24. Februar 2026, 6:11 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ein zu schwacher Schließmuskel soll Kühe im Wasser untergehen lassen? Genau das behauptete einst eine vielzitierte Geschichte – und sorgte für reichlich Gesprächsstoff. Aber können Kühe wirklich nicht schwimmen? PETBOOK geht der Sache auf die Spur und kommt zu einer überraschenden Antwort.
Können Kühe schwimmen?
Die Antwort ist klar: Ja, Kühe können schwimmen. Kühe sind sogar fast schon talentierte Schwimmer – für Olympia würde es zwar nicht reichen, aber wenn es einen Fluss oder einen See in der Nähe gibt, ist es gerade für Kühe im Sommer eine beliebte Gelegenheit, sich abzukühlen.
Kühe gehen allerdings nicht zum Spaß schwimmen: Besonders bei hohen Temperaturen suchen Kühe aktiv nach solchen kühlenden Möglichkeiten. Über die gut durchbluteten Klauen können sie im Wasser überschüssige Körperwärme abgeben. Gleichzeitig verschaffen ihnen kurze Ausflüge zum See oder Fluss etwas Abstand von lästigen Fliegen. Trotzdem ist Schwimmen keine Notwendigkeit für ihr Wohlbefinden, sondern eine von mehreren Strategien, mit Hitze umzugehen – neben Schatten und Wind.1
Woher kommt das Gerücht, Kühe könnten nicht schwimmen?
Hinter dem Mythos steckt eine Geschichte, die nicht nur eine Diskussion entfachte, die es sogar in Fernsehsendungen schaffte, sondern auch dazu führte, dass vielerlei private Gespräche sich um den After von Kühen drehten. Unter dem Titel „Deutsche Kühe gehen unter“ veröffentlichte die „taz“ am 11.06.2001 einen Artikel über eine Studie der Humboldt-Universität, die weitreichendere Schlagzeilen machen sollte. Der Projektleiter erklärte gegenüber der „taz“, dass „der Schließmuskel der Kühe sei derartig schwach, dass die Tiere, sobald sie ins Wasser trabten, von hinten mit Wasser vollliefen und deshalb untergingen“.2
Auch wenn man sich damals vermutlich schnell Sorgen um die Kühe in Deutschland gemacht hat, stellt der aufmerksame Leser doch schnell fest, dass hier ein kleines Detail die Wendung in diesem Fall bringt. Der Artikel wurde in der Zeitschrift in der Kategorie „Die Wahrheit“ veröffentlicht. Aber eher gegenteiliges ist der Fall: Diese Kategorie ist die Satire- und Humorrubrik der Zeitung. Trotzdem verwirrt, überrascht und fasziniert diese Frage bis heute noch Jung und Alt. 3
Wie Kühe schwimmen
Die gute Nachricht zuerst: Um die Schließmuskeln deutscher Kühe muss sich niemand sorgen. Anatomisch gibt es nämlich keinen Grund zur Panik – im Gegenteil. Wie andere Säugetiere auch bringen Kühe alles mit, was es zum Schwimmen benötigt. Gerät eine Kuh ins Wasser, beginnt sie instinktiv mit ruhigen, paddelnden Bewegungen ihrer Beine. Schwimmunterricht mit Seepferdchen-Prüfung braucht sie daher nicht. Wie die meisten Säugetiere verfügen Kühe zudem über ausreichend Lungenvolumen, das ihnen zusätzlich natürlichen Auftrieb verleiht. 4
Wenn eine Kuh schwimmen kann, kann sie dann auch tauchen? Frei nach dem Motto „Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss“ können Kühe im Ernstfall auch mal kurz untertauchen. Langstreckentaucher sind sie allerdings trotzdem nicht.
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8 „kuhle“ Fakten über Kühe
Kilometerweit durchs Wasser: Kühe trotzen Hurrikan
Als Hurrikan „Dorian“ im September 2019 die Küste von North Carolina traf, riss eine bis zu 2,5 Meter hohe Sturmflut zahlreiche Tiere ins Meer – viele überlebten nicht. Doch drei Kühe schrieben eine erstaunliche Überlebensgeschichte. Rund einen Monat später entdeckten Ranger eine Kuh auf der vorgelagerten Insel North Core Banks – ruhig grasend. Kurz darauf wurden zwei weitere Tiere gesichtet.
Um dorthin zu gelangen, mussten die Kühe schätzungsweise sechs bis sieben Kilometer durch offenes Wasser zurückgelegt haben. Vermutlich trieb die Sturmflut sie hinaus, anschließend kämpften sie sich schwimmend in Richtung der Inseln. Wären sie weiter aufs offene Meer geraten, hätte ihre Geschichte wohl anders geendet.5,6
Nicht nur Muh, sondern auch Ahoi
Ob „Kühe schubsen“ oder schwache Schließmuskeln – rund um Kühe halten sich viele hartnäckige Mythen. Dabei zeigt sich: Kühe können sehr wohl schwimmen, und das sogar erstaunlich ausdauernd. Und sie sind damit nicht allein: Auch Pferde sind gute Schwimmer und überqueren bei Bedarf problemlos Flüsse oder Seen. Der Mythos vom untergehenden Weidetier gehört also endgültig ins Reich der Mythen.