25. Februar 2026, 6:07 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Bettwanzen gelten als hartnäckige Plagegeister, die sich in Wohnungen ausbreiten und nur schwer wieder vertreiben lassen. Doch ausgerechnet sie selbst scheinen etwas zu fürchten – und zwar etwas Alltägliches. Neue Forschungsergebnisse zeigen nun erstmals, was den Insekten offenbar ernsthaft zusetzt. Die Entdeckung könnte sogar Folgen für die Bekämpfung von Befall haben, wie PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider erläutert.
Bettwanzen fürchten sich vor etwas, was jeder Zuhause hat
Bettwanzen jagen vielen einen regelrechten Schauer über den Rücken – und das zurecht. Nicht nur schlimm genug, dass die Insekten nachts unter die Decke kriechen und Blut saugen – man wird sie auch so schnell nicht wieder los. Wer einen Befall bei sich entdeckt, muss einen Kammerjäger kommen lassen, der die Tiere professionell bekämpft – mit hartem Gift.
Jetzt zeigt eine neue Studie: Es geht vielleicht auch einfacher. Denn sie haben etwas gefunden, vor dem sich Bettwanzen scheinbar fürchten, und das hat jeder bei sich zu Hause: Wasser!1
Studie dokumentiert erstmals Abneigung von Bettwanzen gegenüber Wasser
Ja, Sie haben richtig gelesen. Bettwanzen scheinen nicht gern nasse Füße zu bekommen, wie Forscher der University of California, Riverside (UCR), herausfanden. Darin beschreiben sie erstmals eine deutliche Abneigung von Bettwanzen gegenüber Wasser und feuchten Oberflächen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Journal of Ethology“ veröffentlicht.
Der Entomologe Dong-Hwan Choe, Professor an der UCR und Mitautor der Studie, sieht dafür eine naheliegende anatomische Erklärung: Bettwanzen besitzen extrem flache Körper sowie kleine Atemöffnungen – sogenannte Stigmen – an den Seiten ihres Bauches.
Wasser bleibt an Bettwanzen „kleben“
„Wenn sie physisch mit Wasser in Kontakt kommen, bleiben sie an dessen Oberfläche hängen und blockieren ihre Atemöffnungen“, zitiert das Wissenschaftsmagazin „Phys.Org“ Choe.
An Wasser kleben bleiben? Ja, das geht – zumindest, wenn man so winzig ist wie eine Bettwanze. Denn dann hat die Oberflächenspannung von Wasser einen ganz anderen physikalischen Effekt als auf größere Körper.
Adhäsionskraft sorgt wohl für Meideverhalten
Das liegt an der sogenannten Oberflächenspannung, die durch die spezielle Ladung der Wasser-Moleküle entsteht. Sie kennen das Phänomen vielleicht: Ein volles Glas Wasser lässt sich über den Rand hinaus befüllen. Die Moleküle „kleben“ aneinander und halten sich gegenseitig fest – solange, bis die Kraft (in dem Fall die Schwerkraft) zu groß wird und das Glas überläuft.
Dieses „Zusammenkleben“ der Moleküle bezeichnet man in der Physik als Kohäsionskraft. Das klappt aber nicht nur unter den Molekülen, sondern auch zwischen Wassermolekülen und Oberflächen jeglicher Art, was Physiker dann als Adhäsionskraft bezeichnen. Und genau die könnte dafür sorgen, dass Bettwanzen sich vor Wasser fürchten. Denn berührt ein Tropfen den Wanzenkörper bleibt er darauf „kleben“. Aber warum ist das jetzt schlimm?
Wanzen könnten schon bei winzigen Tropfen ertrinken
Im Gegensatz zu uns atmen Insekten nicht über einen Mund und eine Lunge, sondern indem sie mit ihrem Hinterleib aktiv Luft in den Körper pumpen. Diese gelangt durch sogenannte Stigmen ins Luftröhrensystem der Insekten. Diese Atemöffnungen liegen seitlich am Hinterleib – und damit verdammt nahe am Untergrund.
Befindet sich also Wasser auf dem Boden und berührt den Hinterleib der Wanze, können sich die Tropfen auf genau diese Atemöffnungen legen. Die Bettwanzen hätten dann keine Chance, sie zu entfernen und drohen zu ersticken – zumindest ist das die Theorie der Forscher.
