15. Juni 2026, 6:12 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Mit gerade mal fünf Zentimetern Körperlänge gilt die Etruskerspitzmaus als eines der kleinsten Säugetiere der Welt. Doch diese Größe bringt einige Herausforderungen mit sich. So müssen die Tiere fast konstant Nahrung zu sich nehmen, damit sie nicht in eine Art Starre verfallen.
Das kleinste Säugetier der Welt – die Etruskerspitzmaus
Wer dachte, Hausmäuse wären schon klein, der kennt die Etruskerspitzmaus noch nicht. Mit einer Körperlänge von etwa fünf Zentimetern ist sie nicht nur die kleinste bekannte Spitzmausart, sondern zählt zu den kleinsten Säugetieren der Welt. Gerade mal um die zwei Gramm bringt sie auf die Waage. Zum Vergleich: Hausmäuse wiegen zwischen 12 und 30 Gramm und sind etwa doppelt so groß. 1
Aber das ist bei Weitem nicht alles, was Suncus etruscus, wie die Art wissenschaftlich genannt wird, zu einem Säugetier der Superlative macht …
Wo lebt das kleinste Säugetier der Welt?
Etruskerspitzmäuse kommen in Nordafrika, von Kleinasien bis nach Afghanistan sowie in Südasien (Indomalayische Region) vor. Aber auch in Südeuropa sind sie zu Hause, allerdings nur im Mittelmeergebiet. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit, dem kleinsten Säugetier der Welt dort zu begegnen, relativ gering. Sie leben in lichten Wäldern, buschbestandenen Gebieten und Grasländern und sind überwiegend nachtaktiv.
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Etruskerspitzmaus ist fast ausschließlich mit Nahrungssuche beschäftigt
Während die uns bekannten Hausmäuse Allesfresser sind, ernähren sich Etruskerspitzmäuse allein von Fleisch. Vor allem Insekten und Regenwürmer stehen auf dem Speiseplan. Aber auch Jungtiere von verschiedenen Amphibien, Eidechsen und Nagetiere werden erbeutet – also Tiere, die fast die gleiche Körpergröße besitzen. Für so eine kleine Maus stellt das eine riesige Mahlzeit dar, doch das ist genau das, was die Tiere benötigen. Denn das kleinste Säugetier der Welt hat einen enorm rasanten Stoffwechsel. 2
Um ihren Körper dauerhaft mit Energie zu versorgen, müssen die winzigen Spitzmäuse ein Vielfaches des eigenen Körpergewichtes fressen – am Tag können das um die 15 Heimchen oder Mehlwürmer sein. Um auf diese Menge zu kommen, sind die Mäuse fast ausschließlich mit Nahrungssuche beschäftigt und dabei erstaunlich effektiv.
Mit ihrer langen Schnauze wühlt die Etruskerspitzmaus im Erdreich oder unter Blättern. Mit ihren sensiblen Tasthaaren spürt sie ihre Beutetiere auf und erlegt diese mit blitzschnellen Angriffen. Ein Zugriff dauert dabei im Schnitt 200, im schnellsten Fall sogar nur 80 Millisekunden, wie Forscher herausfanden. Damit ertasten die Mäuse Dinge schneller als ein Mensch sie wahrnehmen könnte. 3
Keine Zeit zum Schlafen
Die Etruskerspitzmaus ist nicht nur das kleinste Säugetier der Welt; sie hält auch den Rekord für die meisten Atemzüge: 900-mal pro Minute atmen die kleinen Mäuse ein und aus. Dabei schlägt ihr Herz bis zu 1500-mal pro Minute. Man könnte auch sagen, diese Tiere sind konstant hyperaktiv. Sie können es sich gar nicht leisten, für längere Zeit zu schlafen, denn dieser enorm schnelle Stoffwechsel muss durchgehend mit Energie versorgt werden. Erst, wenn den Mäusen mal keine 15 Heimchen über den Weg laufen, fallen die Tiere in einen physiologischen Schlafzustand, der auch als Topor bezeichnet wird.
Der Topor kommt bei einigen kleineren Säugetieren und Vögeln vor und ist mit einer Art Lethargie vergleichbar, bei der Stoffwechsel- und Energieumsatzprozesse auf ein Minimum gesenkt und alle Körperfunktionen gleichsam „auf Sparflamme“ gehalten werden. Für die Etruskerspitzmaus wurde dieses Phänomen erstmals 1973 in einem Experiment nachgewiesen.4
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Ist die Etruskerspitzmaus wirklich das kleinste Säugetier der Welt?
Lange galt die Etruskerspitzmaus als das kleinste Säugetier der Welt, bis man 1974 die Hummelfledermaus (Craseonycteris thonglongyai) entdeckte. Die auch als Schweinsnasenfledermaus bekannten Tiere leben in Höhlen in Thailand und Myanmar. Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von gerade einmal drei Zentimetern ist sie theoretisch sogar noch kleiner. Allerdings wirkt sie mit ihrer Flügelspannweite von 13 Zentimetern deutlich größer als die Etruskerspitzmaus. Heute gelten beide Arten als kleinste Säugetiere der Welt.
Leider gilt die Hummelfledermaus im Gegensatz zur Etruskerspitzmaus als gefährdet. Vor allem menschliche Aktivitäten bedrohen die Tiere in ihren Nisthöhlen. So gibt es Berichte von Tierschützern, dass die Höhlen von Mönchen zum Meditieren genutzt werden, aber auch Drogenkonsumenten die geschützten Orte aufsuchen. Zudem besuchen immer häufiger auch Touristen die Höhlen, um einen Blick auf die winzigen Fledermäuse zu werfen. 5
Kleiner geht es biologisch auch nicht
Die Etruskerspitzmaus ist nicht nur eines der kleinsten Säugetiere der Erde – sie bewegt sich offenbar auch nahe an einer biologischen Grenze dessen, was für Säugetiere überhaupt möglich ist. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Körpergröße von Säugetieren nicht beliebig schrumpfen kann. Der Grund liegt in einem grundlegenden physikalischen Prinzip: Je kleiner ein Tier wird, desto größer wird im Verhältnis seine Körperoberfläche. Dadurch verliert es besonders schnell Wärme an die Umgebung.
Für winzige Säugetiere entsteht daraus ein Problem. Ihr Körper muss permanent Energie produzieren, um die eigene Temperatur aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig steht ihnen aufgrund ihrer geringen Körpermasse nur wenig Energiereserve zur Verfügung. Die Folge ist ein extrem hoher Stoffwechsel. Die Etruskerspitzmaus wiegt im Durchschnitt nur rund 1,8 Gramm und gilt damit als das leichteste heute lebende Säugetier der Welt. Forschende vermuten, dass sie damit bereits sehr nahe an der unteren Grenze liegt, die die Physiologie von Säugetieren erlaubt.6