17. August 2025, 8:32 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Bullenhaie kommen in allen Weltmeeren vor – wer jedoch vermutet, dass Haie nur im Salzwasser leben, irrt sich. Sie sind die einzigen großen Haie, die nicht nur im Ozean, sondern auch in Süßwasser überleben können. Deswegen kommen sie, wenn auch selten, in einigen Teilen der Welt in Flüssen vor. Denn diese großen Haie besitzen eine besondere Anpassungsfähigkeit, die es ihnen ermöglicht, auch im Süßwasser zu überleben. Wie das funktioniert und warum Bullenhaie den Ozean für Flüsse verlassen, erklärt Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz für PETBOOK.
Übersicht
Bullenhaie gelten als eine der gefährlichsten Haiarten
Bullenhaie gehören zu den großen Haiarten. Weibchen werden bis zu dreieinhalb Meter lang und bis zu 320 Kilogramm schwer. Die Männchen sind deutlich kleiner und auch leichter. Als Lebensraum bevorzugt diese Haiart flache Küstengewässer. Vor den amerikanischen Kontinenten leben Bullenhaie im Atlantik und Pazifik, aber auch südlich der Sahara vor Afrika, Indien, Südostasien und Australien.
Aufgrund ihres Lebensraums in Küstennähe kommen sie regelmäßig mit Menschen in Berührung. Von verschiedenen Experten werden Bullenhaie als eine der verhältnismäßig gefährlichsten Haiarten eingeschätzt, so die US-Umweltorganisation National Wildlife Federation. Das geht auch auf die weltweite Datenbank über Haiangriffe zurück,dase International Shark Attack File. Dort aufgelistet sind bislang 119 bestätigte Attacken durch Bullenhaie weltweit (Stand: 15.8.2025). Damit befindet sich diese Haiart hinter dem Weißen Hai und Tigerhai auf Rang drei der meisten unprovozierten Haiattacken.
Jagdtechnik des Bullenhais erweckt aggressiven Eindruck
Auf Anfrage von PETBOOK erklärt Biologe Ulrich Karlowski: „Als aggressiv gilt der Bullenhai aufgrund seiner Jagdtechnik. Er fischt im Trüben und stupst seine Beute an, bevor er in etwas hineinbeißt. Dieses Verhalten wirkt auf Menschen natürlich aggressiv, insbesondere wenn ein Hai auf einen Menschen trifft.“ Das heiße jedoch nicht, dass sie Jagd auf Menschen machen würden oder eine aggressive Natur hätten.
Karlowski erklärt außerdem, dass küstennahe Meerestiere, egal ob Haie oder Säugetiere, immer das Problem haben, dass sie früher oder später auf Menschen treffen. Es gebe für sie in diesem Lebensraum kaum Ausweichmöglichkeiten, sie stünden zudem unter Überlebensdruck. Allein ihre Größe und die Beschaffenheit der Zähne von Bullenhaien und weiteren Großhaien reichen aus, um Menschen ernsthafte Verletzungen zuzufügen, wie es aus Informationen der International Shark Attack File hervorgeht. Daher kann selbst ein Biss, der kein Fressversuch ist, für einen Menschen tödlich enden.
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Bullenhaie in Flüssen verbreitet
Im Süßwasser werden sie nur selten beobachtet, dennoch gibt es eine Vielzahl von Berichten über Bullenhaie in Flüssen. Sichtungen der Tiere im oberen Mississippi-Becken in den USA belegen, dass die Fische dabei mehr als 1000 Kilometer zurücklegten, wie es in einer im Wissenschaftsjournal „Marine and Fishery Sciences“ veröffentlichten Studie heißt. Auch im oberen Amazonas in Peru wurden Bullenhaie dokumentiert, die mehr als 3000 Kilometer zurücklegten, ebenso im südafrikanischen Fluss Sambesi, im Ganges auf dem indischen Subkontinent sowie im Süßwasser indonesischer Inseln und auf Fidschi.
Ein weiteres Gebiet, in dem die Haie verbreitet sind, sind die Ozeane um Australien. Daher sind dort ebenfalls in mehreren Flüssen Bullenhaie zu finden: An der Ostküste wurden sie unter anderem im Brisbane River und an der Westküste im Swan River in Perth gesichtet. Zuletzt wurde im Februar 2023 im Swan River eine 16-jährige Australierin von einem Bullenhai tödlich verletzt, wie die US-amerikanische Zeitung „The New York Times“ berichtete.
