24. Februar 2026, 17:11 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Nur wenige Minuten am Stück schlafen – für viele Menschen klingt das nach einer Qual. Doch in der Tierwelt ist genau das für manche Arten überlebenswichtig. Während Schlaf der Regeneration dient, bedeutet er zugleich Kontrollverlust und Verwundbarkeit. Wie schaffen es also einige Tiere, mit minimaler Ruhe auszukommen – und wer schläft tatsächlich am wenigsten?
Übersicht
- Jedes Tier muss schlafen
- Ameisen schlafen in Episoden von etwa einer Minute
- Pferde schlafen wenig und größtenteils im Stehen
- Haben Sie schon mal ein schlafendes Reh gesehen?
- Giraffen nehmen abnorme Schlafhaltung ein
- Afrikanische Elefanten schlafen am wenigsten unter den Säugetieren
- Machen See-Elefanten Afrikanischen Elefanten Konkurrenz?
- Quellen
Jedes Tier muss schlafen
Fest steht: Tiere, die gar nicht schlafen, existieren nicht. Auch sie sind auf die Erholungsphasen angewiesen, die nur Schlaf ermöglicht. Selbst Haie, über deren Ruheverhalten lange Zeit kaum etwas bekannt war, schlafen Studien zufolge auf dem Meeresgrund liegend. Delfine wiederum beherrschen den sogenannten Halbseitenschlaf und lassen jeweils nur eine Gehirnhälfte ruhen. Große Landsäugetiere verfügen über diese Fähigkeit jedoch nicht. Um dennoch in freier Wildbahn bestehen zu können, reduzieren manche Arten ihre Schlafdauer drastisch – teilweise auf wenige Minuten pro Episode. Ein Überblick über die Tiere mit den kürzesten Ruhezeiten.1
Ameisen schlafen in Episoden von etwa einer Minute
Nicht nur größere Landtiere, auch winzig kleine Insekten schlafen mitunter sehr wenig. Dazu gehören die Feuerameisen. Eine Studie der Insekten zeigt, dass Arbeiterinnen der Feuerameise im Durchschnitt 4,8 Stunden pro Tag schlafen. Ihr Schlaf ist in mehrere Episoden aufgeteilt. Verglichen mit anderen Tieren schlafen Feuerameisen sehr häufig. Pro Tag schlafen die Arbeiterinnen durchschnittlich etwa 253 Mal für eine Dauer von jeweils 1,1 Minuten. Die Königinnen einer Ameisenkolonie schlafen dagegen etwa 9,4 Stunden pro Tag. Das tun sie in etwa 92 Episoden, die jeweils etwa sechs Minuten andauern.2
Im Schlaf klappen Feuerameisen ihre Fühler ein und reagieren nicht mehr auf die Berührungen anderer Ameisen. Als Indikator dafür, dass sie sich im Tiefschlaf befinden, identifizierten Wissenschaftler eine schnelle Bewegung ihrer Antennen, vergleichbar mit den schnellen Augenbewegungen anderer Tiere im REM-Schlaf. 80 Prozent des Ameisenvolks erledigen zu einem bestimmten Zeitpunkt entweder Pflege-, Fütterungs- oder Grabungsaufgaben und befinden sich im Wachzustand. Sie schützen in diesem Kollektiv die Königinnen und ihre fruchtbaren Nachkommen vor Umweltbelastungen und potenziellen Gefahren.
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Pferde schlafen wenig und größtenteils im Stehen
Auch Pferde gehören zu den Tieren, die am wenigsten schlafen. Studien über das Schlafverhalten der Tiere beschreiben eine durchschnittliche Gesamtschlafzeit von etwa 3,8 Stunden am Tag. Als Fluchttiere sind Pferde darauf angewiesen, schnell auf potenzielle Gefahren reagieren zu können. Der für Verarbeitungs- und Lernprozesse im Gehirn wichtige REM-Schlaf tritt beim Pferd jedoch nur ein, wenn es liegt. Dabei entspannen sich alle Muskeln des Tieres vollständig und das Pferd befindet sich in einem Zustand vollkommener Wehrlosigkeit. Pferde benötigen täglich mindestens 30 Minuten REM-Schlaf, die Länge kann von Individuum zu Individuum variieren.3
Die Gefahr von Raubtieren besteht bei domestizierten Pferden normalerweise zwar nicht, eine Körpereigenschaft hindert die Tiere jedoch daran, stundenlang tief schlafend am Boden zu liegen. Denn Pferde können nicht zu lange in der Seitenlage verharren. Grund dafür ist ihr Gewicht, das Druck auf bestimmte Körperteile ausübt. Dies kann dazu führen, dass lebenswichtige Organe und Gliedmaßen eingeschränkt durchblutet werden – auch die Lunge wird zusammengedrückt. Deswegen können Halter bei ihren am Boden schlafenden Pferden zum Teil abnorme Atemmuster erkennen. Für kurze Zeit stellt der Schlaf im Liegen für Pferde glücklicherweise kein Problem dar. Den Großteil ihrer Ruhezeit verbringen sie dennoch im Stehen.
Haben Sie schon mal ein schlafendes Reh gesehen?
