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Zweifarbige Mähne

Fjordpferde – vom Wikingerpferd zum Alleskönner

zwei Fjordpferde galoppierend sich ärgernd auf einer grünen Koppel
Wenn es die Wikinger nicht gegeben hätte, dann wären die Fjordpferde gar nicht erst entstanden. Foto: Getty Images
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Werkstudentin

8. September 2025, 11:36 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ein Pferd, das Tradition und Vielseitigkeit vereint, so wird die Rasse häufig beschrieben. Das Norwegische Fjordpferd begeistert seit Jahrhunderten mit Charakter, Ausdauer und einem unverwechselbaren Aussehen. Doch seine Geschichte hält mehr Überraschungen bereit, als man auf den ersten Blick vermutet. PETBOOK wagt den Blick in die Vergangenheit.

Herkunft

Norwegisches Fjordpferd – der Name sagt schon viel. Ein Pferd aus den Fjorden Norwegens. Doch die Herkunft dieser besonderen Pferderasse ist weitaus spektakulärer. Dafür begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise bis in das Zeitalter der Wikinger. Wir befinden uns in der Region rund um „Vestlandhest“ – eine Küstenregion im Westen Norwegens. Die Region ist geprägt von schroffen, kargen Bergen und zahlreichen Fjorden.

Den Grundstein für die Rasse, die uns heute auch als „Norweger“ bekannt ist, haben die Wikinger gelegt. Von ihren Beutezügen brachten sie nämlich nicht nur Kisten voller Schätze mit, sondern auch erstaunlicherweise Ponys. Diese kreuzten die altnordischen Seefahrer mit ihren beheimateten Pferden. Damals nutzten sie diese vordergründig für die schwere Arbeit vor dem Pflug beim Ackerbau. Der Status des landwirtschaftlichen Arbeitspferdes hielt sich über mehrere Jahrhunderte: Dabei wurde es hauptsächlich in bäuerlichen Wirtschaften gehalten.

Ein Wendepunkt in der Geschichte war im Jahre 1820. Zu dem Zeitpunkt wurde die Zucht des Norwegischen Fjordpferdes erstmals erfasst und organisiert. Damals waren die Pferde deutlich kleiner als heute – mit einem Stockmaß von ungefähr 130 Zentimetern. Um die Pferde größer zu züchten, wurden die Fjordpferde bis 1876 mit Hengsten der Dolepferde des Typs Kleinkaltblüter gekreuzt.

Vom Feld in Reiterherzen

Allerdings hatten die Pferde aus diesen Zuchtlinien ungünstige Charaktereigenschaften: Den Zeitgenossen waren sie nicht arbeitswillig genug und zu stur im Umgang.1886 versuchte man dem entgegenzuwirken, indem nicht reinrassige Fjordpferde von der Zucht ausgeschlossen wurden; man sprach von einer „Rassenbereinigung“. Durch menschliche Selektion wurde die Rasse aus Sicht der Züchter stets verbessert. Der Hengst mit dem Namen Njål N.166 gilt in Bezug auf das Aussehen und Charakterzüge als Urvater der Rasse. Seine Söhne ØYARBLAKKEN 819, HÅKON JARL N 645 und BERGFAST N 635 bilden für die Zucht die drei populärsten Hengstlinien.

In den 1930er-Jahren expandierte die Zucht nach Dänemark. Um 1938 wurden die Norwegischen Fjordpferde Teil von dem Bestand der Tierparks Hellabrunn bei München und Duisburg. Ihr größter Import war nach dem Zweiten Weltkrieg, um beim Wiederaufbau eingesetzt zu werden.

Mit der Technologiewende in den 1960er-Jahren verloren die Fjordpferde immer mehr an Bedeutung als Arbeitspferde, schließlich konnten Maschinen ihre Arbeit günstiger und effizienter übernehmen. Seitdem sind sie in Reiterkreisen umso beliebter und brillieren als Alleskönner im Reitsport.

Aussehen

Eine Koppel voller Fjordpferde – auch für erfahrene Reiter besteht hier eine große Verwechslungsgefahr unter den Pferden. Denn die Pferde aus dem Norden haben fast identische Phänotypen, die sich für ungeschulte Augen nur um Nuancen unterscheiden. Besonders markant ist ihr dichtes Fell, welches falbendfarbend ist und von einer fünf verschiedenen Schattierungen geprägt. Auf ihrem Rücken ist ein weiteres rassetypisches Merkmal: der Aalstrich. Ein dunkler, mal mehr, mal weniger stark ausgeprägter Fellstrich, der auf der Wirbelsäule verläuft.

