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Absurd, aber wahr

Warum Capybaras kurzerhand zu „Fisch“ erklärt wurden

Capybara-Familie am Wasser
Capybaras haben sich in den vergangenen Jahren zu dem Trendtier überhaupt gemausert. Und doch gibt es Fakten, die auch eingefleischte Fans bestimmt nicht alle kennen. Foto: Getty Images / caio acquesta
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

29. Dezember 2025, 12:35 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Das Capybara – auf Deutsch auch Wasserschwein – hat in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Internet-Popularität erreicht. Doch hinter den Memes und dazu passenden Kuscheltieren steckt ein hochspannendes Tier mit komplexem Sozialverhalten und erstaunlichen biologischen Fähigkeiten. PETBOOK stellt 13 faszinierende Fakten über die Kult-Tiere vor.

Warum Capybaras bei einigen als „Fisch“ gelten

Eine kuriose Anekdote: Im 18. Jahrhundert erklärte die katholische Kirche das Capybara in einigen Regionen Südamerikas zu „Fisch“, nachdem venezolanische Geistliche dies beantragt hatten. Der Grund war vermutlich ihr wassergebundener Lebensstil – und die Tatsache, dass die Einwohner sie so während der Fastenzeit weiter essen durften. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie Kultur und Biologie nicht immer übereinstimmen.

Capybaras sind die größten Nagetiere der Welt

Mit einer Länge von bis zu 1,30 Metern und einem Gewicht von rund 70 Kilogramm übertreffen Capybaras alle anderen Nagetiere. Ihr kräftiger Körper und die leicht stromlinienförmige Form sind eine perfekte Anpassung an ihr Leben zwischen Wasser und Land. Trotz ihrer Größe wirken sie erstaunlich sanft und gelassen – ein Eindruck, der sich in ihrem Verhalten immer wieder bestätigt.

Semiaquatische „Chill-Meister“

Capybaras verbringen viele Stunden täglich im Wasser. Dort fressen sie, ruhen sich aus oder entziehen sich der Hitze. Ihre hoch am Kopf liegenden Augen, Ohren und Nasen ermöglichen es ihnen, fast komplett unterzutauchen und dennoch wachsam zu bleiben. Im Wasser fühlen sie sich so wohl, dass sie zu Recht als semiaquatische „Chill-Meister“ gelten.

Sie gehören zu den sozialsten Tierarten Südamerikas

In freier Wildbahn leben Capybaras in Gruppen von meist 10 bis 30 Tieren, manchmal sogar in Herden von über 100 Individuen. Dies ist nur einer der Gründe, aus denen sich Capybaras nicht für eine Haltung als Haustier eignen. Sie kommunizieren über ein vielfältiges Repertoire an Lauten – Pfeifen, Grunzen, Bellen, Schnurren – und halten engen Kontakt miteinander. Dieses soziale Netzwerk ist essenziell für ihr Wohlbefinden und ihren Schutz.

Ihr entspanntes Temperament ist legendär

Capybaras wirken, als könne sie kaum etwas aus der Ruhe bringen. Tatsächlich zeigen viele Untersuchungen, dass sie ein sehr friedliches Wesen haben und Konflikte innerhalb der Gruppe selten eskalieren. Genau deshalb sieht man sie so oft gelassen mit anderen Tierarten zusammenliegen – ob Schildkröten, Enten oder sogar Kaimane.

Capybaras nutzen einen cleveren Verdauungstrick

Um alle wichtigen Nährstoffe aus ihrem nährstoffarmen Grasfutter zu gewinnen, fressen Capybaras ihren eigenen, speziellen Blinddarmkot, um ihn ein zweites Mal zu verdauen. Dieses sogenannte Caecotrophieren ist bei Nagetieren und anderen Pflanzenfressern nicht ungewöhnlich, aber bei Capybaras besonders effektiv. So holen sie das Maximum aus ihrer Ernährung heraus.

