20. September 2025, 8:37 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Bienenwachs kann die Haut besonders gut darin unterstützen, Feuchtigkeit aufzunehmen und zu speichern. Dazu, welche weiteren Eigenschaften diesen Wirkstoff zu einem sehr beliebten Inhaltsstoff in der Kosmetik machen und wie er entsteht, hat PETBOOK eine Expertin befragt.
Was versteht man eigentlich genau unter Bienenwachs (cera flava)? Einfach ausgedrückt ist es ein gelbes Wachs, das von Honigbienen stammt. Sie stellen das Wachs selbst aus Drüsen an ihrem Hinterleib her. Chemisch gesehen handelt es sich um ein Fett. Dieses ist bei Zimmertemperatur aber hart und recht stabil. „So stabil, dass Bienen daraus ihre Waben bauen“, wie Biologin und Imkerin Saskia Schneider erklärt. Darin speichern sie nicht nur Nektar, den sie zu Honig umwandeln – auch Pollen wird darin eingelagert und die Zellen dienen den Larven als Kinderstube.
Unterschied zwischen gelbem und weißem Wachs
„Viele glauben, Bienenwachs sei gelb – das stimmt aber nicht“, wie Schneider erklärt. Denn frisch ausgeschwitztes Wachs ist weiß. „Erst wenn viele Bienenfüße darüber gelaufen sind, färbt sich das Bienenwachs durch Farbstoffe – sogenannte Carotinoiden – aus Blütenpollen, gelb.“ Auch spezielle Flavonoiden aus der Propolis, eine Art Kittharz, mit denen Bienen ihren Stock versiegeln und die antiseptischen Eigenschaften besitzt, können das Wachs dunkler färben.
Wer Bienenwachs für Kosmetik verwenden möchte, sollte daher darauf achten, frisch produziertes Wachs zu verwenden, so die Expertin. Dieses erkennt man an seiner weißen Farbe und der Bezeichnung „Cera alba“. Das sei zwar um ein Vielfaches teurer als das im Imkereibedarf angebotene Bienenwachs, das es typischerweise als Wachsplatten gibt. Allerdings könnten darin Rückstände von Behandlungsmitteln enthalten sein, die die Imker zur Bekämpfung eines Parasiten der Honigbiene einsetzen.
Daneben gibt es noch das sogenannte „Entdeckelungswachs“. Dieses entsteht, wenn die Bienen den eingelagerten Honig mit einem Wachsdeckel verschließen. Hierbei handelt es sich in der Regel um frisch produziertes Wachs und eignet sich daher auch für kosmetische Erzeugnisse, hat allerdings eine gelbliche Farbe, da im Honig auch Pollen vorhanden ist und Farbstoffe an das Wachs abgeben kann. Im Handel wird es unter dem Begriff „Cera Flava“ angeboten.
Wie wird Bienenwachs gewonnen?
Naturbelassenes Bienenwachs wird aus frisch gebauten Waben oder dem Entdeckelungswachs gewonnen. Dafür wird das Wachs möglichst langsam und schonend erhitzt. Der Schmelzpunkt von Bienenwachs liegt bei mindestens 65 Grad. Ab dieser Temperatur wird das Wachs flüssig und kann dann mit anderen Wirkstoffen emulgiert werden.
Ist Bienenwachs immer Bio?
Den Begriff „bio“ gibt es auch beim Bienenwachs. Allerdings muss man differenzieren. Denn beim Wachs handelt es sich – im Gegensatz zum Honig – nicht um ein Lebensmittel, wie Schneider erklärt. Daher gibt es auch kein Bio-Siegel, wie wir es von Obst, Gemüse oder anderen Produkten kennen. Trotzdem gibt es Bienenwachs aus biozertifizierten Imkereien.
Damit ein Imker sich „Bio-Imker“ nennen darf, muss er einige Kriterien erfüllen. Unter anderem müssen seine Völker in der Nähe von ökologischen oder nicht bewirtschafteten Flächen stehen. Er darf seine Bienen nur mit Produkten, die aus dem Bioanbau stammen, füttern (in der Regel Stärkesirup), und er darf seine Bienenvölker auch nur mit bestimmten Medikamenten behandeln. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass auch das Wachs dieser Imkereien biozertifiziert ist. Dies müssen sich Imker durch Untersuchungen offiziell bestätigen lassen. Verbraucher erkennen das an verschiedenen Siegeln wie „Bioland“ oder „Demeter“.
