Die Mehlschwalbe hat die Wahl zum Vogel des Jahres 2027 für sich entschieden. Mehr als 67.000 Menschen stimmten für die gefährdete Sommerbotin, die sich damit deutlich gegen Trauerschnäpper, Kolkrabe, Wasseramsel und Kranich durchsetzte. Doch der Sieg hat einen ernsten Hintergrund: Fehlende Nistplätze und immer weniger Insekten machen dem Vogel zunehmend das Leben schwer.
Mehlschwalbe gewinnt mit deutlichem Vorsprung
Bei der öffentlichen Wahl zum „Vogel des Jahres 2027“ setzte sich die Mehlschwalbe klar gegen ihre vier Konkurrenten durch. 67.050 Menschen stimmten für die gefährdete Sommerbotin, insgesamt beteiligten sich 148.506 Personen an der Abstimmung von NABU und dem bayerischen Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV). Auf den weiteren Plätzen folgten Trauerschnäpper, Kolkrabe, Wasseramsel und Kranich. Die Mehlschwalbe übernimmt den Titel damit vom Rebhuhn, dem Vogel des Jahres 2026.1
Ein Meisterwerk aus 1500 Lehmkügelchen
Mehlschwalben bauen ihre Nester direkt an Gebäuden, meist geschützt unter Dachvorsprüngen. Dafür sammeln sie feuchten Lehm und formen daraus geduldig bis zu 1500 kleine Kügelchen. So entsteht ein fast geschlossenes Nest, das häufig über Jahre genutzt wird.
Doch ausgerechnet in der Nähe des Menschen findet die Mehlschwalbe immer seltener einen geeigneten Platz. Glatte Fassaden, energetische Sanierungen und versiegelte Böden erschweren den Nestbau. Gleichzeitig verschwinden viele Fluginsekten und damit die wichtigste Nahrungsquelle der Vögel. In Deutschland gilt die Mehlschwalbe deshalb als gefährdet.
Die Mehlschwalbe baut ihre Nester überwiegend an Hauswänden aus Lehm Foto: Getty Images
Mit etwa 14 Zentimetern ist die Mehlschwalbe kleiner als eine Amsel. Besonders auffällig sind ihre strahlend weiße Unterseite und der helle Bürzel. Kopf, Rücken und Flügel glänzen dagegen metallisch blauschwarz. Im Flug wirkt sie dadurch wie ein kleiner schwarz-weißer Pfeil.
Mehlschwalben leben gesellig und brüten häufig in Kolonien. Im Herbst treten sie ihre lange Reise nach Afrika an. Erst im Frühjahr kehren die Sommerboten wieder in ihre Brutgebiete zurück.
Ein Brett schützt Fassade und Nest
Schon einfache Maßnahmen können der Mehlschwalbe helfen. Vorhandene Nester sollten erhalten und bei Arbeiten an der Fassade berücksichtigt werden. Kunstnester schaffen zusätzlichen Raum, eine feuchte Lehmpfütze liefert Baumaterial und insektenfreundliche Gärten sorgen für Nahrung.
Auch gegen Verschmutzungen gibt es eine einfache Lösung: Ein Brett mit genügend Abstand unterhalb des Nestes hält Kot von Fensterbänken, Türen und Gehwegen fern. So bleiben Hausfassade und Boden sauber, während die Mehlschwalben ungestört ihre Jungen großziehen.
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