil er Freude daran hat“, sagt Zahn. „Wir wissen es einfach nicht.“ Wer ein Laubfrosch hört, kann sich jedoch freuen: Die Tiere sind hierzulande – wie in ganz Europa – stark gefährdet, da sie kaum noch geeignete Lebensräume finden. Sie genießen daher besonderen Schutz und sind ein Zeichen für noch intakte Natur.8
Ohrstöpsel gegen Froschquaken
Übrigens: Wer sich von Frosch- oder Krötengequake genervt fühlt, hat in der Regel dennoch kaum Möglichkeiten, etwas dagegen zu unternehmen. Dabei spielt es auch keine Rolle, zu welcher Jahreszeit die Tiere zu hören sind und ob sie in Nachbars Garten lärmen oder im Tümpel des nahen Waldes. Da Frösche und Kröten zu den geschützten Arten gehören, dürfen sie nicht gefangen, getötet oder entfernt werden. Auch der Teich, der ihr Lebensraum ist, darf nicht zugeschüttet werden, nur um wenige Wochen Froschkonzerte zu unterbinden.
Vor allem in ländlicheren oder naturnahen Wohngebieten ist das Quaken ohnehin eher hinzunehmen, denn dort gelten Tiergeräusche als ortsüblich. Nur unter besonderen Umständen, etwa wenn der Lärmpegel der liebestollen Frösche ein bestimmtes Maß überschreitet (in der Vergangenheit galten mehr als 55 Dezibel in der Nähe eines Schlafzimmers laut Gericht als unerträglich), können genervte Nachbarn eventuell eine Umsiedlung der Tiere erreichen. Diese ist jedoch an strenge Voraussetzungen geknüpft. So muss dazu unter anderem eine Ausnahmegenehmigung bei der zuständigen Naturschutzbehörde beantragt werden. Und selbst dann ist nicht sicher, ob diese zustimmt.
Zu bedenken ist aber auch hierbei: Der Lärm muss von offizieller Stelle gemessen werden, die bloße Aussage „sind zu laut“ reicht nicht. Bis also eine Umsiedlung erreicht ist, werden die Frösche vermutlich von selbst verstummt sein. Zudem muss der gewisse Schallpegel regelmäßig überschritten sein. Außerdem bedeutet eine Umsiedlung nicht, dass die Tiere auch im nächsten Frühjahr fernbleiben. Ohrstöpsel dürften dann also die effektivere und günstigste Lösung sein, wenn das wenige Wochen dauernde Quaken von Fröschen wirklich so sehr nerven sollte.9 10