Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Aus Motorraum gerettet

Menschen nennen diese Katze „hässliches Vieh“ – dabei hat Labubu Tausende Fans

Ein Nutzer nannte sie ‚hässlich‘ – für Tausende Menschen ist Katze Labubu längst etwas ganz Besonderes
Ein Nutzer nannte sie ‚hässlich‘ – für Tausende Menschen ist Katze Labubu längst etwas ganz Besonderes Foto: Kitten Safe House e.V.
Artikel teilen
Porträt Emily Reimann
PETBOOK-Redaktion

18. Juni 2026, 16:43 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Sie ist klein, schief, ein bisschen sonderbar – und genau deshalb haben sich Tausende Menschen in sie verliebt. Die Geschichte von Labubu beginnt mit einer Rettung in letzter Minute und führt bis zu einem viralen Moment, der weit mehr erzählt als nur die Geschichte einer Katze.

Vom Spott zur Internet-Berühmtheit

Ein beleidigender Kommentar, eine humorvolle Antwort und plötzlich Tausende neue Follower: Die Katze Labubu und der Tierschutzverein Kitten Safe House sorgten in den vergangenen Wochen für Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken. Auslöser war ein Nutzer, der die Katze als „hässliches Vieh“ bezeichnete. Statt mit Empörung reagierte das Team des Vereins mit Witz – und traf damit einen Nerv.

PETBOOK hat mit Nadine Bartel, der ersten Vorsitzenden des Kitten Safe House e.V., über Labubus Geschichte, Hasskommentare im Netz und den Alltag im Tierschutz gesprochen. Und weil das Team des Vereins in den sozialen Netzwerken regelmäßig augenzwinkernd aus der Perspektive von Labubu schreibt, kommt auch die kleine Katze in diesem Interview immer wieder selbst zu Wort.

Instagram Platzhalter
An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

„Null Sterne auf Booking.cat“

Wie Bartel berichtet, erreichte das Kitten Safe House im September 2025 ein Hilferuf. In einem am Straßenrand geparkten Auto sollten sich Kitten verstecken. Vor Ort entdeckte das Team fünf wenige Wochen alte Katzenbabys: Zwei saßen im Reifen, drei weitere hatten es sich im warmen Motorraum gemütlich gemacht. Direkt daneben streifte ein großer Hund umher, der die Tiere wohl eher als potenzielle Beute betrachtete.

LABUBU: „Ich möchte anmerken, dass das ein sehr schlechter Ort zum Wohnen ist. Null Sterne auf Booking.cat.“

Wäre das Auto gestartet worden, hätten die Kitten laut Bartel kaum eine Überlebenschance gehabt. Deshalb nutze der Verein jede Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, wie wichtig es sei, vor Fahrtantritt auf die Motorhaube zu klopfen.

Während sich ihre Geschwister normal entwickelten, sei Labubu immer etwas anders geblieben. Die Katze wuchs deutlich langsamer, hat einen Überbiss und auffallend große Augen. Im Verein werde deshalb gerne gescherzt: Sie sehe aus, als hätte jemand nachts um vier im Halbschlaf ein Kitten bei „Temu bestellt“ und am nächsten Morgen etwas geliefert bekommen, das grob den Bauplan einer Katze kannte.

LABUBU: „Verleumdung. Ich bin Premiumware.“

So entstand auch ihr Spitzname „Labubu von Temu“. Heute ist die Katze zehn Monate alt, aber noch immer nicht größer als ein etwa vier Monate altes Kitten. Gerade ihr ungewöhnliches Aussehen habe sie zu einem Liebling der Community gemacht, erzählt Bartel.

Auf die Frage, ob das Kitten Safe House von Anfang an mit so viel Aufmerksamkeit für Labubu gerechnet habe, antwortet Bartel kurz und knapp: „Überhaupt nicht.“ Ursprünglich sei die Katze nur eine von vielen tierischen Persönlichkeiten gewesen, die gelegentlich aus dem Alltag des Tierschutzvereins berichten durfte. Dass ausgerechnet sie einmal zur Internet-Berühmtheit werden würde, habe niemand erwartet.

