2. Februar 2026, 11:13 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ob auf dem Land oder mitten in der Großstadt – Tauben sind fast überall anzutreffen. Vielerorts gelten sie als lästige Begleiter im Alltag, doch nur wenige wissen tatsächlich etwas über die Vögel, die uns so selbstverständlich umgeben. Was fressen sie eigentlich? Und vor allem: Wie alt können Tauben werden? Die Antwort darauf fällt überraschend drastisch aus – vor allem für Stadttauben.
Übersicht
Wie alt werden Tauben?
Unter optimalen Bedingungen können Tauben erstaunlich alt werden. In menschlicher Obhut erreichen sie laut verschiedenen Quellen ein Alter von bis zu 15 Jahren. Auch außerhalb solcher Bedingungen liegt ihre mögliche Lebenserwartung bei immerhin zwölf Jahren. In freier Wildbahn jedoch – und insbesondere im städtischen Raum – sieht die Realität ganz anders aus: Stadttauben werden im Schnitt lediglich zwei bis drei Jahre alt. 1
Ringeltauben
Außerhalb der Städte ist die Ringeltaube, die am weitesten verbreitete Taubenart. Erkennbar ist sie an beidseitigen weißen Flecken am Hals. In freier Wildbahn kann sie circa drei Jahre alt werden. Die älteste Ringeltaube soll in Irland gelebt haben und wurde 17 Jahre und 8 Monate alt. 2
Felsentauben (Haustaube/Stadttaube)
Felsentauben leben fast überall in Deutschland. Normalerweise könnten sie sechs Jahre alt werden. Allerdings ist das in der Realität etwas anders: Die meisten Vögel werden nur zwei bis drei Jahre alt.
Türkentaube
Auch die Lebenserwartung der Türkentaube hängt von den Lebensbedingungen ab. Wenn ihre natürlichen Fressfeinde, wie Eulen, Katzen oder Greifvögel, nicht den Weg kreuzen, kann sie bis zu neun Jahre alt werden. 3
Hohltaube
Ihren Namen hat die Hohltaube vermutlich daher, dass sie die einzige Taubenart ist, die in Baumhöhlen nistet. Ihre Lebensdauer schwankt, je nachdem, wie konstant die Futterbedingungen und die Bedrohungslage durch Fressfeinde sind. Das Höchstalter soll bei 12,5 Jahren liegen. 4
Turteltaube
Die Turteltaube ist – anders als die anderen heimischen Taubenarten– nicht ununterbrochen in Deutschland. Da sie ein Langstreckenzieher ist, ist sie nur in der Brutzeit hierzulande zu sehen. Wie alt die Turteltauben werden können, hängt stark von ihren Lebensbedingungen ab. In der Natur leben sie durchschnittlich kürzer als in menschlicher Obhut, aufgrund der natürlichen Fressfeinde. Die durchschnittliche Lebensdauer liegt bei rund sechs Jahren. Laut einigen Quellen gibt es aber wohl einige Tiere, die unter sehr guten Bedingungen 21 Jahre alt geworden sind. 5,6
Vom tierfreundlichen Umgang mit Stadttauben
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Warum ist die Lebenserwartung von Stadttauben so gering?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir einen kleinen Exkurs in die Geschichte der Stadttauben (Columba livia domestica) machen. Ursprünglich waren diese nämlich Felsentauben (Columba livia), bevor sie von Menschen domestiziert wurden. Ziel der Domestizierung war es, die Tiere als Brieftauben auszubilden. Außerdem züchteten Menschen nicht zuletzt, um sie oder ihre Eier zu verspeisen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine bessere Infrastruktur, weswegen Tauben ihre Funktion verloren und in den Städten ausgesetzt wurden.
Stadttauben sind seit ihrer Domestizierung abhängig von Menschen. In urbanen Umgebungen leben sie oft unter nicht artgerechten Bedingungen. Oft sind sie unterernährt und leiden unter Schmerzen oder Verletzungen. Letztlich sorgen diese Lebensbedingungen für den verfrühten Tod der Stadttauben. Oft sterben sie in ihren ersten Lebensjahren.
Wieso gibt es so viele Tauben, obwohl sie nicht lange leben?
Tauben können mehrere Male im Jahr brüten. Während nicht domestizierte Arten in der Regel nur zweimal jährlich Nachwuchs bekommen, stammt ein Großteil der heutigen Stadttauben von früher gezüchteten Linien ab. Im Zuge dieser Zucht wurde ihnen ein ganzjähriger Bruttrieb angezüchtet. Selbst unterernährte oder geschwächte Tiere folgen diesem Zwang und setzen ihre Fortpflanzung fort.
Doch gerade in Städten gestaltet sich die Fortpflanzung für Tauben schwierig: Es mangelt an geeigneten Taubenschlägen mit artgerechter Versorgung. Statt unterstützender Maßnahmen dominieren in urbanen Räumen häufig Abwehrmechanismen – etwa Metallspitzen (sogenannte Spikes) an Schildern, Simsen oder Fassaden. Diese stellen jedoch eine ernste Verletzungsgefahr dar. Bleibt tierärztliche Hilfe aus, enden solche Verletzungen für viele Stadttauben tödlich.
Trotz dieser Umstände pflanzen sich die Tiere in ihrer kurzen Lebensspanne weiterhin fort – teils bis zu sechsmal im Jahr. Diese hohe Reproduktionsrate erklärt, warum es so viele Stadttauben gibt, obwohl sie im Schnitt nur zwei bis drei Jahre alt werden. Die Antwort auf die Frage „Wie alt werden Tauben wirklich?“ zeigt sich eindrücklich im oft harten Alltag der Stadtvögel.