Tierwohl & Nachhaltigkeit
Die Themen Tierwohl und Nachhaltigkeit sollten auch vor dem Kosmetikregal nicht Halt machen. Für Bienenwachs und seine Derivate gibt es keine pflanzlichen Alternativen, was dessen Gebrauch oft unverzichtbar macht. Bienenwachs ist nicht vegan, sondern ein Produkt, das vom lebenden Tier stammt, und es sollte beim Kauf darauf geachtet werden, dass der Inhaltsstoff aus verantwortungsbewusster Tierhaltung gewonnen wurde.
Nachhaltige Kosmetik meint Produkte, die der Umwelt nicht schaden und im Einklang mit der Natur hergestellt wurden. Auch hier bietet das Bio-Siegel eine gute Orientierung. Allerdings sind die meisten Imkereien hierzulande kleinere Familienbetriebe, die sich sehr verantwortungsvoll um ihre Völker kümmern. Wer also Wachs aus Deutschland kauft, macht auch ohne Bio-Siegel nichts verkehrt.
Beliebte Kosmetikprodukte mit Bienenwachs
Bienenwachs wird schon seit Jahrtausenden für seine Eigenschaften geschätzt. So gibt es Hinweise, dass das Wachs wilder Bienen bereits vor 14.000 Jahren gesammelt wurde. Später nutzen es die antiken Ägypter als Zusatz in Kosmetik. Heute wird Bienenwachs vor allem in der Naturkosmetik verwendet, da es eine gute Alternative zum Paraffin ist, das wir vor allem aus Kerzen kennen. Man findet es vor allem in Lippenstiften und Mascara, aber auch in Sonnenpflege, Baby- und Hautpflegeprodukten.
Zugeschriebene Wirkung von Bienenwachs
Bienenwachs bildet eine luftdurchlässige Schutzschicht auf der Haut, die bei Hautreizung und Trockenheit eine angenehme und lindernde Wirkung zeigt. Eine besondere Eigenschaft von Bienenwachs ist die Fähigkeit, Wassermoleküle aus der Luft aufzunehmen, diese an die Haut abzugeben und gleichzeitig in der Haut zu binden. Diese Eigenschaften können dazu beitragen, dass die Haut hydratisiert, weich und geschmeidig bleibt.
Bienenwachs hat auch antibakterielle Eigenschaften, die helfen können, die Haut vor pathogenen Mikroorganismen zu schützen. Daher wird es bei bestimmten Hautproblemen, wie etwa trockenen Lippen, Schuppenflechte und atopischer Dermatitis, sowie bei der Behandlung von Verbrennungen und Wunden eingesetzt.
Als Vitamin-A-Lieferant beschleunigt es zudem die Regeneration der Haut. Ein weiterer Vorteil ist sein Eigenduft. Aufgrund seines leichten Honigdufts ist es zudem oft unnötig, den Produkten weitere, oft synthetische, Duftstoffe hinzuzufügen.
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Mögliche Risiken des Wirkstoffs
Zwar ist eine Allergie gegen Bienenwachs äußerst selten, doch es kann Reste von Pollen und Propolis enthalten, wogegen viele Menschen eine Allergie entwickeln. Ist solch eine Allergie bekannt, sollte man die entsprechenden Produkte vorher an einer kleinen Stelle testen – etwa an der Innenseite des Handgelenks.
Tritt eine Schwellung, Rötung, Juckreiz oder ein Brennen auf, sollte man auf die Verwendung verzichten. Da Bienenwachs ein Naturprodukt ist, bedeutet das nicht, wenn man ein Produkt mit Bienenwachs gut verträgt, auch andere Produkte sicher in der Anwendung sind. Vor allem bei bekannter Allergie gegen Pollen oder Propolis sollten Sie Kosmetik mit Bienenwachs immer vorher testen, bevor Sie diese großflächig und regelmäßig anwenden.
Auf die richtige Reinigung der Haut nach der Anwendung von Bienenwachs achten
Da Bienenwachs eine Art Schutzfilm auf der Haut bildet, sollte man die Produkte regelmäßig wieder entfernen. Vor allem, wenn diese im Gesicht zur Verwendung kommen. Sonst könnte es zu Ablagerungen kommen, die die Wirkung von anderen Pflegeprodukten beeinträchtigen können.
Bei der Reinigung am besten Produkte auf Ölbasis verwenden, denn Bienenwachs löst sich nicht in Wasser. Dafür gibt es spezielle Reinigungsöle oder auch Emulsionen, die fetthaltige Kosmetik zuverlässig und gründlich entfernen.
Zur Expertin
Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin und beschäftigte sich in ihrer Doktorarbeit unter anderem mit dem Verhalten von Honigbienen. Von 2018 bis 2022 arbeitete sie als Redakteurin beim „Deutschen Bienenjournal“, einer Fachzeitschrift für Imker, und hält seit über 15 Jahren eigene Bienenvölker im Botanischen Garten Berlin.