Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Heimische Wildtiere Alle Themen
Verirrte Tiere

Plötzlich Fledermaus im Haus – was sollte man tun?

Eine Fledermaus im Haus auf einem Handschuh
Große Abendsegler zählen zu den verbreitetsten Fledermäusen in Deutschland. Sie verirren sich als Jungtiere häufiger in menschliche Behausungen. Foto: picture alliance / dpa | Frank Molter
Artikel teilen
Louisa Stoeffler
Redakteurin

24. August 2025, 16:06 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Warum Fledermäuse plötzlich im Haus landen

Im Spätsommer, etwa von Ende Juli bis Mitte September, werden junge Fledermäuse flügge und suchen nach einem eigenen Unterschlupf. Dabei kann es vorkommen, dass sie aus Unerfahrenheit in menschliche Behausungen geraten, etwa ins Schlafzimmer, den Keller oder das Treppenhaus.

Zunächst gilt dann: Ruhe bewahren. Dazu rät der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Berlin auf seiner Website. Die Tiere bedrohen den Menschen nicht. Im Gegenteil – sie gelten als scheu und meiden in der Regel den Kontakt. Doch gerade Jungtiere verwechseln laut dem NABU Fensteröffnungen oder Gardinenfalten leicht mit einem sicheren Versteck – und geraten so in Not.

Übrigens: Fledermäuse sind in Deutschland streng geschützt. Es ist verboten, die Tiere zu töten, zu verletzen oder ihre Verstecke zu zerstören – auch wenn diese unbewohnt sind, schreibt das Bundesumweltministerium. In Deutschland leben aktuell 25 verschiedene Fledermausarten, darunter bekannte Arten wie das Große Mausohr, der Große Abendsegler, das Braune Langohr oder die Zwergfledermaus.

Die größte unter ihnen ist das Große Mausohr mit einer Flügelspannweite von bis zu 43 Zentimetern. Wie alle hiesigen Fledermäuse ernährt es sich ausschließlich von Insekten, Spinnen und anderen Kleintieren – blutsaugende Vampirfledermäuse gibt es in Deutschland nicht. Diese leben ausschließlich in Lateinamerika. Mehr zu den heimischen Arten erfahren Sie in diesem Artikel: Gibt es blutsaugende Fledermaus-Arten in Deutschland?

Erste Hilfe für den unerwarteten Gast

Wird tagsüber eine ruhende Fledermaus entdeckt, gilt: nicht anfassen, sondern abwarten. Oft schlafen Fledermäuse am Tag, so der Nabu Berlin. Am besten stört man sie dabei nicht, sondern lässt sie in der Dämmerung frei.

Wird eine Fledermaus am Abend in der Wohnung gefunden, hilft laut Nabu folgende Vorgehensweise:

  • alle Fenster im Zimmer weit öffnen
  • Licht im Raum ausschalten
  • Zimmer verlassen und Tür schließen
  • dem Tier etwas Zeit geben

Am besten kontrolliert man nach einer Weile mögliche Verstecke, etwa Vorhänge, Gardinen und dunkle Ecken. Häufig fliegen Fledermäuse von allein wieder aus dem Zimmer.

Fenster geschlossen halten – zumindest nachts

In der Regel merken Fledermäuse schnell, dass Wohnungen keine geeigneten Quartiere sind. Dennoch rät das Fledermauszentrum Hannover vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), nach einem Einflug mehrere Nächte lang keine Fenster gekippt zu lassen. Auch die Nachbarn sollten informiert werden, um mögliche weitere Einflüge zu vermeiden. Ein praktischer Tipp: Fliegennetze an den Fenstern können helfen, die Tiere fernzuhalten.

tesa Insect Stop Standard Fliegengitter

1 x Fliegen Netz – 130 cm x 150 cm – Anthrazit

Mehr zum Thema

Wenn das Tier geschwächt oder verletzt ist

Bleibt die Fledermaus trotz geöffneter Fenster und Dunkelheit im Raum oder wirkt kraftlos, braucht sie möglicherweise Hilfe. Auch wenn äußerlich keine Verletzung zu erkennen ist, gilt: „Um Verletzungen und Schwächezustände bei Fledermäusen beurteilen zu können, benötigt es sehr viel tierärztliche Erfahrung“, schreibt das Fledermauszentrum Hannover. Deshalb raten die Fachleute vom BUND, das Tier sicherheitshalber aufzunehmen – auch wenn es unverletzt scheint.

In solchen Fällen ist wichtig: das Tier niemals ohne Handschuhe anfassen. Am besten eignen sich Lederhandschuhe. Alternativ kann man auch ein dickes Handtuch verwenden, so der Nabu Berlin. Sonst riskiert man unter Umständen Verletzungen. Denn in ungewohnten Situationen können die Tiere in Panik geraten und etwa kräftig zubeißen.

Die geborgene Fledermaus sollte vorsichtig in eine mit Luftlöchern versehene Box gesetzt werden. Wichtig: Ein weiches Tuch zum Verstecken und eine flache Schale mit Wasser nicht vergessen. Um ein Ausfliegen zu verhindern, sollte die Box sicher – etwa mit Klebeband – verschlossen werden, bis ein Experte übernehmen kann oder das Tier wegtransportiert wird.

An wen kann man sich bei einer Fledermaus im Haus wenden?

Um der Fledermaus schnell und artgerecht zu helfen, wendet man sich an eine der regionalen Auffangstationen oder an einen ausgewiesenen Fledermausexperten. Diese können auch helfen, wenn Probleme beim Freilassen auftreten oder ein totes Tier gefunden wird.

Auf der Internetseite Fledermausschutz.de gibt es eine Übersicht zu Ansprechpartnern in den einzelnen Bundesländern. Hinweise dazu, was zu tun ist, wenn man eine Fledermaus gefunden hat, kann zudem dieser Entscheidungsbaum des Nabu geben.

Mit Material der dpa

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.