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Eigenes Pferd oder lieber Reitbeteiligung? Die Kosten, Vor- und Nachteile

Ein Pferd legt die Nüstern vertrauensvoll in die Hand der Halterin
Auf Pferdebesitzer können enorme Kosten zukommen. Die Reitbeteiligung kann die ideale Alternative sein.Foto: Getty Images

Ein eigenes Pferd. Diesen Traum leben zu können, wünschen sich viele Wiedereinsteiger und Anfänger. Geld, Zeit und Wissen – die Entscheidung hängt von wichtigen Faktoren ab. Eine Reitbeteiligung kann bei den Überlegungen ein wichtiger Schlüssel sein. 

Es ist ein schöner Gedanke, auf die Suche nach dem persönlichen Traumpferd zu gehen. Auf Portalen wie „eHorses“ oder „ebay Kleinanzeigen“ gibt es Dutzende Angebote von Händlern und Privatverkäufern. Doch ein eigenes Pferd kann eine Herausforderung sein – sowohl in puncto Kosten als auch Haltung. Eine Reitbeteiligung kann daher eine Alternative zum Kauf sein. PETBOOK erklärt, was Interessierte wissen sollten.

Wie viel kostet der Kauf eines eigenen Pferdes?

Die Preise liegen durchschnittlich zwischen 1000 und 30.000 Euro. Je nach Abstammung und Ausbildungsgrad des Pferdes sind auf der Preisspanne nach oben meist keine Grenzen gesetzt.

Oftmals sind es junge Tiere, die zwar eine gute Abstammung haben, aber dennoch verhältnismäßig günstig angeboten werden. Auch kranke, ältere oder schwierige Pferde sind für wenig Geld zu haben, weil ihr Besitzer sie einfach loswerden möchte. Bedenken sollte man aber: Was zunächst preisgünstig erscheint, wird im Nachhinein ziemlich teuer – und die Anschaffungskosten machen den geringsten Teil der Pferdehaltung aus.

Um etwa aus dem Jungpferd ein Reitpferd zu machen, wird es ab drei oder vier Jahren bei Profis in Beritt gegeben. Für mindestens ein halbes Jahr fallen dort zusätzliche Kosten für Boxenmiete und Ausbildung an. Aber auch danach ist noch jede Menge Training und Erziehung erforderlich, um aus dem Jungspund ein zuverlässiges Reitpferd zu machen.

„Verlasspferde“ für weniger erfahrene Reiter

Je schwächer der Reiter, desto sicherer sollte das Pferd sein, lautet eine einfache Faustregel. In Anzeigen werden solche Pferde häufig als „Verlasspferde“ bezeichnet. Sie sind geländesicher und verzeihen auch mal reiterliche Fehler. Einen solchen Alltagsbegleiter bekommt man für ungefähr 6000 und 13.000 Euro. Vom Alter her liegen sie zwischen zehn und 18 Jahren. Besonders von älteren Tieren kann man viel lernen. Allerdings ist zu bedenken, dass bei den Senioren ab 20 meist auch die Krankheiten anfangen und es dann richtig teuer wird.

Was sollte man beim Kauf des Pferdes beachten?

Wichtig vor dem Kauf ist die sogenannte Ankaufsuntersuchung (AKU), um Krankheiten ausschließen zu können. Außerdem sollte das Pferd nicht direkt beim ersten Besuch gekauft werden und auch nur in Begleitung eines erfahrenen Pferdemenschen. Es ist sinnvoll, sich anzuschauen, wie der aktuelle Besitzer das Pferd reitet und sich die Möglichkeit auszuhandeln, das Pferd einige Male besuchen und reiten zu dürfen. Nur so bekommt man eine Vorstellung davon, ob Pferd und Reiter tatsächlich zusammenpassen.

Was kostet ein Pferd im Monat?

