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Nach öffentlichem Druck

Tierschutz-Erfolg in Dresden – keine lebenden Tiere in Krippe auf Adventsmarkt

Ein lebendiges Schaf in einer Krippe auf dem Weihnachtsmarkt
In einer sogenannten Lebendkrippe dienen echte Tiere als Kulisse – viele Tierschützer sehen das kritisch. Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

2. Dezember 2025, 13:46 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Tierschutzorganisation tt Team Tierschutz gGmbH hat innerhalb von nur 24 Stunden erreicht, dass beim „Advent auf dem Neumarkt“ in Dresden keine lebenden Tiere mehr in der Krippe gezeigt werden. Über ein vorgefertigtes Formular auf der Website konnten Unterstützer direkt Protestmails an die Stadtverwaltung schicken – mit großem Erfolg.

Stress statt Weihnachtsidylle

Bereits am 28. November schlug die Organisation tt Team Tierschutz gGmbH auf Instagram Alarm. Zwei Schafe sollten laut Ankündigung der Stadt für 40 Tage, täglich von 10 bis 22 Uhr, als Teil einer sogenannten „lebenden Krippe“ ausgestellt werden – mitten in der Menschenmenge, ohne Rückzugsmöglichkeiten. „Tierleid statt Weihnachtszauber!“, beschrieb die Tierschutzorganisation die Situation drastisch. „Umzingelt von Menschenmassen, grellen Lichtern und konstantem Lärm. Für die Tiere bedeutet das pure Angst.“

Die Organisation rief ihre Community auf ihrer Website und über ihre Social-Media-Kanäle auf, über den sogenannten „Community Call“ eine automatisch generierte Protestmail an die Stadt zu senden. Dies nahmen wohl auch einige in Anspruch.

Stadt reagiert – und sagt „lebende Krippe“ ab

Weniger als einen Tag später folgte die überraschende Nachricht: Die Krippe mit echten Tieren wird gestrichen. „Keine lebende Krippe bei dem ‚Advent auf dem Neumarkt‘ in Dresden!“, verkündete Stephan Puetz, ehemaliger deutscher Mixed-Martial-Arts-Kämpfer und Tierschutz-Aktivist, auf Instagram. „Eure zahlreichen E-Mails haben den Unterschied gemacht.“

Samara Eckardt, Geschäftsführerin von tt Team Tierschutz gGmbH, berichtet, dass die Stadt bereits Vorbereitungen getroffen hatte – sogar Futtermittel, Futtertröge und ein „Bitte nicht füttern“-Schild hätten bereitgestanden. „Wir freuen uns sehr, dass die Stadt Dresden Einsicht gezeigt hat“, so Eckardt.

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Über 2500 Besucher auf Webseite der Organisation

Wie viele Menschen sich an der Aktion beteiligt haben, ist bislang unklar. Auf Nachfrage von PETBOOK teilt Samara Eckardt mit, dass über 2500 Besucher auf der eingerichteten Aktions-Website, auf der die E-Mail-Vorlage bereitgestellt war, erfasst wurden. „Die hohe Frequenz auf dieser Seite lässt auf eine hohe Beteiligung schließen“, so Eckardt. Die genaue Anzahl der versendeten Mails könne sie aber nicht mitteilen.

„Das Feedback war durchweg positiv und von Dankbarkeit geprägt“, freut sich die Tierschützerin. „Viele Menschen möchten helfen, wissen aber oft nicht, wie sie sich effektiv an die Behörden wenden können.“ Das Formular biete vielen eine niederschwellige Möglichkeit, ohne großen Aufwand aktiv zu werden und etwas zu bewirken. „Genau das ist der Kern von Team Tierschutz“, so Eckardt. „Die Kraft durch gemeinschaftliches Handeln. ‚Gemeinsam für Tiere‘.“

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Warum Krippen mit lebenden Tieren so umstritten sind

Auch die Tierrechtsorganisation Peta warnt seit Jahren vor Weihnachtskrippen mit echten Tieren. Was für Besucher idyllisch wirkt, bedeute für die Tiere oft erheblichen Stress – besonders für Fluchttiere wie Schafe oder Ziegen.

