27. November 2025, 14:03 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Plötzlich frisst das Pferd schlechter, steht abseits der Herde, wirkt müde und „nicht mehr wie früher“. Für viele Halter sind solche Veränderungen ein stiller Hinweis darauf, dass sich etwas Grundlegendes verändert. Die Sorge wächst: Handelt es sich nur um einen schlechten Tag – oder könnten es bereits erste Anzeichen der Sterbephasen beim Pferd sein? Petbook erklärt, welche Signale ernst zu nehmen sind und wie man seinem Tier in dieser sensiblen Lebensphase gerecht wird.
Wann ist ein Leben nicht mehr Lebenswert?
Oft kündigt sich dieser Abschied jedoch bereits deutlich früher an – durch Veränderungen, die leise beginnen und dennoch viel über den Gesundheitszustand des Pferdes verraten. „Eigentlich geht es darum, zu erkennen, wann ein Leben für ein Pferd nicht mehr lebenswert ist und Schmerz und Leid die Freude am Leben verdrängt haben“, sagt Dr. Viola Hebeler, Fachtierärztin für Pferde. Denn bevor das Tier festliegt, kollabiert und der Kreislauf versagt, vergehen oft Monate eines schleichenden Prozesses. Diese Phase zu erkennen bedeutet, dem Pferd unnötiges Leid zu ersparen.
Erste Anzeichen, dass es Ihrem Pferd schlecht geht
Es ist nicht immer einfach zu erkennen, wie es dem eigenen Pferd wirklich geht: Auf der Weide sucht es Nähe zum Herdenverband, trottet umher und wiehert gelegentlich. Für Außenstehende sieht das nach normalem Alltag in einem Pferdeleben aus, doch die Realität kann anders aussehen: „Bewegung allein sagt nichts darüber aus, wie sich das Pferd während der anderen 23,5 Stunden fühlt“, sagt Dr. Viola Hebeler.
Viele frühe Warnzeichen haben nichts mit den frühen Sterbephasen zu tun, sondern mit massiv eingeschränkter Lebensqualität. Besonders ältere oder chronisch kranke Pferde zeigen die folgenden Veränderungen oft schleichend: 1
Appetitlosigkeit oder Schmerzen beim Fressen
Hier gilt es zu beobachten, ob das Tier noch schmerzfrei fressen kann, ob es Heu ablehnt, nur Kraftfutter oder bloß weiches Futter frisst. Denn Probleme an Zähnen, Magen oder im Bewegungsapparat können dazu führen, dass Pferde Mahlzeiten meiden und dabei still leiden.
Verdauungsbeschwerden
Wiederkehrende oder chronische Koliken sind ein häufiges Zeichen dafür, dass der Körper überlastet ist. Auch Durchfall, Verstopfung oder deutlicher Blähbauch sollten ernst genommen werden.
Atemnot – das unterschätzte Leiden
Wichtig ist, darauf zu achten, ob das Pferd gut Luft bekommt oder unter chronischer Atemnot leidet. „Das resultiert eine ständige Angst vor dem Ersticken, zum Beispiel durch Equines Asthma im Endstadium (Dämpfigkeit).“ Chronische Atemnot ist einer der tierschutzrelevantesten Zustände überhaupt.
Körperlicher Verfall
Ein deutlicher Gewichtsverlust von über 20 Prozent des Normalgewichts und eingefallene Flanken sind oft ein sichtbares Zeichen für schwerwiegende Probleme.
Schläft das Pferd noch regelmäßig?
„Ein ganz wesentlicher Punkt, der dem zufälligen Betrachter verschlossen bleibt, ist, ob das Pferd sich regelmäßig zum Schlafen hinlegt“, sagt die Fachtierärztin Dr. Viola Hebeler. „Auch wenn Pferde im Stehen dösen können, brauchen sie doch mindestens 30 Minuten Tiefschlaf mit REM-Phasen in Seitenlage. Pferde, die aus irgendwelchen Gründen Angst haben, sich hinzulegen, oder Probleme beim Aufstehen haben, leiden.“
All das seien tierschutzrelevante Zustände, die eine Euthanasie rechtfertigen können, auch wenn das Pferd oberflächlich betrachtet, noch lebensfähig aussieht.
