20. Oktober 2025, 6:08 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Das Pferd kommt aus der Box, setzt zögerlich den ersten Schritt, wirkt steif und läuft erst nach einigen Minuten geschmeidiger. Ein Anzeichen, das viele Tierhalter zunächst als normale Alterserscheinung abtun – doch oft steckt mehr dahinter: Spat, eine der häufigsten Gelenkerkrankungen bei Reit- und Fahrpferden. PETBOOK erklärt, wie Spat entsteht, woran man die Krankheit erkennt und was bei der Behandlung hilft.
Was bei Spat im Körper passiert
Spat ist eine Erkrankung an den Hinterbeinen der Pferde. Der Schmerzherd sitzt dabei über dem Sprunggelenk. Durch wiederkehrende Belastungen entstehen Entzündungen, die den Knorpel und schließlich den Knochen verändern. Es bilden sich knöcherne Zubildungen, die das Gelenk zunehmend versteifen. Schließlich verknöchert das Gelenk vollständig. Die Schmerzen lassen dann zwar nach, aber das Pferd ist in seiner Bewegung deutlich eingeschränkt.
Zu den typischen Auslösern zählen Fehlstellungen im Training, falscher oder ungepflegter Hufbeschlag, harte Böden und übermäßige Belastung im Sport. Aber nicht nur eine zu intensive Bewegung ist problematisch: Auch Bewegungsmangel, Verletzungen oder eine unausgewogene Fütterung können die Krankheit begünstigen. Besonders gefährdet sind Sport- und Arbeitspferde, die regelmäßig starken Druck auf die Hinterbeine ausüben müssen.1, 2, 3
Spat trotz Tücken erkennen
Das Tückische an Spat beim Pferd ist, dass es sich meist schleichend entwickelt. Zunächst zeigt das Tier eine leichte Lahmheit nach Ruhephasen, die sich beim Einlaufen bessert. Mit der Zeit bleibt die Lahmheit bestehen, vor allem im Trab oder bei engen Wendungen. Viele Tiere bewegen sich steif, treten kürzer und verlieren an Schwung. Für Halter kann das irritierend wirken, wenn das Pferd sonst immer flüssig gelaufen ist. Sollten Ihnen solche Veränderungen auffallen, zögern Sie nicht, Ihren Tierarzt zu kontaktieren.
In akuten Phasen kann das Sprunggelenk warm und leicht geschwollen sein. Manche Pferde zeigen Abwehr beim sonst reibungslosen Hufgeben oder Schwierigkeiten beim Antraben oder Angaloppieren. Bei genauer Beobachtung fällt eine stärkere Abnutzung an der Zehe des Hufeisens auf – ein Hinweis auf veränderte Belastung. Wird Spat chronisch, baut sich die Muskulatur der Hinterhand ab, und knöcherne Verdickungen können an der Gelenkinnenseite sichtbar oder tastbar werden.
Diagnose und Behandlung
Zur Diagnose beurteilt der Tierarzt das Pferd im Stand und in der Bewegung. Eine Beugeprobe kann eine versteckte Lahmheit deutlicher machen. Bestätigt wird der Verdacht meist durch Röntgenaufnahmen, auf denen sich typische Knochenveränderungen zeigen. Frühstadien sind jedoch nicht immer sichtbar, sodass bei Bedarf eine Gelenkanästhesie – also die örtliche Betäubung des Gelenks – eingesetzt wird, um die Ursache sicher zu bestimmen. Wenn das Pferd nach der lokalen Betäubung anders oder besser läuft, kann der Schmerzherd weiter eingegrenzt werden.
In der Behandlung von Spat beim Pferd steht Schmerzlinderung im Vordergrund. Entzündungshemmende Medikamente wie Meloxicam oder Firocoxib werden in akuten Phasen eingesetzt, oft kombiniert mit Gelenkinjektionen aus Kortison oder Hyaluronsäure. Auch Präparate, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen, können helfen, den Krankheitsprozess zu verlangsamen.
Entscheidend ist außerdem regelmäßige, kontrollierte Bewegung: Sie hält den Knorpel geschmeidig und fördert die Durchblutung. Boxenruhe ist dagegen meist kontraproduktiv – besser ist ein Aktivstall und regelmäßige ausgelassene Koppelgänge. Ein passender Hufbeschlag kann zusätzlich entlasten und Fehlstellungen ausgleichen.
In schweren Fällen ist auch eine Operation möglich. Diese erfolgt in einer Tierklinik und bietet dem Pferd danach wieder ein Stück Normalität – ohne Schmerzen.
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Vorsorge ist die beste Sorge
Wer Spat vorbeugen will, sollte auf gelenkschonendes Training und gute Hufpflege achten. Eine ausgewogene Fütterung mit ausreichender Mineralstoffversorgung unterstützt stabile Knochen und Knorpel. Aufwärmphasen vor dem Training sollten für jeden Reiter das A und O sein, genauso wie abwechslungsreiche Bewegung. Zudem ist es wichtig, auf einen weichen Boden zu achten, um die Gelenke gleichmäßig zu belasten.
Nach Verletzungen sollte die Stehzeit so kurz wie möglich gehalten und ein langsamer Wiederaufbau mit dem Tierarzt abgestimmt werden. Regelmäßige Kontrollen von Hufstellung und Beschlag helfen, Fehlbelastungen früh zu erkennen. Wer Lahmheit, Steifheit oder Taktunreinheiten bemerkt, sollte nicht abwarten – eine frühe Diagnose kann verhindern, dass Spat chronisch fortschreitet.
Kurz gesagt
Spat beim Pferd ist eine degenerative Erkrankung des Sprunggelenks, die sich schleichend entwickelt und in Schüben verlaufen kann. Mit rechtzeitiger Diagnose, gezielter Therapie und konsequentem Bewegungsmanagement ist für viele Pferde dennoch ein weitgehend schmerzfreies Leben möglich.