Kosten für den Stall

Die Preise für einen Stall variieren zwischen 350 Euro pro Monat für einen Selbstversorger-Stall ohne Reithalle oder Ähnliches. Bis zu 1000 Euro kommen auf einen Pferdebesitzer für eine Box in einem Stall mit Reithalle, Paddock, Führanlage & Co. zu. Noch dazu ist es in der Stadt ist es in der Regel teurer als auf dem Land.

Wichtig vorab zu klären ist, welche Leistungen in der Stallmiete inkludiert sind. Heu sollte immer verfügbar sein, denn bei zu langen Heupausen können Pferde krank werden. Eine Fütterung von zweimal täglich ist zu wenig. Außerdem sollte das Pferd genügend Auslauf haben, täglicher Weidegang ist ideal.

Für den Reiter ist zudem wichtig, ob ausreichend Trainer (Dressur, Springen, Gelände) vorhanden sind.

Natürlich müssen sich Pferd und Reiter auch in dem jeweiligen Stall wohlfühlen können. Schließlich verbringt man dort viel Zeit. Fahrtzeit, Fahrtkosten und Stallgemeinschaft spielen hierbei eine große Rolle.

Kosten für die Ausstattung von Pferd und Reiter

Natürlich ist auch eine geeignete Grundausstattung wichtig. Der eigens für das Pferd angepasste Sattel kann gut und gerne bei 5000 Euro liegen. Satteldecken, Sattelgurt, Trense, Halfter, Stick, Abschwitzdecke, Stallapotheke, Putzzeug, Longe etc. gehören ebenfalls zum Programm. Und schließlich noch die eigene Ausrüstung, bestehend aus Helm, Reithose, eventuell Sicherheitsweste und Handschuhe. Die Kosten für eine solche Erstausstattung liegen, ohne Sattel, bei ca. 2000 Euro.

Kosten für Versicherungen und im Krankheitsfall

Auch Versicherungen sind bei einem Pferd notwendig, etwa eine Haftpflichtversicherung (ca. 7 Euro im Monat) und am besten auch eine OP-Versicherung (zwischen ca. 7 und 39 Euro). Muss das Pferd mal wegen einer Kolik in die Pferdeklinik, sind ansonsten schnell mal ein paar Tausend Euro weg.

Zwar gibt es auch Krankenversicherungen für Pferde, die einen Komplettschutz bieten, diese schlagen jedoch mit ungefähr 500 Euro monatlich zu Buche. Daher sind sie eher unattraktiv. Die bessere Lösung: sich monatlich mindestens 300 Euro zur Seite zu legen. Zumal auch Impfungen, Wurmkuren, Hufschmied und Physiotherapie anfallen. Auch die Zähne müssen einmal im Jahr überprüft und geraspelt werden.

Sonstige Kosten

Auch regelmäßige Fortbildungen und Trainings sind hilfreich, um für eventuelle Probleme die richtigen Lösungen parat zu haben. Denn zeigt sich ein Pferd „unwillig“, die Hilfen des Menschen zu befolgen, liegt es meist nicht an seiner Sturheit, sondern daran, dass es die Übung nicht verstanden hat und/oder Schmerzen die Ursache sind. Besonders aus letzterem Grund empfiehlt es sich, mindestens halbjährlich einen Physiotherapeuten zum Stall zu bestellen, damit der Bewegungsapparat durchgecheckt wird.

Jede Untersuchung, jedes (pferdegerechte) Training dient immer auch der eigenen Sicherheit beim Reiten und beim generellen Umgang mit dem Tier.

Auch interessant: Welche Grundausstattung braucht mein Kind für den Reitunterricht?

