3. Juli 2026, 11:14 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Große, schwarze Skorpione gelten vielen als Inbegriff gefährlicher Gifttiere. Tatsächlich gehören sie jedoch meist zu den harmloseren Arten. Wirklich gefährlich für Menschen sind oft die kleineren Vertreter – doch auch das stimmt nur teilweise. Warum Größe allein nichts über die Giftigkeit eines Skorpions verrät und welche Arten tatsächlich zu den gefährlichsten der Welt gehören, erklärt PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider.
Übersicht
Sind alle Skorpione giftig?
Um es kurz zu machen: Ja, alle Skorpione sind giftig. Dieses produzieren sie in einer Giftdrüse im letzten Körpersegment, an dem auf der Giftstachel sitzt – neben den Zangen das wohl markanteste Erkennungsmerkmal der Skorpione. Das Gift hat dabei zwei Funktionen. Zum einen nutzen sie es, um ihre Beute zu jagen. Dazu gehören Insekten, Spinnen, andere Skorpione, aber auch kleinere Wirbeltiere. Zum anderen setzten Skorpione ihr Gift zur Verteidigung ein, wenn sie sich bedroht fühlen.1
Wie wirkt das Gift von Skorpionen?
Jährlich sterben weltweit je nach Quelle etwa 1000 bis 5000 Menschen durch Skorpionstiche. Die medizinisch gefährlichen Skorpione gehören fast ausschließlich zur Familie der „Buthidae“. Das sind meist kleine bis mittelgroße Skorpione, von denen manche Arten zu den giftigsten der Welt zählen.2
Eine der Komponenten im Gift, die den Stich eines Skorpions für uns Menschen so gefährlich macht, heißt Chlorotoxin. Es handelt sich hierbei um ein winziges Protein mit starker Wirkung. Durch seine besondere Form ist es in der Lage, die Funktion unserer Muskelzellen zu blockieren. Diese können sich dann nicht mehr entspannen, was dazu führt, dass sich alle Muskeln im Körper gleichzeitig anspannen. Das ist zum einen sehr schmerzhaft und führt zu Lähmungen.
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Welches ist der giftigste Skorpion?
Je nach Quelle gelten verschiedene Arten als die giftigsten der Welt. Eine davon ist der Indische Rote Skorpion (Hottentotta tamulus). Die gemeldeten klinischen Todesraten liegen zwischen 8 und 40 Prozent. Auch der Gelbe Mittelmeerskorpion (Leiurus quinquestriatus), der in Ägypten und der Türkei vorkommt, gilt als einer der giftigsten. Sein Stich führt zu Krämpfen und Lähmungen der Muskeln und soll sehr schmerzhaft sein.3
Beide Skorpion-Arten gehören der Familie der Buthidae an und werden nicht größer als zehn Zentimeter. Zwar sind sie damit deutlich kleiner als bei Terrarienfreunden beliebte Exemplare, wie der Kaiserskorpion, der bis zu 20 Zentimeter wird. Dies ist allerdings noch kein Beweis dafür, dass kleine Skorpione giftiger sind als große. Denn die Größe der Tiere hängt auch mit ihrem Alter zusammen. So startet selbst der Kaiserskorpion als Jungtier mit einer Größe von wenigen Zentimetern. Klein heißt also nicht immer giftig.
Woran erkennt man einen gefährlichen Skorpion?
Wer einem Skorpion begegnet, fragt sich schnell: Ist er gefährlich? Eine einfache Faustregel gibt es tatsächlich – auch wenn sie nicht immer zutrifft. Entscheidend ist meist nicht die Größe des Tieres, sondern das Verhältnis zwischen Scheren und Schwanz.
Skorpione mit kräftigen, breiten Scheren verlassen sich bei der Jagd vor allem auf ihre Muskelkraft. Ihr Gift spielt eine geringere Rolle und ist für Menschen häufig weniger gefährlich. Anders sieht es bei Arten mit schmalen Scheren und einem auffallend kräftigen Schwanz samt Giftstachel aus. Sie sind stärker auf ihr Gift angewiesen, um Beute zu überwältigen – und gehören deshalb häufiger zu den medizinisch gefährlichen Arten.
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Warum das Verhältnis von Scheren und Schwanz so wichtig ist
Der Grund dafür liegt im Jagdverhalten der Tiere. Skorpione mit kräftigen Scheren können ihre Beute häufig allein mit Muskelkraft überwältigen und sind deshalb weniger auf ein starkes Gift angewiesen. Ein Beispiel ist der Schwarze Thaiskorpion (Heterometrus scaber), dessen Stich für Menschen meist nicht gefährlicher ist als ein Bienenstich.
Arten mit schmalen Scheren und kräftigem Schwanz verlassen sich dagegen deutlich stärker auf ihr Gift. Deshalb gehören viele dieser – oft kleineren – Skorpione zu den medizinisch gefährlichsten Vertretern ihrer Familie. Dass kleine Skorpione grundsätzlich giftiger sind als große, stimmt also nicht. Entscheidend ist vielmehr, wie der jeweilige Skorpion seine Beute überwältigt.
Gibt es Skorpione in Deutschland?
In Deutschland selbst gibt es keine heimischen Skorpione. Selbst in Mitteleuropa gibt es keine Skorpione, deren Stich lebensbedrohlich für Menschen ist. Da die zu den Spinnentieren gehörenden Skorpione warme und trockene Lebensräume bevorzugen, kommen sie vor allem in tropischen und subtropischen Regionen vor. In Europa können sie gerade noch bis in den Süden Österreichs gefunden werden. In Deutschland muss man schon großes Glück haben, um einen echten Skorpion anzutreffen – und dabei handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein entkommenes oder ausgesetztes Tier.
Aber es gibt in Deutschland Spinnentiere, die Skorpionen zum Verwechseln ähnlich sehen und sogar mit ihnen verwandt sind: die sogenannten Pseudoskorpione. Auch sie gehören zu den Spinnentieren und ernähren sich von Gliederfüßern. Genau wie Skorpione besitzen sie zwei große Greifzangen, allerdings fehlt ihnen Giftstachel und Gift.
Und wenn Sie sich jetzt fragen, warum Sie so ein Tier noch nie gesehen haben: Pseudoskorpione kommen in der Natur zwar häufig vor, allerdings begegnet man ihnen nur selten, da sie gerade mal wenige Millimeter groß sind. Einer der bekanntesten Vertreter ist der Bücherskorpion (Chelifer cancroides).