7. Oktober 2025, 15:43 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Gestrandete Delfine – Meldungen, die erschrecken. Doch der Grund hierfür schockt noch mehr: Ein klimawandelbedingtes Toxin soll laut einer Studie Alzheimer-Symptome bei Delfinen verursachen. Was dahintersteckt und was es für uns Menschen heißt, erfahren Sie hier.
Wie auch Wale stranden Delfine des Öfteren an Stränden. Ein Grund dafür könnte eine Vergiftung durch Algen sein. Das fand ein Forscherteam um David A. Davis der University of Miami heraus. Infolge des Klimawandels treten in Floridas Indian River Lagoon vermehrt schädliche Algenblüten (Harmful Algal Blooms, HABs) auf, die durch steigende Wassertemperaturen und Nährstoffüberschuss entstehen. Sie schädigen nicht nur das Ökosystem, sondern setzen auch giftige Substanzen frei, diese können bis ins Gehirn von Meerestieren eindringen. Für die Tiere kann das ein Todesurteil bedeuten, denn die kurzfristige Wirkung der Toxine führt zur Orientierungslosigkeit und Strandung.
Die langfristigen Folgen für das Nervensystem der Tiere sind bislang wenig bekannt. Genau hier setzte die Forschergruppe an und fragen sich: Gibt es einen Zusammenhang zwischen saisonaler Toxinbelastung durch HABs und neurodegenerativen Veränderungen im Gehirn der Delfine? Die Ergebnisse im Rahmen dieser Studie wurden 2025 im Fachjournal Current Biology veröffentlicht.1
Genprofile ähneln stark denen von Alzheimer-Patienten
Die Forschenden untersuchten 20 gestrandete Große Tümmler (Tursiops truncatus truncatus) aus dem Gebiet der Florida Indian River Lagoon. Die ausgewählten Tiere waren zwischen 2010 und 2019 verendet. Die Proben stammten dabei aus verschiedenen Regionen entlang der Lagune. Dabei wurden die Tiere in zwei Gruppen eingeteilt: während der Algenblütensaison (Juni-November) und außerhalb dieser Zeit (Dezember-Mai). Die Forschenden analysierten die Gehirne auf das HAB-Neurotoxin 2,4-Diaminobuttersäure (2,4-DAB), führten Genexpressionsanalysen (RNA-Seq) durch und untersuchten Alzheimer-typische Hirnveränderungen histologisch.
Die Ergebnisse weisen auf, dass Delfine, die während der Algensaison starben, im Gehirn eine bis zu 2900-mal höhere Konzentration hatten als die außerhalb der Blühsaison. Die Forscher stellten Veränderungen von 536 Genen fest. Aus der Genanalyse folgt, dass es dadurch zu Störungen in der Funktion der Synapsen, die zuständig sind für die Reizweiterleitung, der Blut-Hirn-Schranke und der Basalmenmembran führt. Die Genprofile ähneln dabei stark denen von Alzheimer-Patienten. Auch auf der Proteinebene gab es starke Ähnlichkeiten zu Alzheimer-Erkrankten – hinzukamen ebenfalls Ablagerungen im Hirngewebe.
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Sind Delfine unser „Frühwarnsystem“?
Festzuhalten ist, dass die Studie einen sehr klaren Beweis für die Folgen von saisonalen Umweltbelastungen liefert. Eine Erkenntnis sticht in diesem Zusammenhang hervor: Die Wirkung des Neurotoxins geht mit pathologischen Alzheimer-Symptomen einher. Mit einem bitteren Beigeschmack könnte sich diese Kausalkette als „Frühwarnsystem“ erweisen. Wir Menschen könnten daraus wichtige Gedanken zu unserer Gesundheit ableiten.
Denn auch die Ähnlichkeit zu menschlichen Alzheimer-Genprofilen unterstreicht die Bedeutung dieser Daten für die Humanmedizin – insbesondere im Kontext wachsender Umweltbelastungen durch den Klimawandel. Allerdings basiert die Studie auf lediglich 20 Proben. Um die Ergebnisse zu sichern, bedarf es in Zukunft noch viel mehr Forschung auf dem Gebiet.
Weckruf für die Forschung
Dass der Klimawandel vielen Arten auf die Füße fällt und massive Konsequenzen mit sich zieht, ist nicht unbekannt. Doch gerade die durch Algen entstehenden Hirnschäden zeigen eine weitere Facette, die vielleicht zum Nachdenken anregt – eine Art Weckruf für Forschung, Naturschutz und auch für uns Menschen.