5. Dezember 2025, 13:53 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Ein Pferd wirkt unruhig, frisst plötzlich nicht mehr, schaut wiederholt zum Bauch oder legt sich hin und steht sofort wieder auf. Solche Alltagsbeobachtungen verunsichern viele Tierhalter – oft zu Recht. Diese Anzeichen können auf eine Kolik hinweisen, einen schmerzhaften und potenziell lebensbedrohlichen Notfall. Da die Symptome anfangs harmlos erscheinen können, wird wertvolle Zeit häufig verspielt. PETBOOK erklärt, wie eine Kolik entsteht, welche Anzeichen ernst zu nehmen sind und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Was ist eine Kolik beim Pferd?
Der Verdauungstrakt des Pferdes ist empfindlich und anatomisch besonders. Pferde haben einen kleinen Magen mit einer weiteren Besonderheit: Pferde können sich anatomisch nicht übergeben. Der Dünndarm des Pferdes hängt an einer langen, beweglichen Falte des Bauchfells, die auch Gekröse genannt wird. Das begünstigt Verdrehungen. Der Dickdarm ist massiv und gleichzeitig frei beweglich – er kann sich verlagern oder aufdrehen.
Wenn die Beweglichkeit von Magen oder Darm gestört ist, sich Futter staut, der Darminhalt nicht weitertransportiert werden kann oder sich Darmabschnitte verlagern, entstehen Schmerzen. „Kolik“ beschreibt genau diese Symptome – eine Vielzahl möglicher Störungen, die von leichten Krämpfen bis zu schwerwiegenden Notfällen reichen.1
Ursachen für eine Kolik sind vielfältig
Die Ursachen einer Kolik sind vielfältig. Häufig entstehen Koliken beim Pferd durch Verdauungsprobleme im Magen-Darm-Trakt. Aber auch Erkrankungen anderer Organe können Bauchschmerzen auslösen.
Mögliche Ursachen können sein:
- Verstopfungskolik: Durch zu wenig Bewegung, wasserarmes Futter, zu hohe Strohauflage oder Fütterungsfehler kann der Darminhalt verklumpen. Eine unbehandelte Verstopfung kann in einen Darmverschluss übergehen.
- Sandkolik: Aufnahme großer Sandmengen von kargen Weiden oder sandigen Paddocks, die sich im Dickdarm sammeln.
- Magenüberladung: Durch übermäßige Aufnahme gärender oder quellender Futtermittel oder als Folge eines Darmverschlusses.
- Krampfkolik: Darmkrämpfe, ausgelöst durch Fütterungsfehler, Wetterumschwung oder Stress.
- Gaskolik: Übermäßige Gasbildung durch blähendes oder verdorbenes Futter sowie zu schnelle Futterumstellung.
- Darmverlagerungen und -verdrehungen: Dünn- oder Dickdarm verdrehen oder -klemmen sich.
- Thrombotisch-embolische Kolik: Durch Parasiten, insbesondere den Wurm Strongylus vulgaris, können Blutgefäße geschädigt und Darmabschnitte schlecht durchblutet werden.
- Sonstige Ursachen: Erkrankungen von Leber, Galle, Harn- und Geschlechtsorganen oder schwere Infektionen können kolik-ähnliche Symptome hervorrufen.
Einige Pferde sind anfälliger für Koliken. Manche Pferde haben von Natur aus anatomische Engpässe in ihrem Darm. Für Halter ist es umso wichtiger, über die gesundheitlichen Details ihrer Pferde Bescheid zu wissen. 2, 3, 4
Pferde äußern Schmerzen leise
Die Bandbreite der Symptome reicht von kaum wahrnehmbaren Veränderungen bis zu klaren, deutlichen Anzeichen. Entscheidend ist, dass jede Form der Kolik ernst genommen wird, denn die Stärke der Symptome sagt wenig über die Schwere der Ursache aus. Oft machen Pferde es ihren Haltern nicht leicht. Wenn die Tiere Schmerzen empfinden, kommunizieren sie das eher unterschwellig. Umso wichtiger ist es, dass Halter auf folgende Anzeichen besonders achten.