Auch Rehe zählen zu den Tieren mit vergleichsweise kurzen Ruhezeiten. Als typische Beutetiere müssen sie jederzeit aufmerksam bleiben, weshalb ihr Schlaf stark fragmentiert ist. Statt längerer zusammenhängender Phasen ruhen sie in vielen kurzen Etappen über den Tag und die Nacht verteilt. Insgesamt kommen Rehe auf etwa drei bis fünf Stunden Ruhezeit innerhalb von 24 Stunden. Einen Teil davon verbringen sie dösend im Liegen, häufig mit angezogenen Beinen und erhobenem Kopf, um bei Gefahr sofort aufspringen zu können. Tiefere Schlafphasen sind selten und dauern meist nur wenige Minuten. Dieses Muster ermöglicht es den Tieren, Energie zu sparen, ohne ihre Wachsamkeit vollständig aufzugeben.4
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Giraffen nehmen abnorme Schlafhaltung ein
Auch die Giraffe schläft nur sehr wenig, um sich vor möglichen Raubtieren zu schützen. Dösen können die Tiere im Stehen, für den REM-Schlaf müssen sie sich ebenfalls hinlegen. Doch noch mehr als das: Um wirklich tief schlafen zu können, falten sich die großen Tiere regelrecht zusammen und begeben sich in eine eher abnorme Schlafhaltung. Die Beine werden eingeklappt, der lange Hals nach hinten gebogen. Ihr Kinn legen Giraffen auf einem ihrer Hinterbeine ab, und das aus gutem Grund. Da sie im Tiefschlaf eine komplette Entspannung ihrer Muskulatur überkommt, verhindern sie so, dass ihr Kopf unkontrolliert auf dem Boden aufschlägt.5
Das Aufstehen aus dieser Schlafposition dauert dementsprechend lange, was Giraffen sehr verletzlich macht. Die Schlafperioden mit aufgelegtem Kopf dauern daher nur wenige Minuten an. Eine Studie erfasste diesbezüglich bei in Gefangenschaft gehaltenen Giraffen eine maximale Tiefschlafdauer von 12 Minuten. Im Durchschnitt dokumentierten die Wissenschaftler einen drei bis vier Minuten andauernden Schlaf, der sich pro Tag auf etwa vier Stunden addiert. Doch auch im Tiefschlaf sind sie sehr reizempfindlich. Bei störenden Geräuschen kann es dazu kommen, dass sie stundenlang nicht schlafen.
Afrikanische Elefanten schlafen am wenigsten unter den Säugetieren
Die kürzeste tägliche Schlafzeit aller bisher erfassten Säugetiere weisen Afrikanische Savannenelefanten auf. Die großen Landsäugetiere zählen nicht nur zu den schwersten Tieren der Welt (PETBOOK berichtete). Über den Tag verteilt schlafen die Dickhäuter in vier bis fünf Etappen, womit sie auf eine durchschnittliche tägliche Gesamtschlafzeit von nur zwei Stunden kommen. Die extrem geringe Schlafzeit dieser Elefanten brachte ihnen sogar eine Nennung im „Guinnessbuch der Rekorde“ ein und wurde im Rahmen einer Studie dokumentiert, die zwei weibliche Elefanten beobachtete und ihre Schlafphasen untersuchte.6
Die von Afrikanischen Savannenelefanten präferierten Zeiten, um zu schlafen, liegen den Wissenschaftlern zufolge meist zwischen zwei Uhr nachts und sechs Uhr morgens. Sie schlummern sowohl im Liegen als auch im Stehen, wobei das Stehen deutlich überwiegt. Nur jeden dritten oder vierten Tag legen sie sich hin, um zu ruhen. Bei Gefahr durch Raubtiere oder Störungen brünstiger Elefantenbullen halten die Tiere sogar bis zu 46 Stunden lang ohne Schlaf aus.
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Machen See-Elefanten Afrikanischen Elefanten Konkurrenz?
Ein weiteres Schwergewicht im Tierreich ist der See-Elefant, die größte Robbenart, deren Lebensraum sich hauptsächlich im Ozean befindet. Zu näheren Erkenntnissen über die Schlafgewohnheiten wilder Meeressäugetiere kamen Wissenschaftler erst im Jahr 2023. Dabei stellte sich heraus, dass See-Elefanten ihren Namensvettern auf dem Land als Tiere, die am wenigsten schlafen, ordentlich Konkurrenz machen. Die Robben ruhen teilweise ebenfalls nur maximal zwei Stunden am Tag.
Anders als bei Afrikanischen Savannenelefanten halten See-Elefanten ihren Schlafmangel jedoch nicht dauerhaft durch. Sie befinden sich den Großteil des Jahres auf offener See, um zu jagen, ohne an Land zu gehen. In dieser Zeit ist viel Schlaf für sie lebensgefährlich, weshalb sie am Tag mehrere kurze Nickerchen einlegen. Befinden sich die Tiere zur Paarungszeit wieder an Land, klettert die Zeit, die sie mit Schlafen verbringen, auf mehr als 10 Stunden. Daher ist ihr Schlafverhalten nur bedingt mit dem der Afrikanischen Savannenelefanten zu vergleichen.7
Schlafen im Flug: Die erstaunliche Strategie der Mauersegler
Ein besonders skurriles Schlafverhalten zeigen Mauersegler. Die Zugvögel verbringen bis zu zehn Monate nahezu ununterbrochen in der Luft und berühren meist nur während der Brutzeit festen Boden. Ähnlich wie Delfine können sie jeweils nur eine Gehirnhälfte in den Ruhezustand versetzen, während die andere weiterhin Navigation und Flügelschlag kontrolliert. Auf diese Weise verbinden sie Fortbewegung und Erholung – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie flexibel Schlaf im Tierreich sein kann.