Ihre Zähne wachsen ein Leben lang

Als echte Nagetiere besitzen Capybaras ständig nachwachsende Schneidezähne. Da sie täglich große Mengen Gras fressen, nutzen sich diese Zähne natürlich ab und sie halten sie so funktionstüchtig. Werden sie jedoch nicht genug abgerieben, kann das zu schmerzhaften Problemen führen.

Capybaras genießen „Wellness-Behandlung“ durch Vögel

Immer wieder sieht man Capybaras mit Vögeln auf dem Rücken – und das ist keineswegs Zufall, sondern ein faszinierendes Beispiel für Mutualismus, also gegenseitigen Nutzen. Verschiedene Vogelarten, darunter Kuhreiher, Stärlinge oder kleine Sperlingsvögel, landen häufig auf Capybaras, um dort Parasiten, Zecken und abgestorbene Hautpartikel zu picken.

Für die Vögel ist das eine wertvolle Nahrungsquelle, und für die Capybaras ein natürlicher Wellness-Service. Entsprechend entspannt lassen sie diese Prozedur über sich ergehen. Manchmal ruhen ganze Gruppen von Capybaras in der Sonne, während mehrere Vögel gleichzeitig auf ihnen sitzen und sie putzen – ein friedliches Zusammenspiel, das in der Natur selten so harmonisch funktioniert wie bei ihnen.

Capybaras und Vögel in einer Symbiose im Wasser
Viele Vögel sitzen gern auf Capybaras. Die Tiere lassen sie für eine „Wellness-Behandlung“ gern gewähren. Foto: Getty Images

Capybara-Kinder wachsen in einer richtigen Gemeinschaft auf

Der Nachwuchs wird im Verband großgezogen, und alle Weibchen übernehmen Aufgaben wie das Aufpassen oder Säugen. Jungtiere dürfen bei jeder Mutter trinken, was ihre Überlebenschancen erhöht und das soziale Gefüge stärkt. Dieses kooperative Verhalten ist eines der schönsten Beispiele für Capybara-Gemeinschaftssinn.

Ihre Sinne sind erstaunlich fein ausgeprägt

Capybaras besitzen ein ausgezeichnetes Gehör, das ihnen hilft, selbst leiseste Warnsignale wahrzunehmen. Ihre Augen sind ideal auf Bewegungen im Wasser abgestimmt, und ihr Geruchssinn unterstützt sie bei der Kommunikation über Duftmarken. Trotz ihres entspannten Auftretens entgeht ihnen kaum etwas.

Trotz ihrer Beliebtheit sind sie nicht überall sicher

Zwar gelten Capybaras insgesamt nicht als gefährdet, doch lokale Populationen leiden unter Lebensraumverlust, Jagd und illegalem Handel, zum Beispiel für umstrittene Capybara-Cafés. In geschützten Gebieten erholen sich die Bestände jedoch gut, was zeigt, wie wichtig intakte Feuchtgebiete für ihr Überleben sind.

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Ihr scheinbares Lächeln hat einen echten Hintergrund

Capybaras sehen oft aus, als würden sie zufrieden lächeln – und tatsächlich ist dieser Ausdruck kein Zufall. Ihre breiten Mundwinkel und die leicht geschwungene Schnauze erzeugen das charakteristische „Grinsen“, das sie so sympathisch macht. Das passt zu ihrem Wesen, denn Capybaras haben im Gruppenverband nachweislich niedrige Stresswerte. Ihr Gesichtsausdruck spiegelt also oft ihr inneres Wohlbefinden wider.

Capybaras lieben heiße Quellen – besonders im Winter

Die berühmten Bilder aus japanischen Zoos zeigen Capybaras, wie sie im Winter entspannt in Onsen sitzen. Auch wenn dieses Verhalten nicht aus der südamerikanischen Wildnis stammt, entspricht es ihrem natürlichen Bedürfnis nach Wärme und Sicherheit. Warmes Wasser schützt sie vor dem Auskühlen, fördert ihr Wohlbefinden und reduziert Stress. Kein Wunder, dass sie dort mit geschlossenen Augen und ihrem typischen Lächeln zu sehen sind – es ist für sie pure Entspannung.

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