Typische Anzeichen im Alltag:
- verminderter Appetit oder Futterverweigerung
- fehlender Kotabsatz oder nur geringe Mengen
- häufiges Hinlegen und Wiederaufstehen
- Wälzen, Scharren, Unruhe oder Kopfschlagen
- Apathie oder ungewöhnliche Ruhe
- Flehmen oder vermehrtes Kauen
- Aufblähen des Bauches
- Kreislaufprobleme, hoher Puls, beschleunigte Atmung
- Schweißausbrüche
- ungewöhnliche Körperhaltungen, etwa „Hundesitz“ oder Rückenlage
Da Pferde nicht erbrechen können, sind Symptome wie Speichelfluss oder Würgebewegungen ebenfalls ernst zu nehmen. Wenn Sie solche Symptome bei Ihrem Pferd feststellen, sollte umgehend Ihr Tierarzt informiert werden. Vor allem in solchen Fällen gilt: Lieber einmal mehr das Pferd untersuchen lassen, als weniger.
Diagnose durch den Tierarzt
In der Regel beurteilt der Tierarzt zunächst den Allgemeinzustand und fragt nach Beginn der Symptome, Fütterung, Wasseraufnahme, früheren Koliken, Entwurmung und weiteren medizinischen Informationen.
Wichtige diagnostische Schritte:
- Kontrolle von Puls, Atmung und Körpertemperatur: Abweichungen geben Hinweise auf Kreislaufbelastung und Schweregrad.
- Abhören des Pferdebauches: Darmgeräusche können vermindert, verstärkt, gluckernd oder metallisch sein.
- Rektale Untersuchung: Tastbefund zu Lage, Füllung und Zustand der tastbaren Darmabschnitte.
- Nasen-Schlund-Sonde: Beurteilung des Mageninhalts, Entlastung bei Gasbildung oder Magenüberladung.
- Ultraschalluntersuchung: Sichtbarmachen von Organveränderungen und Darmbewegung.
- Blutuntersuchung: Einschätzung des Kreislaufzustands und möglicher Entzündungsprozesse.
- Bauchhöhlenpunktion: Analyse des Bauchhöhlenpunktats bei unklaren Befunden.
Ziel ist es, schnell zu entscheiden, ob eine konservative Therapie ausreicht oder ein Klinikaufenthalt mit möglicher Operation nötig ist.
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Wie werden Koliken bei Pferden behandelt?
Wenn der Tierarzt festgestellt hat, welche Art der Kolik vorliegt, richtet sich die Therapie gezielt nach dem Schweregrad und der Ursache.
Konservative Behandlung:
Besonders leichtere Koliken lassen sich häufig ohne Operation behandeln. In erster Linie verabreicht der Tierarzt krampflösende und schmerzlindernde Medikamente, die dem Pferd spürbar Erleichterung verschaffen. Anschließend können Infusionen den Kreislauf stabilisieren und die Darmtätigkeit unterstützen. Im Fall einer Verstopfung kommen abführende Mittel zum Einsatz, um den Darminhalt aufzulockern. Über eine Nasen-Schlund-Sonde kann zusätzlich Gas oder Flüssigkeit aus dem Magen entweichen – ein wichtiger Schritt, um Druck abzubauen und weitere Komplikationen zu vermeiden.
Chirurgische Behandlung:
Wenn die konservative Therapie nicht ausreicht oder ein schwerwiegender Befund wie eine Darmverdrehung, Einschnürung oder eine ausgeprägte Verlagerung vorliegt, bleibt eine Operation häufig die einzige Option. In einer spezialisierten Pferdeklinik wird der betroffene Darmabschnitt entlastet, repositioniert oder – wenn notwendig – chirurgisch versorgt. Danach braucht das Pferd eine durchgehende Überwachung und intensive Betreuung, um Kreislauf, Wundheilung und Darmfunktion sicher zu stabilisieren.
Vorsorge ist die beste Sorge
Wer das Risiko für eine Kolik bei Pferden senken möchte, kann mit einer guten Fütterung und Haltung viel erreichen. Entscheidend sind eine kontinuierliche Versorgung mit hochwertigem, sauberem Heu und möglichst kurze Fresspausen. Kraftfutter sollte erst nach dem Heu und in kleinen Portionen gegeben werden. Futterumstellungen – besonders beim Anweiden – erfolgen am besten schrittweise, damit sich der Verdauungstrakt anpassen kann. Ebenso wichtig sind eine ausreichende Wasseraufnahme und ein möglichst stressarmer Alltag, denn Wetterumschwünge oder Unruhe im Stall können die Darmtätigkeit beeinflussen.
Regelmäßige Bewegung unterstützt die Verdauung, während Entwurmung, Zahnkontrollen und sandfreie Futterplätze typische Auslöser wie Parasitenbefall oder Sandaufnahme reduzieren. Futter und Einstreu müssen trocken, schimmelfrei und staubarm sein. Ergänzend können Flohsamenschalen, Leinöl oder Leinsamen nach tierärztlicher Absprache die Verdauung unterstützen – sie ersetzen jedoch keine medizinische Behandlung.