Kosten für ein Pferd im schnellen Überblick

  • Stallmiete: Monatlich zwischen 350 und 1000 Euro je nach Region, Ausstattung und Qualität des Stalls
  • Futter: Monatlich ungefähr 40 Euro für Kraftfutter. Wenn Heu nicht in der Stallmiete enthalten ist, erhöhen sich die Kosten. Gleiches gilt, wenn Spezialfutter für chronische Erkrankungen wie Arthrose, Husten, Hufrehe oder Cushing benötigt wird.
  • Reitunterricht: 20 bis 30 Euro pro Stunde
  • Osteopath: ca. 200 Euro (ungefähr 2x jährlich)
  • Zahnarzt: ca. 130 Euro (1x jährlich)
  • Hufschmied (ungefähr alle 6 bis 8 Wochen): Ohne Beschlag zirka 50 Euro, mit Hufeisen zwischen 80 und 200 Euro.
  • Impfungen und Wurmkuren: ungefähr 120 Euro im Jahr
  • Haftpflicht: ca. 100 Euro im Jahr
  • Durchschnittliche Kosten pro Monat: 350 bis 1900 Euro

Wie viel Zeit braucht man für ein Pferd?

Genauso wichtig wie das finanzielle Polster sind die zeitlichen Kapazitäten. So ziemlich in jedem Beitrag zu diesem Thema heißt es dazu, man müsse mindestens zwei bis drei Stunden täglich im Stall verbringen. Das lässt sich so pauschal aber gar nicht sagen, sondern hängt in erster Linie von der Haltungsform und den jeweiligen Umständen ab. Ein Pferd, das von morgens bis abends nur in seiner kleinen Box steht, benötigt mehr Auslauf und Beschäftigung als eines, das im Offenstall lebt und den ganzen Tag in Interaktion mit seiner Herde ist. Wenn Letzteres nur zwei- oder dreimal die Woche aktiv beschäftigt wird, ist das ausreichend.

Besteht aus unterschiedlichen Gründen jedoch nicht die Möglichkeit, dass das Pferd viel draußen sein kann, steigt der Zeitfaktor, der in das Tier zu investieren ist. Und zwar so weit, dass jeden Tag eine Beschäftigung von mehreren Stunden erforderlich ist. Sieben Tage die Woche, 365 im Jahr. Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein eigenes Pferd zu kaufen, sollte sich dessen bewusst sein – und auch überlegen: Passt das zu meiner Lebensplanung? Kann ich meinen Freundeskreis dann noch treffen?

Die Reitbeteiligung als Alternative zum Pferdekauf

Um ein Gespür dafür zu bekommen, was es heißt, ein Pferd zu haben, ist der beste Weg die Reitbeteiligung. Viele Pferdebesitzer suchen auf Portalen wie ebay Kleinanzeigen oder Quoka für zwei- bis dreimal pro Woche Unterstützung, um nicht täglich zum Stall zu müssen. Einen Aushang mit seinem Gesuch im örtlichen Reitverein zu machen, ist auch eine gute Option.

Wie viel kostet die Reitbeteiligung?

Die Reitbeteiligung liegt monatlich meist zwischen 30 und 100 Euro. Pflegebeteiligungen für Pferde, die aus unterschiedlichen Gründen nicht geritten werden können, sind oftmals kostenlos.

Welche Pflichten gibt es bei einer Reitbeteiligung?

An den Tagen, die der Reit- oder Pflegebeteiligung zur Verfügung stehen, darf meistens selbst entschieden werden, wie das Pferd beschäftigt wird. Dann ist es wie mit einem eigenen Pferd.

In einigen Fällen ist die gemeinsame Zeit aber auch an Reitunterricht gekoppelt. Das ist abhängig von den Vorstellungen des Besitzers sowie vom eigenen Können. Ein gut ausgebildetes Privatpferd zu reiten, ins Gelände zu gehen oder vielleicht sogar an Turnieren teilnehmen zu können, ist ein großer Vorteil. Auch Trainingsstunden bei einem Reitlehrer bekommen eine neue Qualität, wenn mit dem gleichen Pferd gearbeitet wird statt mit unterschiedlichen Schulpferden im Wechsel.