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Zufallsbeobachtung im Labor
Die Erkenntnis entstand eher zufällig im Labor von Choe. Üblicherweise werden Bettwanzenkolonien dort in Gefäßen gehalten. Zur Fütterung befestigen die Forscher einen künstlichen Futterspender auf der Oberseite der Gefäße. Die Tiere krabbeln nach oben und stechen ihre Mundwerkzeuge durch eine Membran, um Blut aufzunehmen.
Eines Tages jedoch war diese Membran leicht beschädigt, sodass Blut austrat und das Papier durchfeuchtete, das sich im Gefäß befand und den Wanzen als Untergrund diente. „Ich dachte, die Bettwanzen würden gern das Blut aus dem Papier trinken“, berichtet Choe in „Phys.Org“. „Aber was ich sah, war ganz anders. Sie vermieden aktiv den Teil des Papiers, der feucht vom Blut wurde. Sie wollten nicht einmal in die Nähe der feuchten Bereiche laufen.“
Experimente mit Wasser bestätigen Abneigung
Um die Beobachtung zu überprüfen, befeuchteten die Forschenden das Papier zusätzlich mit Wasser. Auch diese nassen Bereiche mieden die Insekten konsequent. Das gab den Anstoß zu weiterführenden Experimenten.
Der Postdoktorand Jorge Bustamante aus Choes Arbeitsgruppe entwickelte daraufhin ein Versuchsdesign, bei dem eine spezielle Infrarotkamera mit Vergrößerungslinse zum Einsatz kam. Denn es ist gar nicht so einfach, die Bettwanzen zu beobachten, wie Choe in „Phys.Org“ begründet. Vor allem die jungen Stadien sind winzig – gerade mal zwei Millimeter groß.
Mithilfe einer Videoanalysesoftware konnte Bustamante Farbunterschiede zwischen Insekten und Hintergrund auswerten und so Bewegungsmuster exakt erfassen. Untersucht wurden Geschwindigkeit und Distanz, mit der sich die Wanzen von feuchten Flächen entfernten. Zudem analysierte er Unterschiede hinsichtlich Geschlecht und Alter.
Junge Bettwanzen reagieren besonders sensibel
Das Ergebnis: Sämtliche Bettwanzen – männliche wie weibliche, ältere wie jüngere – vermieden nasse Untergründe. Auffällig war zudem, dass die Tiere sich schneller von Wasser entfernten, als sie sich ihm näherten.
Besonders junge, kleinere Bettwanzen zeigten eine ausgeprägte Reaktion. Sie vollzogen schneller eine abrupte Kehrtwende, sobald sie sich einer feuchten Stelle näherten. Das deutet darauf hin, dass jüngere Tiere empfindlicher auf Nässe reagieren als ältere. Vor dem Hintergrund, dass diese bedeutend kleiner sind, macht das auch Sinn, denn auf sie würde die Oberflächenspannung des Wassers einen noch größeren Effekt ausüben als auf größere, adulte Wanzen.
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Bedeutung für die Schädlingsbekämpfung
Aber bedeutet das jetzt, dass man Bettwanzen einfach loswird, indem man Bettrahmen und Wände mit Wasser besprüht? Um diese Frage zu beantworten, braucht es noch einiges an Forschung. Doch schon jetzt sind sich Choe und seine Kollegen einige, dass die Ergebnisse ihrer Arbeit auch praktische Folgen haben werden.
Vor allem Unternehmen, die wasserbasierte Insektizidsprays entwickeln oder testen, sollten das Verhalten nach Meinung der Forscher berücksichtigen. Da Bettwanzen feuchte Flächen aktiv meiden, könnten sie behandelte Bereiche verlassen und sich vorübergehend in andere Teile einer befallenen Immobilie zurückziehen – mit Folgen, wie Choe warnt: „Wenn die Insektizide die Bettwanzen nicht sofort töten, verlassen sie die behandelten Bereiche und verteilen sich anderswo.“
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Ein einfacher Rat bei Verdacht
Für Personen, die befürchten, Bettwanzen könnten sich auf ihrer Kleidung oder ihrem Körper befinden, hat Choe aber doch noch einen Tipp: „Nehmen Sie ein Bad. Das wird das Problem lösen“, sagte er. „Natürlich werden die Bettwanzen im Zimmer oder auf dem Bett andere Ansätze erfordern.“ Aber zumindest ist es nicht notwendig, Kleidung oder Haut und Haare mit Pestiziden zu behandeln, wie man es von der Bekämpfung von Kopfläusen kennt – Wasser reicht hier völlig aus.