17. April 2026, 17:26 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
In der Ausgabe von „Wer wird Millionär?“ vom 13. April 2026 sorgten gleich mehrere Aussagen von Günther Jauch über Tauben für Kritik – vor allem bei Tierschützern. Sie werfen dem Moderator vor, Taubenhass und Vorurteile zu verstärken. Eine offizielle Stellungnahme von RTL oder der Produktionsfirma Endemol Shine Germany steht bislang noch aus.
Abwertende Aussagen über Tauben im TV
Ausgangspunkt der Debatte ist eine Szene, in der eine Kandidatin von ihrem Engagement in der Stadttaubenhilfe berichtet. Moderator Günther Jauch reagierte darauf mit spöttischen Bemerkungen und sagte unter anderem: „Wenn ich Menschen sehe, die Tauben füttern, werde ich zum…“ sowie den bekannten Satz: „…aber das sind doch die Ratten der Lüfte.“
Später griff die Sendung das Thema erneut auf. Bei einer Quizfrage fiel die Antwortmöglichkeit „Taubentöter“, woraufhin Jauch kommentierte: „Jaaaa, es kann nur C sein, es muss C sein, ich kaufe alle Bestände auf.“ Auch ein Kommentar aus dem Publikum – „Taubentöter… ja, es wäre schön wenn, aber…“ – wurde vom Moderator mit Zustimmung quittiert.
„Was war das bitte?“ – Kritik aus Social Media
In sozialen Netzwerken lösten die Szenen deutliche Reaktionen aus. Der Influencer Malte Zierden zeigte sich irritiert: „Was war das bitte?“ In einem Video erinnert er daran, dass Tauben einst eine wichtige Rolle für den Menschen spielten – etwa als Brieftauben oder im Krieg. „Wir haben sie von uns abhängig gemacht“, so Zierden.
Er betont zudem, dass viele Menschen ähnliche Vorurteile hätten: „Herr Jauch, ich glaube nicht mal, dass Sie das böse meinen. Sie sagen einfach nur laut, was viele denken. Und das ist das Problem.“ Gleichzeitig verbindet er seine Kritik mit einer Aktion: Er bot an, selbst bei „Wer wird Millionär?“ anzutreten und einen möglichen Gewinn vollständig an Taubenschutzvereine zu spenden.
Solche Aussagen könnten Taubenhass verstärken
Auch die Volare Wildvogelhilfe äußerte sich deutlich. Die Organisation kritisiert, dass solche Aussagen Vorurteile verstärken und „Hass gegen Tauben normalisieren“ könnten. Besonders problematisch sei dies angesichts der großen Reichweite der Sendung. Stadttauben seien keine „Ratten der Lüfte“, sondern vom Menschen gezüchtete Haustiere, die heute auf Unterstützung angewiesen seien.
In ihrem Post zu dem Beitrag rief die Volare Wildvogelhilfe dazu auf, RTL und die Produktionsfirma Endemol Shine respektvoll und sachlich zu kontaktieren.
Streit um Stadttauben – zwischen Tierschutz und Konflikten
Die Diskussion reiht sich in eine grundsätzliche Debatte um den Umgang mit Stadttauben ein. Immer wieder stehen Städte vor der Frage, wie sie mit großen Beständen umgehen sollen.
Aktuell sorgt etwa Zürich für Schlagzeilen. Dort wurden am Bahnhof Stadelhofen Tauben eingefangen und getötet, wie unter anderem das Nachrichtenportal „Watson“ berichtete. Die Maßnahme löste Empörung aus, Tierschützer kündigten Proteste an. Die Stadt verweist auf Probleme wie große Mengen Taubenkot und setzt neben Fütterungsverboten auch auf gezielte Tötungen. Kritiker halten das für ineffektiv und fordern stattdessen nachhaltige Lösungen wie Taubenschläge mit Eikontrolle.
Ein anderes Beispiel ist Limburg. In der hessischen Stadt wurde ein geplantes Töten von rund 200 Stadttauben gestoppt (PETBOOK berichtete). Die zuständige Behörde lehnte den Antrag ab – unter anderem mit Verweis darauf, dass Tauben rechtlich als geschützte Wildtiere gelten und erhebliche Schäden nicht ausreichend nachgewiesen wurden.
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Warum das Image der Tauben so problematisch ist
Fachleute sind sich weitgehend einig, dass Stadttauben ursprünglich von gezüchteten Haustauben abstammen und eng mit dem Menschen verbunden sind. Ihre heutige Situation ist maßgeblich menschengemacht. Gleichzeitig leiden sie unter einem schlechten Image, das ihre Situation weiter verschärft.
Genau hier setzt die aktuelle Kritik an. Wer öffentlich von „Ratten der Lüfte“ spricht, trägt dazu bei, dieses Bild zu verfestigen.
Reaktion von RTL steht noch aus
Ob und wie RTL oder Günther Jauch auf die Kritik reagieren werden, ist derzeit offen. In sozialen Netzwerken verbreiten sich die entsprechenden Ausschnitte jedoch rasant. Das Video von Malte Zierden erreichte innerhalb kurzer Zeit zehntausende Likes.
PETBOOK hat RTL und Endemol Shine Germany um eine Stellungnahme gebeten. Sobald eine Antwort vorliegt, wird dieser Artikel entsprechend aktualisiert.