4. September 2025, 13:48 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Für viele Pferdehalter ist die Diagnose ein Albtraum: Pferdeherpes. Manchmal verläuft eine Infektion ganz still und leise. Das Virus kann aber auch zu erheblichen neurologischen Störungen oder gar zum Tod führen. Im Falle einer Infizierung ist oberste Vorsicht geboten – die Krankheit ist hochansteckend. PETBOOK klärt über die Symptome, Ursachen und Behandlung auf.
Pferdeherpes ist eine hochansteckende virale Krankheit. Abgekürzt wird sie mit EHV – das steht für equines Herpesvirus. Es gibt fünf verschiedene Virenarten – mit jeweils abweichenden Symptomatiken und Krankheitsverlauf:
- EHV-1: Equine Herpesmyeloenzephalitis (EHM)
- EHV-2: Keratokonjunktivitis, Rhinitis, Pharyngitis
- EHV-3: Koitalexanthem
- EHV-4: Rhinopneumonitis
- EHV-5: Keratokonjunktivitis, Rhinitis, Pharyngitis
Am weitesten verbreitet auf der Welt sind der EHV-1- und der EHV-4-Typ. Die Pferde können sich untereinander über die sogenannte Tröpfcheninfektion anstecken. Auch Menschen können stille Überträger sein – der Virus ist für uns hingegen ungefährlich.1
Anzeichen und Symptome für Pferdeherpes
Je nach Virusart der Infektion gibt es verschiedene Symptomatiken. Allerdings gibt es auch Fälle mit einem sogenannten subklinischen Krankheitsverlauf – in anderen Worten „symptomlos“.
Symptome im Überblick
- Fieber
- Appetitverlust
- Husten
- Nasenausfluss/Augenausfluss
- Aborte/ verfohlen
- Lethargier
- Schädigung des Nervensystems
Bei einer Erkrankung mit dem EHV-4-Virus kommt es meistens eher zu Beschwerden der Atemwege oder Fieberschüben. Im Gegensatz dazu ist bei einer Infektion mit dem EHV-1-Typen ein breiteres Spektrum an Symptomen zu beobachten. Durch Beschädigung der Blutgefäße kann es zu Durchblutungsstörungen kommen, die an eine Art Schlaganfall erinnern. Dabei können die Hintergliedmaßen, Blase und Rektum erhebliche Schäden tragen: Es kann zu Harn- und Kotabsatzproblemen kommen oder sogar zu Gangstörungen. Respiratorische Symptome, wie bei Typ 1, sind auch möglich. Außerdem kann es zu Aborten, also Fehlgeburten, kommen.2, 3
Gründe für die Übertragung von Herpes
Wie bei vielen anderen Virenarten werden Herpesviren auch über Tröpfcheninfektion übertragen. Dabei hatten 85 bis 90 Prozent aller Pferde mindestens schon einmal Kontakt mit dem Virus. Wobei auch Menschen und Gegenstände Überträger sein können. Das ist eine ziemliche Tücke – vor allem wenn es um die Beständigkeit des Virus geht. Dieses kann nämlich bei guten Bedingungen bis zu 48 Tage auf Gegenständen überleben – bei 4 Grad sogar bis zu Monaten.
Wichtig für alle Halter: 80 bis 90 Prozent aller Pferde sind latente, also stille Überträger. Sprich, ist ein Pferd erst einmal infiziert, bleibt das Virus in inaktiver Form im Immunsystem des Tieres und kann weiterhin auf andere Pferde übertragen werden. Infizierte Stuten können auch ihre Fohlen im Mutterleib anstecken, da das Fruchtwasser und die Plazenta hochansteckend sind.
Ein besonderer Grund ist, dass inaktive EHV-Viren auch durch Stress reaktiviert werden können. Ein guter Ausgleich von Training und Freizeit kann also weitaus wichtiger sein, als man denkt. 4
Wie wird Herpes bei Pferden diagnostiziert?
Da der Verlauf der Krankheit sogar mit dem Tod der Tiere enden kann, sollten Sie sensibel mit möglichen Symptomen umgehen. Es gilt: Lieber einen Besuch mehr beim Veterinär machen. Vor allem, weil sich die Indikatoren für Krankheit unterschiedlich schnell zeigen. Normalerweise liegt die Inkubationszeit der Typen 1 und 4 bei vier bis sieben Tagen. Hingegen zeigen sich die Symptomatiken des EHV-1 manchmal auch erst nach Wochen oder sogar Monaten. Häufig sind solche langen Inkubationszeiten mit Fehlgeburten von Fohlen verbunden.