Die wichtigsten Kritikpunkte sind dabei:

  1. Enormer Stress durch Lärm und Menschenmassen: Weihnachtsmärkte bedeuten Gedränge, grelle Beleuchtung, Musik und ständige Unruhe. Tiere sind diesen Reizen schutzlos ausgesetzt.
  2. Fehlende Rückzugsmöglichkeiten: In vielen Krippen gibt es keine ruhigen Bereiche, in denen sich Tiere ausruhen oder verstecken können.
  3. Risiko durch Streicheln und Füttern: Vor allem Kinder wollen Tiere anfassen. Das erhöht Stress – und birgt Unfall- und Infektionsrisiken. Immer wieder wird ungeeignetes Futter verabreicht, obwohl Schilder davor warnen.
  4. Zerrütteter Tagesrhythmus: Viele Krippen sind 10–12 Stunden täglich geöffnet. Für die Tiere bedeutet das Dauerausstellung ohne Erholung.
  5. Gesundheits- und Hygieneprobleme: Verschmutzte Böden, Kälte, Nässe oder falsche Unterbringung können Krankheiten begünstigen.
  6. Tierschutzrelevante Zwischenfälle: So dokumentierte Peta immer wieder tragische Fälle, wie der eines Schafes, das 2017 in einer Krippe in Kaufbeuren starb und dessen Lamm stundenlang nach seiner Mutter schrie, oder ein Fall, bei dem 2014 Personen in die Paderborner Krippe einbrachen und die Tiere über den Platz jagten – eine Person soll sogar versucht haben, ein Rind wie bei einem Rodeo zu reiten.
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Was sagt das Gesetz?

Krippen mit lebenden Tieren benötigen eine Genehmigung nach § 11 Tierschutzgesetz.
Wenn sie als „Tierschau“ gelten, müssen strenge Vorgaben eingehalten werden:

  • maximal 8 Stunden tägliche Ausstellungszeit
  • bestimmte Mindestflächen (z. B. 12 m² Außenbereich für zwei Schafe)
  • tierärztliche Rufbereitschaft
  • erfahrene Aufsichtspersonen

In der Praxis bleiben diese Bedingungen jedoch oft unerfüllt, wie viele Tierschützer anprangern. Ein oft unterschätztes Argument sei zudem das seuchenhygienische Risiko, wie Samara Eckardt PETBOOK mitteilt. Insbesondere in Bezug auf die Blauzungenkrankheit. Denn der Transport und die Ausstellung begünstigen potenziell die Verbreitung von Erregern.

Aus Sicht von tt Team Tierschutz gGmbH seien aber vor allem folgende Punkte ausschlaggebend gewesen, den Einsatz von lebenden Tieren in der Krippe auf dem Adventsmarkt zu verhindern, wie Eckardt auf Nachfrage von PETBOOK mitteilt: „Schafe sind Fluchttiere. Der Trubel eines Weihnachtsmarktes mit tausenden Besucher:innen, Lärm und fehlenden Rückzugsmöglichkeiten verursacht massiven Stress und Angst. Dies verstößt gegen §2 TierSchG (artgerechte Unterbringung) sowie §3 Nr. 6 TierSchG (zur Schaustellung und damit verbundene Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Tier).“

Tierschützer rufen zur Mithilfe auf

Es seien noch weitere Aktionen geplant, wie Eckardt PETBOOK mitteilt. Konkrete Städte möchten die Tierschützer im Vorfeld aber nicht nennen, „um den strategischen Effekt der Kampagnen nicht zu gefährden“. tt Team Tierschutz gGmbH erhält nach eigenen Angaben zahlreiche Hinweise auf lebende Tiere in Krippen in Deutschland. Die Aufnahmen, die die Tierschützer erhielten, zeigten immer das gleiche Bild: gestresste Tiere, kein Rückzug, viel Lärm.

Daher richten sie einen klaren Appell an die Bevölkerung: Wer eine Lebendkrippe entdeckt, soll diese filmen – so nah und genau wie möglich – und den Tierschützern das Material zusenden. „Wir sammeln alles und verhindern dann hoffentlich weitere Lebendkrippen“, kündigt Samara Eckardt an. Puetz ergänzt: „Kein Tier sollte so etwas ausgesetzt sein. Danke, dass ihr ihnen eine Stimme gebt.“

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