19. Mai 2026, 16:48 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Im Spätsommer liegen plötzlich überall Federn auf Wegen, im Garten oder am Waldrand. Für Spaziergänger und Kinder wirken sie wie harmlose Naturfunde, dabei können sie zu einem rechtlichen Problem führen. Denn: Vogelfedern darf man in Deutschland nicht mitnehmen. Selbst eine einzelne Amsel- oder Taubenfeder kann unter den Artenschutz fallen. Wer Federn sammelt, besitzt oder sogar verkauft, riskiert im Zweifel ein Bußgeld. Warum das so streng geregelt ist, hat einen ernsten Grund.
Warum ist das Sammeln von Vogelfedern verboten?
Dass das Mitnehmen von Vogelfedern verboten ist, hat einen wichtigen Hintergrund: den Artenschutz. In Deutschland stehen alle heimischen Wildvögel unter Schutz. Dieser gilt nicht nur für die Wildtiere selbst, sondern auch für ihre Eier, Nester und einzelne Federn.1
Der Gesetzesgeber will damit verhindern, dass ein Handel mit seltenen Federn entsteht. Denn wenn jeder behaupten könnte, die Feder nur gefunden zu haben, wäre kaum kontrollierbar, ob ein Vogel womöglich extra wegen seines Gefieders getötet wurde.
Naturschutzverbände warnen deshalb seit Jahren vor einem Schwarzmarkt für seltene Federn. Gerade große Schwungfedern von Greifvögeln oder Eulen sind bei Sammlern begehrt und erzielen teils hohe Preise.
Wo steht, dass das Vogelfedersammeln verboten ist?
Dass Vogelfedern mitnehmen verboten ist, regelt unter anderem § 44 Bundesnaturschutzgesetz. Dort ist festgelegt, dass Tiere geschützter Arten sowie Teile dieser Tiere nicht einfach gesammelt oder besessen werden dürfen. Juristisch gelten demnach auch einzelne Federn als solche „Teile“ geschützter Tiere. Deshalb darf selbst eine einzelne Amsel- oder Taubenfeder grundsätzlich nicht mit nach Hause genommen werden.
Wie hoch ist das Bußgeld?
Wer gegen das Naturschutzgesetz verstößt, muss im schlimmsten Fall mit hohen Geldstrafen rechnen. Je nach Bundesland und Schwere des Verstoßes können Bußgelder von mehreren Tausend Euro verhängt werden. Das Bundesnaturschutzgesetz sieht bei bestimmten Verstößen, beispielsweise dem Töten eines geschützen Vogels, sogar Geldbußen von bis zu 50.000 Euro vor.2
In der Praxis wird allerdings meist unterschieden: Ob ein Kind eine einzelne Feder aufhebt oder jemand systematisch seltene Vogelfedern sammelt und verkauft, macht rechtlich einen großen Unterschied.
Wann findet man besonders viele Vogelfedern?
Besonders häufig liegen Federn im Spätsommer auf Wegen, Wiesen oder im Garten. Dann beginnt bei vielen heimischen Vogelarten die Mauser. Dabei erneuern Vögel ihr Gefieder. Alte oder beschädigte Federn fallen aus und werden durch neue ersetzt. Vor allem Wasservögel wie Enten, Gänse oder Schwäne verlieren während der Mauser teilweise alle Schwungfedern gleichzeitig und sind dann mehrere Wochen flugunfähig.3
Die Mauser ist für Vögel extrem anstrengend. Das neue Federkleid kostet viel Energie. Experten zufolge macht das Gefieder einen großen Teil der Körpermasse eines Vogels aus.
Deshalb ziehen sich viele Tiere während der Mauser zurück. Sie singen weniger, verstecken sich häufiger und vermeiden unnötige Flüge. Gerade in dieser Zeit sollten Menschen die Tiere nicht stören oder aufscheuchen.
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Sind Vogelfedern gefährlich?
Rund um das Thema hält sich auch ein alter Mythos. Viele glauben, dass Vogelfedern grundsätzlich Krankheiten übertragen. Tatsächlich gilt eine saubere, trockene Feder normalerweise als ungefährlich. Kritisch wird es eher, wenn Blut, Kot oder Gewebereste daran anhaften. Dann können sich Bakterien, Parasiten oder Keime darauf befinden.
Experten empfehlen deshalb, Federn besser nicht unnötig anzufassen und nach dem Kontakt gründlich die Hände zu waschen. Kinder sollten Vogelfedern außerdem nicht in den Mund nehmen.
Gibt es Ausnahmen vom Verbot?
Ja, aber nur wenige. Wer Vogelfedern sammeln möchte, benötigt dafür meist eine behördliche Ausnahmegenehmigung. Diese erhalten etwa Forschungseinrichtungen oder Bildungseinrichtungen.
Komplett unproblematisch sind dagegen Federn von Haustieren oder Nutztieren. Dazu zählen beispielsweise Hühnerfedern aus dem eigenen Garten oder legal gekaufte Federn mit Herkunftsnachweis.