„Leider erleben wir solche Kommentare regelmäßig“

Überrascht habe der Kommentar „hässliches Vieh“ das Team des Kitten Safe House nicht. „Leider erleben wir solche Kommentare regelmäßig“, sagt Bartel.

LABUBU: „Ich sehe auch jeden Tag Menschen. Manches behält man besser für sich.“

Besonders betroffen seien Tiere, die nicht dem klassischen Schönheitsideal entsprechen. Blinde Katzen, amputierte Tiere oder Katzen mit Verletzungen, Narben und Fehlbildungen würden häufig Kommentare erhalten, in denen ihr Aussehen bewertet werde. Mitunter werde sogar gefordert, solche Tiere einzuschläfern, weil ihnen angeblich Lebensqualität fehle.

Als Beispiel nennt Bartel Kater Frankie. Er wurde an Heiligabend schwer verletzt gefunden, sein Kiefer war durch einen Unfall zertrümmert. Zwar konnte er in einer Notoperation gerettet werden, die Folgen seien jedoch bis heute sichtbar.

Katze Labubu im September 2025 – dort wurde sie von dem Tierschutzverein Kitten Safe House e.V. gefunden
Katze Labubu im September 2025 – dort wurde sie von dem Tierschutzverein Kitten Safe House e.V. gefunden Foto: Kitten Safe House e.V.

Weil Frankie etwas ungewöhnlich aussehe und laufe, habe der Verein mehrfach den Vorwurf erhalten, die Katze sei mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt worden, um Spenden zu sammeln. Die Antwort des Teams fiel entsprechend humorvoll aus: Seitdem höre Frankie intern auf den Namen „Fran-KI-e“ und führe angeblich ein geheimes Doppelleben als Saugroboter mit Flokati-Überwurf. „Was soll man auf solche absurden Vorwürfe sonst antworten außer mit Humor?“, sagt Bartel.

Warum Humor manchmal die beste Antwort ist

Die Entscheidung, auf den Kommentar mit Humor statt mit Empörung zu reagieren, hat für Bartel einen einfachen Grund. Wer im Tierschutz arbeite, erlebe regelmäßig Dinge, die man nie wieder vergesse.

Zum Alltag gehörten schwer verletzte Tiere, Katzen, denen nicht mehr geholfen werden könne, Kastrationsaktionen sowie Fälle von Tierquälerei und Vernachlässigung. Aktuell sei das Kitten Safe House zudem an der Rettung von Katzen aus einer schweren Messi-Haltung beteiligt.

Die Katze Labubu steht im Mittelpunkt einer Geschichte über Vorurteile, Tierliebe und die Kraft des Humors
Die Katze Labubu steht im Mittelpunkt einer Geschichte über Vorurteile, Tierliebe und die Kraft des Humors Foto: Kitten Safe House e.V.

Viele dieser Erlebnisse nehme man mit nach Hause, erzählt Bartel. Die Gefahr eines Burnouts sei im Tierschutz besonders hoch. Humor sei deshalb kein Wegschauen, sondern vielmehr ein Ventil, um mit den Belastungen umgehen zu können.

Beleidigende Kommentare finde der Verein zwar unnötig. Gleichzeitig glaube man aber nicht, dass Empörung jede Situation besser mache. Im Fall von Labubu sei es deutlich charmanter gewesen, mit einem Augenzwinkern zu reagieren.

„Viele Menschen haben sich in Labubu verliebt“

Die Reaktionen auf den Beitrag seien überwiegend positiv gewesen, erzählt Bartel. Viele Menschen hätten sich in Labubu verliebt.

LABUBU: „Ich möchte nicht angeben. Aber ich möchte auch nicht lügen.“

Zahlreiche Nutzer hätten der Katze liebe Nachrichten geschickt und dem Verein von ihren eigenen Erfahrungen mit besonderen oder gehandicapten Tieren berichtet. Gleichzeitig habe die virale Aufmerksamkeit auch eine weniger schöne Seite gehabt. So habe es einige sehr aggressive Reaktionen gegenüber dem Verfasser des ursprünglichen Kommentars gegeben. Manche Nutzer hätten sogar dessen Klarnamen erfahren wollen, um die Angelegenheit selbst zu regeln. Der Verein habe entsprechende Kommentare gelöscht.