Bei Verdacht auf eine Herpesinfektion sollte schnellstmöglich gehandelt werden. Das betroffene Pferd sollte unbedingt isoliert werden, um eine Ansteckung anderer Pferde nicht zu riskieren. Außerdem sollte der gesamte Pferdestall abgeriegelt werden und kein anderes Tier heraus oder herein. Zusätzlich sollte auf eine sterile Umgebung geachtet werden. Dazu sollte man sich selbst bei Kontakt desinfizieren, sowie Gebrauchsgegenstände und Kleidung.
Zeitgleich sollten Sie umgehend Ihren Tierarzt konsultieren. Dieser veranlasst dann labormedizinische Tests, indem er Abstriche von der Nüstern oder Blutproben nimmt. Wenn der Verdacht durch das Labor bestätigt wurde, geht der Tierarzt sofort zur Behandlung über. In Deutschland ist der Pferdeherpes nicht anzeige- oder meldepflichtig.
Die Behandlung von Pferdeherpes dauert lange
Leider lässt sich der Virus nicht direkt behandeln, aber man kann gegen die Symptome vorgehen. Tierärzte verabreichen den Tieren oft Entzündungshemmer, unterstützende Medikamente für das Immunsystem und den Herz-Kreislauf, Vitamin B und im Falle einer zusätzlichen bakteriellen Infektion auch ein Antibiotikum.
Betroffene Pferde werden isoliert gehalten, wobei eine Quarantäne von mindestens 28 Tagen empfohlen wird. Während der Infektion können auch schlappe Glieder auftreten: Pferde können sich kaum noch auf ihren Beinen halten und werden deswegen mit einem Tragegeschirr unterstützt.
Für die Tiere selbst ist ein Krankheitsfall psychisch sehr belastend. Sie sind Herde- und Fluchttiere: Sie genießen Gesellschaft und benötigen eigentlich viel Auslauf, um ein Gefühl von Sicherheit zu haben. In der Isolation ist beides nicht gegeben, weswegen Halter unbedingt viel Zeit mit ihren Pferden verbringen sollten. Kuschel- und Krauleinheiten erleichtern den Tieren den Weg zur Genesung.
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Prognosen fallen unterschiedlich aus
Für eine individuelle Prognose sollten Sie auf jeden Fall das Gespräch mit dem Tierarzt suchen. Jedes Pferd reagiert unterschiedlich auf das Virus. Allerdings kann man anhand des EHV-Types den Heilungsverlauf etwas einordnen.
Die Beschwerden bei einer Rhinopneumonitis, also dem EHV-4-Typ, kann man in der Regel gut behandeln. Nur sollte man wissen, dass der Heilungsprozess sehr zäh ist und lange dauern kann. Auch wenn das Tier symptomfrei ist, sollte es langsam erst wieder an die Bewegung herangeführt werden.
Etwas komplizierter ist es bei dem EHV-1 der equinen Herpesmyeloenzephalitis. 20 bis 50 Prozent der betroffenen Tiere zeigen neurologische Symptome, welche eher schwer zu behandeln sind. Es kann aber auch zu schlaganfallähnlichen Durchblutungsstörungen kommen – oft sind diese auch nicht sonderlich behandelbar.
Wie kann man Pferdeherpes vorbeugen?
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StiKo Vet), bestehend aus Forschern und Tierärzten, empfiehlt ausdrücklich die Impfung gegen das Pferdevirus. Eine aktuelle Impfpflicht gibt es laut der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) allerdings nicht.
Eine Impfung besteht aus drei Impfungen zur Grundimmunisierung. Im Fohlenalter sollte ab sechs Monaten mit der ersten Impfung begonnen werden. Die zweite folgt nach vier bis sechs Wochen und die dritte mit längerem Abstand nach vier bis sechs Monaten. Ab dem Zeitpunkt ist für einen ausreichenden Schutz eine Auffrischungsimpfung im Abstand von sechs Monaten vorgesehen. Leider kann trotz Impfung eine Infektion nicht ausgeschlossen werden. Allerdings kann der Krankheitsverlauf dadurch sehr viel milder sein.5 6
