20. April 2026, 13:56 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Feuer gezielt einsetzen, um Beute zu machen – was wie Science-Fiction klingt, ist in Australien offenbar Realität. Sogenannte „Firehawks“ sollen brennende Zweige aufnehmen und neue Feuer entfachen, um Tiere aus der Deckung zu treiben. Wie viel Wahrheit hinter diesem Verhalten steckt, welche Greifvögel es zeigen und warum es Forscher bis heute beschäftigt, erklärt PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider.
Firehawks nutzen eine einzigartige Jagdtechnik
Vögel legen Feuer, um Beute zu machen – was nach einem Mythos klingt, ist in Australien offenbar Realität. Sogenannte „Firehawks“ sind Greifvögel, die sich eine erstaunliche Strategie zunutze machen: Sie verwenden Brände gezielt für die Jagd.
Dabei handelt es sich nicht um eine bestimmte Art, sondern um mehrere Vogelarten, darunter Schwarzmilane, Keilschwanzmilane und Braune Falken. Diese Greifvögel sind ohnehin dafür bekannt, Bränden zu folgen. Denn wo es raucht und brennt, fliehen Insekten, kleine Säugetiere und Reptilien. Für die Vögel also leichte Beute.1
Doch einige der Tiere gehen noch einen Schritt weiter: Sie warten nicht nur auf das Feuer – sie legen selbst neue Brände und greifen damit aktiv ein.
So legen die Vögel Feuer
Beobachtungen zeigen: Die Greifvögel fliegen gezielt in brennende Gebiete, greifen glühende Zweige mit Schnabel oder Krallen und tragen sie in noch unberührte Flächen. Dort lassen sie die brennenden Äste fallen – und lösen so neue Brandherde aus. Was dann passiert, ist für die Vögel der entscheidende Moment: Tiere fliehen panisch aus dem Gras oder Gebüsch – und werden im Flug oder am Boden erbeutet.
Augenzeugen berichten sogar, dass die Vögel gezielt versuchen, Feuer über Hindernisse hinweg zu transportieren, etwa über Straßen, Flüsse oder bereits gelöschte Bereiche. Teilweise arbeiten mehrere Tiere zusammen. Das spricht klar gegen einen Zufall und für ein bewusst eingesetztes Verhalten.2
Wie ist das Verhalten entstanden?
Australiens Savannen sind seit Jahrtausenden von Feuer geprägt. Brände gehören dort ganz natürlich zum Ökosystem – ausgelöst durch Blitze, aber auch durch gezieltes Feuermanagement indigener Gemeinschaften.
Greifvögel haben gelernt, diese Situation für sich zu nutzen. Dass einige von ihnen aktiv brennende Zweige transportieren, könnte eine Weiterentwicklung dieses Jagdverhaltens sein. Ein erlernter „Trick“, der sich für einzelne Tiere besonders lohnt.
Spannend ist auch: Indigene Völker in Australien berichten schon seit Generationen von diesen „Feuervögeln“. Lange wurde das als Mythos abgetan. Erst in den vergangenen Jahren hat die Forschung begonnen, diese Berichte ernst zu nehmen – und systematisch zu untersuchen. So erschien die erste valide wissenschaftliche Studie zu den Firehawks erst 2017.3
Zerstören die Feuer nicht auch Lebensraum?
Feuer wirkt für uns oft zerstörerisch. In vielen Teilen Australiens ist es jedoch ein natürlicher Bestandteil des Lebensraums. Viele Pflanzen sind sogar darauf angewiesen, regelmäßig zu brennen, um sich zu erneuern.
Dennoch kann das Verhalten der Firehawks Probleme verursachen. Vor allem für Feuerwehr und Landmanager: Brände, die eigentlich unter Kontrolle sind, können durch die Vögel erneut aufflammen oder sich weiter ausbreiten.
Auch für andere Tiere kann das zusätzliche Feuer zum Risiko werden, wenn Rückzugsorte verloren gehen. Gleichzeitig zeigt das Verhalten, wie eng Jagdstrategien und Ökosysteme miteinander verknüpft sind.
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Werden die Vögel gezielt bekämpft?
Tatsächlich gibt es Berichte, dass Greifvögel, die Feuer verbreiten, gezielt verfolgt oder sogar getötet wurden. Vor allem dort, wo Brände wirtschaftliche Schäden verursachen – etwa in der Landwirtschaft. Problematisch ist dabei: Oft werden nicht nur die „Firehawks“ getroffen, sondern auch andere, teils seltene Greifvogelarten.
Heute setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass diese Tiere Teil eines komplexen Ökosystems sind. Statt sie zu bekämpfen, versuchen Forscher und Ranger, ihr Verhalten besser zu verstehen und in das Feuermanagement einzubeziehen.4
Fazit: Verhalten stellt viele bisherige Annahmen infrage
Firehawks zeigen, wie überraschend und komplex Tierverhalten sein kann. Dass Greifvögel Feuer nicht nur nutzen, sondern aktiv verbreiten, stellt viele unserer bisherigen Annahmen infrage.
Gleichzeitig wird deutlich: In der Natur gibt es keine einfachen Kategorien wie „gut“ oder „schlecht“. Was für uns wie Zerstörung aussieht, ist für diese Vögel eine ausgeklügelte Überlebensstrategie.