23. Juni 2026, 17:17 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Zum hässlichsten Tier der Welt gewählt, zum Internetstar geworden und trotzdem völlig missverstanden: Der Blobfisch ist wohl das bekannteste Gesicht der Tiefsee. Warum das berühmte Foto täuscht und welche Geheimnisse der Fisch bis heute verbirgt.
Vom Tiefseefisch zum Internetstar
Der Blobfisch (Psychrolutes marcidus) dürfte einer der wenigen Tiefseebewohner sein, die auch Menschen kennen, die sich eigentlich nicht für Fische interessieren. Berühmt wurde er durch ein Foto aus dem Jahr 2003, das einen rosa, schlaff wirkenden Fisch mit großer Nase und traurig wirkendem Gesicht zeigt. Innerhalb weniger Jahre wurde der Tiefseefisch deswegen weit über wissenschaftliche Kreise hinaus bekannt.
Besonders sein scheinbar trauriger Gesichtsausdruck sorgte für Aufmerksamkeit und führte dazu, dass der Blobfisch 2013 bei einer Abstimmung der Ugly Animal Preservation Society zum „hässlichsten Tier der Welt“ gewählt wurde. Seitdem ist er nicht nur Gegenstand zahlreicher Memes, sondern auch auf Kuscheltieren oder in Fernsehformaten präsent.1
Warum der Blobfisch gar nicht so aussieht
Der Blobfisch hat etwas, was man vielleicht als eine Art „Imageproblem“ bezeichnen könnte. Weltweit bekannt wurde er durch ein Foto, auf dem er wie eine rosa, zerlaufene Masse mit traurigem Gesicht aussieht. In der Tiefsee präsentiert sich der Fisch allerdings ganz anders.2
Dort lebt er in bis zu 1.200 Metern Tiefe und nutzt den enormen Wasserdruck, um seine weichen Körperstrukturen in Form zu halten. Erst der Weg an die Oberfläche macht ihm zu schaffen: Durch den plötzlichen Druckunterschied verändert sich sein Körper und der Blobfisch erhält das Aussehen, das ihn berühmt gemacht hat.
Leben in den Tiefen des Ozeans
Der Blobfisch verbringt sein gesamtes Leben fernab des Sonnenlichts. Er lebt in den Gewässern rund um Australien, Tasmanien und Neuseeland. In Tiefen von bis zu 1.200 Metern herrscht nahezu vollständige Dunkelheit. Nahrung ist dort oft knapp und viele Bereiche des Meeresbodens wirken wie eine karge Unterwasserwüste.
Um Energie in der Tiefe des Meeres zu sparen, bewegt sich der Blobfisch nur wenig. Statt aktiv auf die Jagd zu gehen, wartet er auf Beute, die in seine Nähe gelangt. Zu seinem Speiseplan gehören unter anderem kleine Krebstiere, Schnecken und andere wirbellose Meerestiere. Über das Leben des Blobfischs wissen Forschende bis heute erstaunlich wenig. Da die Tiere in schwer zugänglichen Tiefseegebieten leben, stammen viele Erkenntnisse aus zufälligen Fängen oder Aufnahmen von Unterwasserfahrzeugen.
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Wie überleben Tiere in der Tiefsee?
Fortpflanzung und Geheimnisse der Tiefsee
Über die Fortpflanzung des Blobfischs ist bislang nur wenig bekannt. Forschende können die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum nur schwer beobachten. Deshalb bleiben viele Fragen offen, etwa zum Paarungsverhalten oder zur Entwicklung der Jungtiere.
Einige Erkenntnisse gibt es dennoch. Weibchen legen vermutlich tausende Eier auf felsigen Flächen am Meeresboden ab. Die Eier liegen oft dicht beieinander in großen Nestern. Forschende vermuten, dass diese Strategie den Nachwuchs besser schützt. Beobachtungen verwandter Arten deuten außerdem darauf hin, dass die Elterntiere die Gelege bewachen.
Wie lange Blobfische leben, ist ebenfalls unklar. Da viele Tiefseefische langsam wachsen und spät geschlechtsreif werden, gehen Wissenschaftler jedoch von einer vergleichsweise hohen Lebenserwartung aus.
Bedrohungen und Bedeutung für den Naturschutz
Wie viele Blobfische in den Weltmeeren leben, weiß bislang niemand genau. Deshalb können Forschende auch nicht sicher sagen, ob die Art gefährdet ist. Dennoch bedrohen menschliche Eingriffe ihren Lebensraum. Dazu zählen vor allem die Tiefseefischerei und die Grundschleppnetzfischerei. Dabei geraten Blobfische immer wieder als Beifang in die Netze.
Auch die Folgen des Klimawandels könnten die Tiefseebewohner treffen. Steigende Meerestemperaturen verändern die Lebensbedingungen vieler Arten. Welche Auswirkungen das auf den Blobfisch hat, ist bislang jedoch kaum erforscht.
Trotz vieler offener Fragen hat der Blobfisch eine wichtige Rolle für den Naturschutz übernommen. Als „hässlichstes Tier der Welt“ lenkt er Aufmerksamkeit auf Arten, die sonst kaum Beachtung finden. Naturschützer nutzen seine Bekanntheit deshalb, um auf den Schutz der Tiefsee und ihrer oft übersehenen Bewohner aufmerksam zu machen.