Obwohl der Bullenhai mittlerweile häufiger gesichtet wird, geht sein Bestand laut der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) zurück und er steht seit 2020 auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten.
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Warum schwimmen Bullenhaie Flüsse hinauf?
Dafür, dass Bullenhaie ihren Lebensraum im Ozean verlassen, gibt es verschiedene Erklärungen. Einerseits handele es sich dabei um eine Überlebensstrategie der Jungtiere, ordnet Karlowski das Verhalten für PETBOOK ein. Der Hai-Nachwuchs wird lebend geboren und ist weit entwickelt, aber für Raubtiere dennoch leichte Beute. Indem die jungen Bullenhaie die Flüsse hinaufschwimmen, begeben sie sich in einen sicheren Lebensraum. Dort verbleiben sie mehrere Jahre, um zu wachsen, und danach in den Ozean zurückzukehren.
Der Grund dafür, dass auch erwachsene Bullenhaie in Flüsse zurückkehren und diese hinaufschwimmen, liege Karlowski zufolge vor allem am attraktiven Nahrungsangebot. Potenzielle Beute würde sie auch im Erwachsenenalter zurück in die Flüsse locken. In Deutschland sei dieses Verhalten in der Vergangenheit auch bei Schweinswalen und Großen Tümmlern zu beobachten gewesen, so Karlowski. Die Meeresbewohner wären Fischschwärmen über die Elbe sogar bis nach Magdeburg gefolgt – bis der Bau von Schleusen sie daran hinderte.
Wie Bullenhaie im Süßwasser überleben können
Bullenhaie besitzen als einzige große Haiart spezielle körperliche Anpassungsmechanismen, die es ihnen ermöglichen, als Meerestiere im Süßwasser zu überleben. Das Zusammenspiel verschiedener Organe sorge dafür, dass sich der Organismus des Bullenhais an den Salzgehalt des Wassers anpassen kann, erklärt Karlowski.
Aber warum ist es so ein Problem für Fische, vom Salz- ins Süßwasser zu wechseln? Das liegt am sogenannten osmotischen Druck, der dafür sorgt, dass sich Flüssigkeiten mit unterschiedlicher Salz- oder Mineralstoffkonzentration ausgleichen. Stehen sie durch eine halbdurchlässige Membran – wie eine Zellwand – miteinander in Verbindung, wandert Wasser so lange von der einen zur anderen Seite, bis die Konzentrationen gleich sind. Das geschieht so lange, bis auf beiden Seiten ein Gleichgewicht herrscht. In den Körperzellen von Salzwasserfischen ist der Salzgehalt entsprechend an das sie umgebende Salzwasser angeglichen.
Kommen diese Tiere nun ins Süßwasser, dringt dieses durch Osmose in die Körperzellen. Diese blähen sich auf und können sogar platzen. Gleichzeitig verliert der Organismus sehr viele lebenswichtige Mineralien. Daher können Meerestiere ohne spezielle Anpassungen eigentlich nicht lange im Süßwasser überleben. Bullenhaie jedoch verwenden dafür mehrere Tricks: „Ihre Nieren sind darauf spezialisiert, sich im Körper befindende Salze und Mineralien zu recyceln, wenn sie sich im Süßwasser aufhalten. Zudem können sie ihre Darmanhang-Drüse abschalten und verhindern so, dass ihr Körper zu viel Salz verliert. Entscheidend ist, dass ihr Körper das richtige Wasser-Salz-Gleichgewicht halten kann, unabhängig vom Salzgehalt des Mediums, in dem sie sich gerade aufhalten“, führt Karlowski aus.
Dieser Prozess ermögliche es den Tieren zwar, auch für längere Zeit im Süßwasser zu überleben, sei jedoch aufwendig und fordere zusätzliche Energie. Zu der Frage, wie lange die Haie durch diese Anpassung im Süßwasser überleben können, gäbe es unterschiedliche Informationen, die sich nicht eindeutig eingrenzen lassen, so der Biologe abschließend zu PETBOOK.