Späte Anzeichen: Wenn der Körper nicht mehr kann
Kurz vor dem Tod werden die Anzeichen deutlicher und sind nicht mehr zu übersehen: sehr niedrige Körpertemperatur, flache und unregelmäßige Atmung, blasse Schleimhäute durch schlechtere Durchblutung und Verlust der Körperkontrolle.
Diese Sterbephasen gibt es beim Pferd:
- Die Frühphase (Vorbereitung): Rückzug, Apathie, reduzierte Nahrungs- und Wasseraufnahme.
- Die Endphase (Agonie): Vitalfunktionen lassen deutlich nach, starke Schwäche, Koordinationsverlust.
- Der Tod: Herz- und Atemstillstand.
Das passiert, wenn das Pferd schließlich stirbt
Der tatsächliche Moment des Todes ist für Besitzer oft sehr schwer. Oft entscheiden sich Halter dazu, ihr Pferd vom Tierarzt erlösen zu lassen, bevor es qualvoll stirbt. Tierärzte verabreichen den Tieren intravenös ein Einschläferungs-Präparat, wodurch das Pferd das Bewusstsein schnell verliert. Durch diesen Verlust fällt es dann zu Boden. Dr. Viola Hebeler betont: „Das Pferd merkt von dem Moment des Fallens nichts mehr. Der Bewusstseinsverlust tritt schnell ein. Der gesamte Vorgang ist schmerzfrei.“
So läuft das Einschläfern ab:
- Der Sturz: Das Pferd knickt in der Regel schmerzfrei ein und fällt nieder.
- Unkontrollierte Bewegungen: Kurz vor oder nach dem Herzstillstand können Reflexe (Muskelzuckungen, letzter tiefer Atemzug) auftreten, die aber keine bewussten Reaktionen sind.
- Die Bestätigung: Der Tierarzt überprüft sorgfältig das Herz und die Reflexe, um das Ableben sicher zu bestätigen.
Verabschieden sich Pferde?
Viele Pferde wirken in den letzten Stunden oder Tagen auffallend ruhig, suchen gezielt Nähe zu vertrauten Menschen oder Herdenmitgliedern – andere ziehen sich eher zurück. Ob sie „bewusst“ Abschied nehmen, lässt sich wissenschaftlich nicht belegen, aber zahlreiche Erfahrungsberichte sprechen dafür, dass Pferde Veränderungen ihres Zustands und der Situation sehr deutlich wahrnehmen.
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Was passiert nach dem Tod mit dem Pferdekörper?
Der Transport des Pferdekörpers ist mit logistischem Aufwand verbunden. Wichtig zu wissen: Das Vergraben von Pferden ist in der Regel aus Umweltschutzgründen verboten. Sprechen Sie im Vorfeld mit dem Stallbetreiber, wenn Sie wissen, dass der Abschied naht. Denn für die Abholung des Pferdekörpers muss ein Termin vereinbart werden. Ihre Stadt oder Gemeinde arbeitet für die Tierkörperbeseitigung mit Firmen zusammen, die über Spezial-Lkw zur Entsorgung verfügen. Das ist ein Anblick, den sich die meisten Pferdebesitzer ersparen.
Der letzte Weg: Verantwortung und Lebensqualität
Sterbephasen beim Pferd verlaufen sehr individuell, folgen aber überwiegend dem Muster von zunehmender Schwäche, Rückzug und Ausfall zentraler Körperfunktionen. Wer sein Pferd gut kennt, regelmäßig tierärztlichen Rat einholt und den Fokus auf Schmerzfreiheit und Lebensqualität legt, kann den Abschied so gestalten, dass das Tier möglichst wenig leidet und in Ruhe gehen darf. Der Gedanke, dass man seinem Pferd ein friedliches und schmerzfreies Gehen ermöglicht, kann in dieser schweren Zeit Trost spenden.