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Vom Sorgenkind zum Sieger

Braunbär mit Kieferbruch gewinnt Online-Voting

32 Chunk, der dickste Bär der Welt, wurde in der Fat Bear Week 2025 zum Gewinner
„Chunk“ konnte sich im Publikumsvoting zum dicksten Bären der Welt gegen seine härteste Konkurrenz durchsetzen Foto: picture alliance / Cover Images | T Carmack/NPS/Katmai Conservancy/Explore.org/Cover Images
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

1. Oktober 2025, 11:34 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Bühne war groß, die Spannung enorm – und am Ende setzte sich ein verletzter Riese durch. In der bisher größten „Fat Bear Week“ im Katmai-Nationalpark in Alaska wurde der Braunbär „32 Chunk“ mit fast 100.000 Stimmen zum Sieger 2025 gekürt. Dabei hatte der Gigant der Brooks-River-Szenerie die Saison mit einer schweren Verletzung begonnen.

Zehn Jahre Speck und Sympathie: Die Geschichte der „Fat Bear Week“

Was auf den ersten Blick wie ein skurriler Internet-Hype und typisch US-amerikanischer Contest wirkt, hat sich in den vergangenen zehn Jahren zu einer ernstzunehmenden und beliebten Naturschutzkampagne entwickelt. Die „Fat Bear Week“ im Katmai-Nationalpark in Alaska wurde 2014 ins Leben gerufen. Ein Wettbewerb mit dem Ziel, das Bewusstsein für die Bedeutung gesunder Bärenpopulationen und ihres empfindlichen Ökosystems zu stärken.

Jedes Jahr im Herbst stimmen Zuschauerinnen und Zuschauer weltweit darüber ab, welcher Bär ihrer Meinung nach die besten Fettreserven für den harten Winter aufgebaut hat. Die Online-Abstimmung basiert auf Vorher-Nachher-Fotos, Beobachtungen per Livestream und den ganz eigenen Persönlichkeiten der Tiere.

Doch das Event ist mehr als ein Publikums-Voting: Es ist auch eine Bühne für große Dramen – wie jenes um die Braunbärin 128 Grazer. Die dreifache Mutter wurde 2023 zur „dicksten Bärin der Welt“ gekürt. Auch im Jahr 2024 überzeugte sie wieder mit ihrer ausgeklügelten Jagdtaktik, bei der selbst kleine und geschwächte Lachse nicht sicher sind. Im vergangenen Jahr wurde es aber auch tragisch, als eines ihrer Jungen infolge einer Konfrontation mit 32 Chunk starb – ein Moment, der live übertragen wurde und viele Fans emotional bewegte. Denn der „Fat Bear“ ist 2025 eben jener Chunk geworden.

Rekordwahl mit Millionen Stimmen

Nach einer Woche voller Online-Abstimmungen gaben die Ranger bekannt: 32 Chunk, oft als „der dominanteste Braunbär am Fluss“ bezeichnet, setzte sich klar gegen Konkurrent 856 durch. Die ewige Konkurrentin Grazer war diesmal bereits im Halbfinale der Fat Bear Week 2025 ausgeschieden.

Chunk erhielt 96.350 Stimmen, während 856 auf 63.725 kam. Insgesamt gingen mehr als 1,5 Millionen Stimmen ein – so viele wie noch nie zuvor, wie Naturforscher Mike Fitz während des Livestreams betonte. 1

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Vom „Bösewicht“ zum Publikumsliebling

Mit schmal stehenden Augen, dunklem Fell, markantem Stirnkamm und einer deutlichen Narbe über der Schnauze ist Chunk unverwechselbar. Trotz eines gebrochenen Kiefers, vermutlich das Resultat eines Kampfes um ein Weibchen, gelang es ihm, enorme Mengen an Lachs zu fressen und sich Reserven für den Winter anzulegen. „Ein fetter Bär bedeutet einen erfolgreichen Bären,“ erklärte Rangerin Ashleigh Monaco. „Ein fetter Bär bedeutet einen Bären, der wahrscheinlicher den Winterschlaf überlebt.“

Sein geschätztes Gewicht lag am Ende bei rund 1200 Pfund (etwa 544 Kilogramm). Offiziell werden die Tiere nicht gewogen, um sie nicht zu gefährden; frühere Laser-Scans mittels Lidar-Technologie dienen der Schätzung.

Dieses Jahr jedoch schlug Chunk ein anderes Kapitel auf. Naomi Boak, Medienmanagerin und seit elf Jahren treue Wählerin, erinnerte sich an die Sorgen im Juni, als Chunk mit frischer Kieferverletzung auftauchte. Sie gab an gedacht zu haben: „Wird er überhaupt fischen können? Wird er überhaupt überleben?“ Stattdessen erlebte das Publikum, wie er an Umfang so sehr zunahm, wie es niemand bei dieser Verletzung für möglich gehalten hätte.

Neue Titelträger bei den Bärenfamilien

Doch auch für Grazer gab es in diesem Jahr eine Erfolgsgeschichte zu schreiben. Ihr Nachwuchs, 128 Jr, wurde in diesem Jahr als „fettestes Bärenjunges“ ausgezeichnet. Monaco bezeichnete Mutter und Sohn im Livestream als „Royal Family“ des Parks.

Der Katmai-Nationalpark beherbergt einige der größten Braunbären der Welt. Männliche Tiere können im Herbst über 1200 Pfund schwer werden. Die Fat Bear Week, die seit 2014 jährlich ausgetragen wird, zeigt die Tiere in einem Online-Turnierformat – mit spektakulären Livebildern von der Lachsjagd und den Rivalitäten der Bären.

Teilnahmeberechtigt sind nur Bären, die im Spätsommer und Frühherbst bereits mit Lachsfang am Brooks River starteten. Seit Ende Juni fraßen sich die Tiere dort mit Sockeye-Lachsen voll, um sich für den kräftezehrenden Winterschlaf zu wappnen. In dieser Zeit verlieren sie oft ein Drittel ihres Körpergewichts – entsprechend wichtig ist das vorherige „Anfuttern“.

Louisa Stoeffler
Redakteurin

Mein Herz schlägt für Grazer

„Schade, dass 128 Grazer es nicht geschafft hat, sich den Titel zum dritten Mal zu holen. Als ‚Momma Bear‘, die nicht nur ihre Jungen verteidigt, sondern auch kleine, schwache oder kranke Fische fängt – einfach alles, was irgendwie Energie bringt – steht sie für eine beeindruckende Mischung aus Instinkt, Ausdauer und Fürsorge.

Trotzdem muss man 32 Chunks Leistung anerkennen. Mit gebrochenem Kiefer durch eine ganze Saison zu kommen und dabei trotzdem so massiv zuzulegen, ist außergewöhnlich. Das zeigt, wie es in der echten Natur zugeht. Und es ehrt die Zuschauer, dass sie Chunks Leistung nach seinem Verhalten im vergangenen Jahr so würdigen konnten. Der diesjährige Titel geht verdient an ihn – auch wenn mein Herz trotzdem bei Grazer bleibt.“

Quellen

  1. TheGuardian.com, „‘Dominant on the river’: 32 Chunk crowned champion in ‘biggest Fat Bear Week yet’“ (aufgerufen am 1.10.2025) ↩︎

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