17. Oktober 2025, 6:08 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Stolz, wild, unzähmbar – so kennt man sie aus Filmen: den Hengst – das Sinnbild purer Freiheit. Im Gegensatz zum Wallach. Aber wo liegt da eigentlich der Unterschied? PETBOOK erklärt.
Hengst oder Wallach – wo liegt der Unterschied?
Wer hier an sanfte Riesen denkt, der hat recht und Unrecht zugleich. Sie kennen bestimmt die berühmten Pferdefilm-Narrative: Wilder Hengst – wird von einem Menschen gezähmt. Oftmals bleibt das Stereotyp vom aufbrausenden, wilden, freien, stolzen und kaum zu bändigenden Hengst. Hengste werden ziemlich oft als Machos mit viel Temperament und Sexualtrieb dargestellt. Wenn sie einmal eine Stute sehen, dann scheinen sie völlig durchzudrehen.
Ein Gegenstück zu den vermeintlichen „Drama-Kings“ ist der Wallach. Der größte Unterschied zwischen ihnen ist ein medizinischer Eingriff: die Kastration. Dies kann zu Beginn der Geschlechtsreife durchgeführt werden. Je nach Quelle wird empfohlen, Junghengste zwischen zwei und vier Jahren zu kastrieren. Manchmal wird der Eingriff bewusst aufgeschoben, aber dazu später mehr.
Warum kastriert man Hengste?
Schon die Skythen, eines der ältesten Reitnomadenvölker vor rund 2800 Jahren, züchteten Pferde. Doch nicht nur das – sie kastrierten auch schon ihre Hengste. Kurz zur Einordnung: Die Skythen führten ihre Kriege meist auf den Rücken ihrer Pferde aus. Für die Kämpfe wollten sie gehorsame Tiere. Hengste waren auch damals schon sehr temperamentvoll, weswegen Junghengste kurzerhand kastriert wurden, noch bevor sie stereotypisches Hengstverhalten entwickeln konnten.
Der gleiche Gedanke – heute ohne Krieg – zieht sich bis in die Gegenwart. Meistens werden Hengste kastriert, um die Haltung der Tiere zu erleichtern. Bei der Kastration wird der Hoden entfernt, wodurch die Produktion der Geschlechtshormone abnimmt. Die Folge: Der nunmehrige Wallach ist meistens ruhiger und besonnener – vor allem im Umgang mit Stuten zeigt sich das. Außerdem lassen sich Wallache oft leichter in Gruppen halten, während Hengste meist einzeln oder in kleinen Gruppen mit anderen Hengsten stehen.
Es gibt aber auch andere Gründe, warum Hengste kastriert werden. Manchmal ist eine Kastration sogar aus medizinischen Gründen erforderlich. Zum Beispiel, wenn Hengste Hodenkrebs oder eine Hodenentzündung haben. Und schließlich spielt auch die Zuchtplanung eine Rolle: Junghengste, die nicht zur Zucht vorgesehen sind, werden oft kastriert, um ungewollten Nachwuchs zu verhindern. Einige Halter schieben die Kastration ihrer Hengste weit hinaus, damit sie im Training von dem Hengstverhalten profitieren können. Dabei geht es hauptsächlich um den ausgeprägteren Gang, die Ausstrahlung und die Präsenz. 1
Wie läuft eine Kastration ab?
Wenn Sie eine Kastration Ihres Junghengstes in Erwägung ziehen, sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Tierarzt suchen. Danach erfolgt eine Voruntersuchung des Tieres, um gesundheitliche Risikofaktoren auszuschließen. Wenn keine Auffälligkeiten bestehen, stellt sich die Frage nach der Art der Kastration. Diese kann nämlich vor Ort am Stall durch den Tierarzt unter bestimmten Bedingungen erfolgen oder in einer Pferdeklinik. Bei dem Eingriff wird der Samenstrang gequetscht oder abgetrennt – dabei sollten die Pferde sediert sein.
Sofern der Eingriff in den eigenen Örtlichkeiten erfolgt, werden die Wunden nicht voll verschlossen. Grund dafür ist, dass die Umgebung nicht steril ist und Tierärzte die Wunden präventiv offenlassen, damit Wundsekret ablaufen kann. Gerade in diesem Fall müssen Halter für eine penible Nachversorgung sorgen. Normalerweise heilen die Wunden dann innerhalb von zwei bis drei Wochen.
Sollten nach der Operation Komplikationen auftreten, wie Nachblutungen, Entzündungen oder Darmprobleme, sollten Sie umgehend den Tierarzt kontaktieren. 2
Woher kommt der Begriff Wallach?
Wie so viele Wörter hat „Wallach“ eine lange Historie, und wirklich geklärt ist auch nicht, woher der Begriff genau stammt. Vielleicht erkennen Sie aus dem Wort bereits eine regionale Anspielung. Laut dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) ist es möglich, dass es aus dem Gebiet der Walachei stammt.
Dort hatten wohl einige Hirten eine besondere Kastriermethode. Spätestens seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bedeutet das Wort im Neuhochdeutschen „verschnittener Hengst“, manchmal mit dem Zusatz „aus der Walachei“.3
Davor wird die Wortbedeutung etwas ungenauer und führt uns in slawische Sprachgebiete. Sie könnte sich vom Mittelrussischen „voloch“, vom Polnischen „wałach“ oder vom Tschechisch/Slowakischen „valach“ ableiten. Literarisch wird der Begriff seit dem 17. Jahrhundert für alle Kastraten verwendet.
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Was ist ein Klopphengst?
Von außen Wallach – von innen ein Hengst, was steckt dahinter? Dieses Phänomen kommt häufiger vor: Nach der Geburt müssen die Hoden nämlich erst in den Hodensack abwandern – normalerweise kann man bei Fohlen spätestens bis zum 12. Lebensmonat die Hoden ertasten. Es kann allerdings passieren, dass diese abgewandert sind. Oftmals liegen die Hoden dann nicht da, wo sie sollen, sondern in der Bauchhöhle oder im Leistenspalt. In der Veterinärmedizin nennt man das Kryptorchismus – umgangssprachlich nennt man diese Tiere Klopphengst. 4
Alles eine Frage der Erziehung?
Für Pferdehalter bedeutet die Entscheidung zur Kastration deshalb weit mehr als eine Routineoperation. Sie ist eine Abwägung zwischen Natürlichkeit und Alltagstauglichkeit, zwischen Charakterstärke und Handhabbarkeit. Und sie zeigt, wie eng Medizin, Ethik und Mensch-Tier-Beziehung miteinander verwoben sind.