6. Dezember 2025, 8:33 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Bienengift als wirksames Mittel gegen Falten – angeblich sollen Promis wie Prinzessin Kate und Schauspielerin Gwyneth Paltrow auf das Beauty-Treatment schwören. Aber wie läuft eine solche Behandlung ab und wie gefährlich kann sie für Allergiker werden? PETBOOK hat beim Experten nachgefragt.
Gelee Royal, Honig-Shampoos – Bienen-Produkte sind beliebte Naturkosmetika. Auch Bienengift soll wahre Wunder bewirken und wird in der kosmetischen Behandlung von Falten eingesetzt. PETBOOK hat mit dem Chemiker und Bienen-Experten Dr. Thomas Gloger gesprochen.
Hochdosiertes Bienengift in Cremes gegen Falten
„Bienengift ist ein sehr starkes Gift, das zerstörerisch, aber richtig dosiert auch heilsam wirken kann“, erklärt Dr. Thomas Gloger, Chemiker, Bienen-Experte und Autor. „Es ist ein hochwirksamer Cocktail aus 78 Komponenten, einer davon ist Melittin. Das Eiweiß-Molekül regt die Neubildung von Zellgewebe an.“ Zur Faltenbehandlung gibt es deswegen hochdosierte Cremes mit 0,1 Prozent Bienengift (Kosten: ca. 50 Euro). „Das ist das Maximum“, so Gloger. „Die Cremes straffen die Hautoberfläche und werden am besten abends vor dem Schlafengehen aufgetragen.“ Trotzdem dürfe man keine Wunder erwarten: „Bienengift ist ein Naturprodukt, der Effekt tritt nicht über Nacht ein“, so der Experte. „Es bedarf schon einiger Wochen, bis eine merkliche Verjüngung der Haut erkennbar ist.“
Bienengift-Injektion gegen Falten
Nicht nur durch Cremes und Seren, auch eine Injektion von Bienengift kann Falten entgegenwirken. Hier spricht man schließlich von Apitoxin. Dafür wird das Gift in die zu behandelnden Hautstellen – wie zum Beispiel die Stirn, oder die Augenfalten gespritzt. Ähnlich wie Botox lässt das Bienengift die Muskeln entspannen, wodurch feine Linien und Fältchen reduzierter erscheinen. Allerdings ist dieses Treatment zur Faltenreduzierung im Vergleich zu anderen Methoden nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht. „Wir empfehlen unseren Kunden daher alle zehn Tage ein Foto zu machen, um den Verlauf zu dokumentieren“, rät Gloger.
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So gewinnt man Bienengift
Um der Biene das Gift zu entlocken, muss man sie reizen – ähnlich wie bei Schnecken, die mehr Schleim absondern sollen. Wie das geht? „Geräte, die leichte Stromschläge aussenden, werden vor einem Bienenstand aufgestellt“, erklärt Dr. Thomas Gloger. „Damit werden die Bienen geärgert, in der Folge spritzen sie ihr Gift auf eine Glasscheibe.“ Unschöne Tierquälerei? „Nach drei bis vier Tagen haben sie ihr Gift wieder nachgebildet, die Bienen sterben dabei nicht“, gibt der Experte Entwarnung.
Bienengift gegen Falten – für Allergiker ein No-Go
Wer eine Bienengift-Allergie hat, wird (und sollte!) automatisch einen großen Bogen um eine entsprechende Faltenbehandlung machen. 2018 berichtete der Spiegel über den Tod einer Frau in Spanien nach einer Bienen-Akupunktur. „Naturstoffe bergen immer ein Risiko für Allergien“, erklärt auch Dr. Thomas Gloger. „Viele haben große Angst vor Bienen und davor, gestochen zu werden“.
Dabei seien die meisten schweren allergischen Reaktionen nicht auf Bienen, sondern auf Wespen zurückzuführen, so der Experte weiter. Vor allem das Gift der sich in Deutschland immer weiter ausbreitenden Asiatischen Hornisse habe ein wesentlich höheres allergisches Potenzial. Wer empfindlich sei und generell zu Allergien neige, der sollte das Produkt am besten nicht gleich im Gesicht ausprobieren, sondern besser zunächst den Test in der Armbeuge machen: „Die Creme fördert zwar die Durchblutung der Haut, darf aber nicht höllisch brennen. In diesem Fall sollten Sie die Textur lieber schnell warm abwaschen und ganz darauf verzichten.“