Zudem stellt Bartel klar, dass „Uwe“ natürlich nicht wirklich Uwe heiße. Unabhängig vom ursprünglichen Kommentar gelte für das Team ein klarer Grundsatz: Gewalt sei keine Lösung, weder gegen Tiere noch gegen Menschen. Jemanden wegen einer unfreundlichen Äußerung zu bedrohen, sei nicht besser als der ursprüngliche Kommentar selbst.

Tausende neue Follower

Die Auswirkungen des viralen Beitrags auf die Tierschutzarbeit seien vor allem positiv gewesen, berichtet Bartel. Innerhalb kurzer Zeit habe das Kitten Safe House mehrere Tausend neue Follower gewonnen. Für einen Tierschutzverein bedeute das vor allem mehr Reichweite für Notfälle, mehr Aufmerksamkeit für Vermittlungen, mehr geteilte Beiträge und letztlich bessere Chancen für die Tiere.

LABUBU: „Und mehr Menschen, die mir und meinen Freunden Snacks schicken.“

Aufmerksamkeit allein ersetze zwar keine nachhaltige Unterstützung, erklärt Bartel. Sie helfe jedoch dabei, Menschen überhaupt erst auf die Arbeit des Vereins aufmerksam zu machen. Viele der neuen Follower seien geblieben und würden inzwischen die tägliche Tierschutzarbeit und aktuelle Notfälle verfolgen.

Als ehrenamtlicher Verein, der sich ausschließlich über Spenden finanziere, sei das Kitten Safe House auf diese Unterstützung angewiesen. Bartel bedankt sich deshalb ausdrücklich bei den Followern und der „Kitten Safe House Familie“.

Mehr zum Thema

Mehr Fokus auf das Tierwohl

Für soziale Netzwerke wünsche sich das Team vor allem einen stärkeren Fokus auf das Tierwohl, sagt Bartel. Tiere würden dort häufig als Content betrachtet. Gleichzeitig gebe es Influencer, die gezielt Würfe produzierten, weil Katzenbabys Klicks brächten. Auch auf Verkaufsplattformen und in sozialen Netzwerken fänden sich zahlreiche Vermehrer, deren Beiträge überwiegend positive Reaktionen erhielten.

Dabei werde oft nicht hinterfragt, welche Folgen unkontrollierte Vermehrung für den Tierschutz habe. Bartel würde sich wünschen, dass Menschen nicht nur „Wie süß!“ schreiben, sondern auch darüber nachdenken, ob ein gezeigtes Verhalten tatsächlich verantwortungsvoll sei.

Klein, schief und unverwechselbar: Labubu zeigt, dass man nicht perfekt sein muss, um geliebt zu werden
Klein, schief und unverwechselbar: Labubu zeigt, dass man nicht perfekt sein muss, um geliebt zu werden Foto: Kitten Safe House e.V.

LABUBU: „Ich persönlich finde ja, dass nicht jedes Wesen mit funktionierenden Geschlechtsorganen automatisch einen Familienblog gründen sollte.“

„Man muss nicht perfekt aussehen, um geliebt zu werden“

Viele Menschen würden ein ungewöhnliches Aussehen automatisch mit einem schlechten Leben gleichsetzen, sagt Bartel. Dabei machten sich Katzen erstaunlich wenig Gedanken darüber, ob sie einem Schönheitsideal entsprächen.

LABUBU: „Ich mache mir hauptsächlich Gedanken darüber, wo Hühnchen herkommen und warum sie nie direkt neben mir auftauchen.“

Ein Tier sei nicht automatisch unglücklich, nur weil es anders aussehe, betont Bartel. Labubu sei dafür das beste Beispiel. Die Katze sei klein, schief und etwas sonderbar, gleichzeitig aber fröhlich, verspielt, neugierig und genieße ihr Leben in vollen Zügen.

Vielleicht liege darin auch die eigentliche Botschaft der ganzen Geschichte, meint Bartel: „Man muss nicht perfekt aussehen, um geliebt zu werden.“ Und man müsse nicht jeden Gedanken kommentieren, der einem durch den Kopf gehe. Sonst bestehe die Gefahr, dass daraus am Ende ein viraler Beitrag werde.

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.