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Was macht man bei einem Taubennest auf dem Balkon?

Taube sitzt auf Nest mit Eiern auf Balkon
Tauben gehören nicht gerade zu den belibtesten Tieren und viele fürchten Krankheiten und Dreck, wenn sie ein Taubennest auf dem Balkon entdecken. Foto: Getty Images/RomanNerud
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5. Januar 2026, 11:27 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wenn Tauben den Balkon für sich entdecken, ist das für viele kein Grund zur Freude. Dreck und Lärm können bei aller Tierliebe schnell lästig werden. PETBOOK-Autorin Nina Ponath kennt sich mit Taubennestern auf dem Balkon aus und erklärt, wie man richtig mit der Situation umgeht und was erlaubt ist.

Plötzlich raschelte es auf meinem Balkon

Manche nennen sie „Ratten der Lüfte“, andere schießen sogar mit der Steinschleuder auf sie: Tauben gehören nicht unbedingt zu den Lieblingstieren der meisten Menschen. Ich finde die etwas behäbig wirkenden Vögel, die by the way viel intelligenter sind, als angenommen wird, mittlerweile ganz sympathisch: Tauben leben monogam und bleiben in der Regel ihr ganzes Leben lang zusammen. Die Beziehung ist dabei absolut gleichberechtigt. Das geht so weit, dass sogar beide Elternteile Kropfmilch produzieren, mit der sie die zwei Taubenjunge (ja, sie bekommen immer zwei Kinder) großziehen. Warum ich eine solche Tauben-Expertin bin?

Das liegt an dem Taubennest, das ich 2019 auf dem Balkon meiner alten Hamburger Wohnung hatte. Damals war ich eine Woche im Urlaub auf Gran Canaria und brach mir dort das Knie. Den Rest der sehr abenteuerlichen Reise verbrachte ich deshalb mit Gips und Thrombosespritzen, und kam nach einer langen Rückreise schließlich ziemlich geschafft wieder zu Hause an. Auf meinem Balkon wollte ich genüsslich eine heimliche Zigarette rauchen und ließ mich mit meinem eingegipsten Knie auf den Balkonsessel fallen, als ich es gegenüber von mir rascheln hörte.

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Auf den Taubendreck hätte ich gut verzichten können

Unter dem Stuhl gegenüber von mir hatte eine Taube ihr Nest gebaut und so wie es aussah, waren die beiden Küken bereits geschlüpft. Ich war in dem Moment zu müde, um mich noch über irgendetwas zu wundern, und da ich Tiere ohnehin sehr liebe (ja, auch Tauben, Mäuse, Schlangen, oder was auch immer andere Menschen mitunter „eklig“ finden mögen), war mein kleiner privater Taubenschlag für mich absolut in Ordnung.

Das geht aber sicherlich nicht jedem so, und bei aller Tierliebe muss ich sagen, dass ich auf den vielen Taubendreck auf meinem Balkon und den Lärm während der morgendlichen Flugstunden gut hätte verzichten hätte können. Die Mietnomaden rauszuschmeißen, wenn sie erst mal geschlüpft sind, ist natürlich keine Option, aber was können Sie möglicherweise tun, wenn Sie ein Nest entdecken und sich Dreck und Lärm nicht antun möchten?

Darf man ein Taubennest einfach entfernen?

Rein rechtlich gilt: Tauben und ihre Nester stehen in Deutschland unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Solange die Eier bebrütet werden oder die Jungtiere noch nicht flügge sind, ist es demnach verboten, das Nest zu zerstören oder die Tiere zu vertreiben. Wer das dennoch tut, riskiert ein Bußgeld und schlechtes Karma. Erst wenn die Jungtiere das Nest verlassen haben, darf man den Bereich gründlich reinigen und Vorkehrungen treffen, damit sich die Vögel nicht erneut ansiedeln.

Was Sie aber tun können, ist, Vorbeugungen zu treffen, die den Nestbau für Tauben unattraktiv macht. Bevor eine Taube mit dem Nestbau beginnt, fällt dem aufmerksamen Beobachter– wenn er nicht gerade im Urlaub auf Gran Canaria ist– nämlich durchaus auf, dass sie den Balkon regelmäßig aufsucht. Hier helfen Netze, Spikes oder Drahtgitter, die den Zugang zum Balkon verhindern. Auch Flatterbänder oder reflektierende Objekte können Tauben (angeblich) abschrecken. Aus eigener Erfahrung muss ich aber sagen, dass weder ein Ultraschallgerät, das für Tauben unangenehme Geräusche, noch mein Hund wirklich viel Wirkung zeigten. Am meisten hilft es, wenn man sich selbst regelmäßig auf dem Balkon aufhält.

Sollte man verdächtige Zweige im Balkonecken finden, können die der Beginn eines neuen Nestes sein.

Wann bauen Tauben ihre Nester?

Tauben nisten von März bis Oktober; mitunter bekommen sie bis zu sechsmal im Jahr Junge.
Die Jungtiere werden 30 bis 35 Tagen, nachdem sie aus dem Ei geschlüpft sind, flügge. In der Zeit bis dahin werden von ihren Eltern mit Kropfmilch und vorverdauten Körnern gefüttert, bis sie das Nest verlassen.

Sind Tauben gefährlich?

Viele Menschen mögen Tauben nicht, weil sie die Tiere als unhygienisch empfinden.  Ganz falsch ist das nicht, denn ihr Kot kann Krankheiten wie Salmonellen oder Ornithose übertragen, außerdem greift er Bausubstanz an. Tauben können zudem über ihren Kot Parasiten übertragen. Sollte eine Taube auf dem Balkon genistet haben, muss vor allem danach deshalb der Kot sachgemäß mit einem Spachtel, Handschuhen und in Arbeitskleidung, entfernt werden.

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Was tun, wenn ein Nest auf dem Balkon ist?

Sind die Küken bereits geschlüpft, bleibt nur Geduld. Nach einigen Wochen sind die Jungvögel flügge, dann darf das Nest entfernt werden. Vorher können Sie sich darüber freuen, dass sie endlich auch zum „5 AM“-Club gehören dürfen (ein Hoch auf die lärmenden Nachbarn!). Sobald die Tauben ausgezogen sind, sollten Sie den Balkon unbedingt gründlich reinigen und desinfizieren, um Parasiten oder Krankheitserreger loszuwerden.

Fazit: Tauben sind eigentlich sympathische Nachbarn

Taubennester dürfen Sie nicht ohne Weiteres einfach entfernen. Sobald Sie darin Eier entdecken, sind ihnen die Hände gebunden und eine Entfernung wäre gesetzeswidrig. Ihnen bleibt also nichts anderes, als sich mit Ihren neuen Nachbarn anzufreunden – die, wie Sie jetzt ja wissen, eigentlich ohnehin ganz sympathisch sind.

Sobald die Tauben dann ausgezogen sind, gilt: gründlich reinigen und vorbeugen. Und wer, wie ich damals, die Vögel trotz allem eine Weile beobachtet, erlebt vielleicht sogar ein kleines Natur-Spektakel direkt vor der eigenen Haustür, dass die Tiere in einem anderen Licht erscheinen lässt – weniger als „Ratten der Lüfte“  und mehr als eigentlich ziemlich liebenswerte Zeitgenossen.

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