Die Nachteile einer Reitbeteiligung

Wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten. Denn wer ein Pflegepferd hat, trägt auch Verantwortung. Er muss zuverlässig an den vereinbarten Tagen vor Ort sein. Auch in Zeiten, in denen das Pferd krank ist und nicht geritten werden kann, muss es betreut werden.

Möglicherweise gehört generell das Misten der Box und andere Stallarbeiten zur Reitbeteiligung dazu. Das nimmt dann ebenfalls Zeit in Anspruch, die dann möglicherweise bei der gemeinsamen Zeit mit dem Pferd fehlt.

Natürlich schreibt der Besitzer vieles vor und man ist auch nicht immer mit ihm einer Meinung. Sind die Vorstellungen allzu unterschiedlich, ist es besser, seine Reitbeteiligung an den Nagel zu hängen und sich ein anderes, passenderes Pferd-Mensch-Team zu suchen. Schließlich handelt es sich um eine Freizeitbeschäftigung, die Spaß machen und nicht geprägt sein sollte von Konflikten mit dem Pferdebesitzer. Natürlich besteht auch umgekehrt die Gefahr, als Reitbeteiligung ausgetauscht zu werden.

Bei einer Reitbeteiligung kann ein Vertrag sinnvoll sein

Die Entscheidungshoheit liegt nun mal beim Besitzer. Genau dieses Wissen führt leider bei einigen Pferdebesitzern zu Überheblichkeit, weshalb der Begriff „Reitbeteiligung“ teilweise negativ besetzt ist. Aber auch Reitbeteiligungen, die lange Zeit nur auf Schulpferden geritten sind, überschätzen häufig ihr Können.

Letzten Endes sind beide Seiten aufeinander angewiesen. Hilfreich wäre es, den Begriff „Beteiligung“ in den Fokus zu stellen und einen Vertrag miteinander zu schließen, in dem u. a. die Rechte geregelt sind. Außerdem kann so sichergestellt werden, dass eine Haftpflichtversicherung besteht, die im Schadensfall auch die Reitbeteiligung abdeckt. 

Die Vor- und Nachteile der Reitbeteiligung im Überblick

Die Vorteile für Reiter

  • Ein Privatpferd zum Reiten (im Normalfall besser ausgebildet als ein Schulpferd)
  • Möglichkeit der Fortbildung (ggf. Abzeichen, Turniere, Fortbildungen)
  • individuell und selbstbestimmt mit einem Pferd arbeiten
  • Möglichkeit, öfter als 1x pro Woche mit dem Pferd zu arbeiten
  • Möglichkeit auszureiten

Die Nachteile für Reiter

  • Besitzer schreibt vieles vor
  • viel Arbeit, wenig Rechte
  • Man muss sich auch kümmern, wenn das Pferd krank ist und man nicht reiten kann

Die Vorteile für Pferdebesitzer

  • Urlaubsvertretung
  • nicht täglich zum Stall müssen
  • Krankheitsvertretung
  • finanzieller Obolus (deckt allerdings keine laufenden Kosten)

Die Nachteile für Pferdebesitzer

  • Pferd wird meist schlecht geritten und muss wieder Korrektur geritten werden
  • Sattelzubehör sehr teuer; geht die andere Person pfleglich damit um?
  • Zuverlässigkeit: Teilweise wird spontan abgesagt
  • Man investiert 1 bis 2 Monate in die Reitbeteiligung, bis es gut funktioniert.

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Fazit: Eine Reitbeteiligung hilft bei der Entscheidungsfindung

Eine Reitbeteiligung hilft dabei, Klarheit über die eigenen Bedürfnisse zu bekommen. Wer sich intensiv über einen längeren Zeitraum mit seinem Pflegepferd beschäftigt, lernt das eigene Können und Wissen immer besser einzuschätzen. Das macht die Entscheidung leichter, ob und wann es Zeit für ein eigenes Pferd ist.

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