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Individuelle Erkennungsmerkmale

Schon gewusst? Diese Tiere haben Fingerabdrücke

Hand eines Koalas
Auch Koalas besitzen individuelle Fingerabdrücke – ihre Hautmuster ähneln denen des Menschen verblüffend stark. Foto: Getty Images / m-kojot
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Porträt-aufnahme von PETBOOK-Redakteurin Natalie Dekcer mit Katze auf Arm
Freie Autorin

2. Januar 2026, 11:39 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Fingerabdrücke gelten beim Menschen als sicheres Identifikationsmerkmal – keine zwei sind gleich, selbst bei eineiigen Zwillingen. Aber ist diese Individualität wirklich ausschließlich dem Menschen vorbehalten? Tatsächlich finden sich auch in der Tierwelt erstaunliche Parallelen – und eine Überraschung unter den Beuteltieren.

Handys entsperren, Türen öffnen, Verbrecher überführen: Vieles ist möglich dank des menschlichen Fingerabdrucks. Genau genommen handelt es sich bei unserem Fingerabdruck um einen Abdruck der Papillarleisten. So heißen die geschwungenen Linien auf der Unterseite der Fingerkuppen. Diese bilden ein facettenreiches Muster aus Bögen, Schleifen, Wirbeln und Verästelungen. Doch wie sieht es eigentlich in der Tierwelt aus: Haben auch Tiere Fingerabdrücke?

Wie viele Menschen haben den gleichen Fingerabdruck?

Wir Menschen betonen gerne, wodurch wir uns von unseren tierischen Mitgeschöpfen unterscheiden – etwa durch die Entwicklung einer detailreichen Kommunikation und das Handeln nach ethischen und moralischen Prinzipien. Doch immer wieder zeigen wissenschaftliche Studien, dass wir unseren nächsten Verwandten im Tierreich, den Menschenaffen, ähnlicher sind als gedacht. Wie sieht es mit Fingerabdrücken aus: Verfügen Tiere, insbesondere Primaten wie Schimpansen, über dieses Merkmal? Und wenn ja, verrät er so viel über Tiere, wie über uns? 1

Denn der menschliche Fingerabdruck ist einzigartig. Laut Wissenschaftlern liegt die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Menschen denselben Fingerabdruck haben, bei 1 zu 64 Milliarden. Bisher sind keine Fälle von Menschen mit identischen Fingerabdrücken bekannt. Selbst bei eineiigen Zwillingen weisen die feinen Rillen an den Fingerkuppen leichte Unterschiede auf – und das, obwohl sie einander ansonsten bis aufs Haar gleichen.

Der Grund dafür liegt in der Entstehung des Fingerabdrucks im Mutterleib. Dieser entwickelt sich während der achten und zwölften Schwangerschaftswoche, wenn die Finger ausgebildet werden. Zwar werden die groben Strukturen des Fingerabdrucks vererbt, doch zufällige Faktoren wie etwa die Bewegungen des Embryos lassen individuelle Abweichungen auf der geriffelten Hautoberfläche entstehen. Doch gilt das auch für Tiere? 2, 3

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Haben Affen Fingerabdrücke?

Neben dem Menschen besitzen auch Menschenaffen wie Gorillas und Schimpansen unverwechselbare Fingerabdrücke. Die Haut ihrer Fingerkuppen sowie der Fußunterseiten ist ebenfalls individuell geriffelt. Entstanden sind die Papillarleisten im Laufe der Evolution, als unsere Vorfahren ihre Behaarung an den Händen und Füßen verloren und dort feste Ballen entwickelten.

Der Sinn dahinter: Durch die feinen Linien auf der Oberhaut wird beim Griff an eine glatte Oberfläche die Reibung erhöht, was ein sicheres Zupacken ermöglicht. Übrigens: Der Fingerabdruck bleibt bei Menschen und Affen ein Leben lang gleich, sofern dieser nicht durch eine Narbe o. Ä. verändert wird.

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Fingerabdrücke von Koalas ähneln den menschlichen

Doch es gibt noch ein weiteres Tier, das einen einzigartigen Fingerabdruck besitzt: den Koala. Auch er hat sogenannte Papillarleisten – also feine Linien auf der Haut der Fingerkuppen –, die ein individuelles Muster bilden. Besonders erstaunlich: Die Fingerabdrücke der Koalas sehen den menschlichen so ähnlich, dass sie selbst unter dem Mikroskop kaum zu unterscheiden sind.

Eine Studie der University of Edinburgh zeigt, dass solche Muster bei Menschen durch spezielle Signale in der Haut entstehen. Diese Signale sorgen dafür, dass an bestimmten Stellen mehr Hautzellen wachsen – dort bilden sich dann die Rillen. Diese Muster entstehen von innen heraus, ohne dass äußere Einflüsse nötig sind. Forscher vermuten, dass bei Koalas ein ganz ähnlicher Mechanismus abläuft. So könnten sich bei Mensch und Tier – trotz großer Unterschiede – sehr ähnliche Fingerabdrücke entwickeln.4

Nasenabdruck beim Hund

Hunde haben keine Finger und damit auch keine Fingerabdrücke. Doch auch unsere Haustiere sind durch ein einzigartiges Merkmal zweifelsfrei identifizierbar – durch ihren Nasenabdruck. Denn die Hundenase weist eine Vielzahl unterschiedlicher Linien und Muster auf, die sich zu einem unverwechselbaren Nasenabdruck zusammensetzen.

Diese Tatsache macht sich ein koreanisches Start-up zunutze. Bei der App „Petnow“ können Hundebesitzer ihre Lieblinge mit deren Nasenabdrücken registrieren. Und so funktioniert’s: Mit der Handykamera scannt man die Hundenase. Die biometrischen Daten werden dann zusammen mit den Kontaktangaben des Besitzers abgespeichert. Sollte der Hund einmal ausbüxen, kann er aufgrund der hinterlegten Informationen identifiziert und seinem Herrchen oder Frauchen zurückgebracht werden. Die Macher versprechen dabei eine Trefferquote von 98,97 Prozent.5

Quellen

  1. „Spektrum.de“, „Ähnelt unser Fingerabdruck dem von Verwandten mehr als dem eines Fremden?“ (aufgerufen am 02.01.2026) ↩︎
  2. Quarks.de“, „Wie einzigartig ist der Fingerabdruck?“ (aufgerufen am 02.01.2026) ↩︎
  3. „Maz-online.de“, „Warum hat jeder einen anderen Fingerabdruck?“ (aufgerufen am 02.01.2026) ↩︎
  4. Glover, J.D. et al. (2023): The developmental basis of fingerprint pattern formation and variation. Cell, Vol. 186, 940–956. DOI: 10.1016/j.cell.2023.01.015. ↩︎
  5. „Stern.de“, „App speichert Nasenabdrücke von Hunden – und kann somit dabei helfen, verlorene Tiere wiederzufinden“ (aufgerufen am 02.01.2026) ↩︎

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