Außerdem einmalig ist die Mähne des Norwegischen Fjordpferdes: Sie ist dick, dicht und zweifarbig! In der Mitte der sonst schwarzen Mähne verläuft ein schmaler weißer Mähnenstreifen. Oft sieht man diesen auch gestyled. Typischerweise wird die Mähne als sogenannte Stehmähne frisiert, also so weit gekürzt, bis sie weitestgehend als längere Stoppeln steht. Der Schopf wird dabei nicht abgeschnitten.

Das Norwegische Fjordpferd ist zwischen 130 und 150 Zentimetern groß und hat einen breiten Kopf mit geradem bis leicht konkavem Nasenrücken, ausdrucksvolle Augen und kleine Ohren. Der hoch aufgesetzte, ausreichend lange Hals mit guter Ganaschenfreiheit verleiht ihm eine stolze Haltung. Sein Körperbau im Rechteckformat zeigt eine gut bemuskelte Schulter, breite Brust, elastischen Rücken und eine kräftige, breite Kruppe. Abgerundet wird sein robuster Eindruck durch seine kräftigen Beine.

Charakter & Gemüt

Egal, ob für Jung oder Alt, erfahren oder nicht erfahren: Das Fjordpferd ist durch seine Eigenschaften für alle geeignet. Sein Charakter ist von einer Ausgeglichenheit geprägt. Zudem ist die Rasse sehr gelehrig, neugierig und selten schreckhaft. Sie sind für jeglichen Spaß zu haben. Sie eignen sich besonders gut als Freizeitpferd und können auch einfache Springparcours und Dressurlektionen absolvieren. Am wohlsten fühlen sie sich jedoch bei ausgiebigen Geländeritten durch die Natur.

Gang & Disziplin

Das Norwegische Fjordpferd überzeugt durch ein raumgreifendes, elastisches und taktreines Gangbild, das es zu einem vielseitigen Partner macht. Es eignet sich gleichermaßen als Reit-, Fahr- und Familienpferd und zeigt auch im Distanzreiten sowie im Fahrsport seine Ausdauer und Zuverlässigkeit. Ebenfalls ambitioniert und leistungsstark zeigen sie sich bei der Freiheitsdressur oder Bodenarbeit. Manchmal werden sie auch als Therapiepferde wegen ihrer starken Nerven, Geduld und Umgänglichkeit eingesetzt.

Richtige Haltung & Pflege

Wie ihre anderen Artgenossen benötigen auch die Fjordpferde ausreichend Auslauf. Weite Koppeln und eine Offenstallhaltung sind daher empfehlenswert. Wichtig ist aber, dass der Unterstand trocken gehalten wird, um Mauke zu vermeiden. Sie kommen herkunftsbedingt gut mit niedrigen Temperaturen zurecht. Auf ausreichende Bewegung sollte ebenfalls geachtet werden.

Ernährung

Fluch und Segen zugleich: Fjordpferde gelten als leichtfuttrig. Auf ausreichend Raufutter, wie Heu, sollte trotzdem in jedem Fall geachtet werden. Es gilt die gleiche Regel wie bei anderen Pferden auch: Mineralfutter sollte immer individuell angepasst werden, genauso wie bei zusätzlichem Kraftfutter. Bei Mängelerscheinungen kann ein Tierarzt auch Zusatzfutter, wie Zink, anordnen.

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Anfälligkeiten für bestimmte Krankheiten

Das Norwegische Fjordpferd gilt insgesamt als äußerst robust und wenig anfällig für Krankheiten. Dennoch können vereinzelt Erbkrankheiten auftreten. Dazu zählt die Myotonie, eine neuromuskuläre Störung, die zu verzögerten Muskelreaktionen mit Steifheit und Zittern führt. Bei Fohlen kann zudem die Atresia Ani, eine Fehlbildung des Darmausgangs, vorkommen, die in der Regel operativ korrigiert werden muss. Eine generelle Immunschwäche ist zwar nicht rassespezifisch, kann jedoch auftreten. Aufgrund ihrer sehr effizienten Futterverwertung neigen Fjordpferde zudem leicht zu Übergewicht, was in der Haltung besonders beachtet werden sollte.

Das Norwegische Fjordpferd im Überblick

  • Charakter: freundlich, umgänglich und ausgeglichen
  • Stockmaß: 130–150 cm
  • Typ: Pony
  • Fellfarbe: Falbe: 5 verschiedene Schattierungen, ohne Abzeichnungen
  • Gang: taktrein und raumgreifend
  • Disziplin: Freizeit- und Fahrpferd
  • Besonderheiten: zweifarbige Mähne und Aalstrich

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