1. Oktober 2026, 6:01 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Weißbauchigel sind mit ihren kleinen Knopfaugen, den winzigen Pfötchen und dem weich behaarten Bauch besonders niedliche Tiere. Das verleitet viele Menschen dazu, die kleinen Igel aus Afrika als Haustiere halten zu wollen. Doch darf man das überhaupt? PETBOOK erklärt, warum das keine gute Idee ist.
Übersicht
Was macht Weißbauchigel so besonders?
Der afrikanische Weißbauchigel (lateinisch: Atelerix albiventris) ist eine eher kleine Igel-Art und kommt in afrikanischen Savannen südlich der Sahelzone vom Senegal bis nach Kenia vor. Er wiegt in der Regel zwischen 250 und höchstens 600 Gramm und wird rund 20 Zentimeter groß. Die Männchen sind meist etwas leichter und kleiner als weibliche Tiere. Seine Lebenserwartung liegt im Schnitt zwischen drei und sieben Jahren.1
Der aus heimischen Gärten bekannte Braunbrustigel wird im Gegensatz zum kleinen Weißbauchigel rund 32 Zentimeter groß und kann bis zu 700 Gramm wiegen, vor dem Winterschlaf auch mehr. Wenn er nicht überfahren wird oder Feinden zum Opfer fällt, kann er bis zu sieben Jahre alt werden.
Achtung: Braunbrustigel dürfen nach dem Bundesnaturschutzgesetz keinesfalls als Haustiere gehalten werden!2
Weißbauchigel gelten als nicht vom Aussterben bedroht und unterliegen auch keinen Beschränkungen durch das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES. Daher fallen sie leider, anders als die meisten anderen Igelarten, nicht unter den Artenschutz. Eine Gesetzeslücke, die für den Versuch ausgenutzt wird, Weißbauchigel als Haustiere zu etablieren. Währenddessen werden immer mehr Forderungen nach einheitlichen Regelungen für den Artenschutz der Tiere immer lauter.3
Wie hält man einen Weißbauchigel?
Die einzig tierliebe Antwort muss lauten: Am besten gar nicht. Weißbauchigel sind sehr anspruchsvoll und nicht für Anfänger oder gar Kinder geeignet, da sie nachtaktiv sind und von Menschen meist nichts wissen wollen. Daher raten Tierschutzorganisationen und Igel-Experten generell von der Haltung ab. Die Heimat dieser Tiere ist die afrikanische Savanne, kein Wohnzimmer.4
Allein der Platzbedarf – ein Igel benötigt ein Gehege mit mindestens zwei Quadratmetern Grundfläche plus regelmäßigem Auslauf – kann in Gefangenschaft kaum gewährleistet werden. Wie die in Europa heimischen Igelarten legen Weißbauchigel auf ihren nächtlichen Wanderungen ebenfalls mehrere Kilometer zurück. Dies kann in keinem privaten Haushalt geboten werden.
Daher sind Gitterkäfige, wie sie für Hamster und andere Nager im Handel angeboten werden, völlig ungeeignet. Unter anderem könnten die Tiere am Gitter hängenbleiben und sich verletzen und außerdem sind sie meist zu klein.
Igel-Gehege müssen mit spezieller Einstreu ausgestattet sein, wobei Sägespäne oder Heu jedoch gefährlich für die Tiere sein können. Jeder Weißbauchigel braucht auch sein eigenes Haus, um darin zu schlafen, da sie außerhalb der Paarungszeit einzelgängerische Tiere sind. Man sollte auf keinen Fall zwei männliche Weißbauchigel zusammenführen, da diese leicht in Revierkämpfe verfallen könnten.
Wie lebt ein Weißbauchigel?
Wie ihre europäischen Verwandten sind auch Weißbauchigel nachtaktiv. Tagsüber ziehen sie sich in Höhlen, Laubhaufen und ähnliche Verstecke zurück. Die Tiere mögen es mild, die Tagestemperaturen sollten um 23 Grad Celsius liegen. Da Weißbauchigel kälteempfindlich sind, darf es nachts nicht kühler als 18 Grad werden.
Wenn Weißbauchigel in einem Terrarium gehalten werden, benötigen sie meist eine starke Wärmelampe, denn Zugluft oder zu tiefe Temperaturen können für die stacheligen Tiere fatal sein. Andernfalls können Weißbauchigel in eine sogenannte Trockenruhe fallen, die für sie sogar tödlich ausgehen kann.
Die exotischen Stachelträger halten im Gegensatz zu ihrem heimischen Verwandten keinen Winterschlaf, haben aber im Sommer Ruhezeiten, in denen sie weniger aktiv sind und ihren Stoffwechsel herunterfahren. Weißbauchigel sind Einzelgänger und kommen lediglich zur Paarungszeit mit Artgenossen zusammen.
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Ernährung eines Weißbauchigels
Eine artgerechte, abwechslungsreiche Nahrung, wie sie die Tiere in freier Wildbahn finden, ist in Gefangenschaft ebenfalls schwer zu beschaffen. Alle Igel fressen lebende Insekten wie Heimchen, Schnecken und Würmer und verschmähen auch Vogeleier nicht. Spezielles Igel- oder Katzenfutter sind für eine ausgewogene Ernährung nicht ausreichend. Wird ein Weißbauchigel allein mit diesem Futter versorgt, entwickelt er schnell Mangelernährung und stirbt im schlimmsten Fall an Unterernährung. Obst vertragen sie nur in geringen Mengen, sonst bekommen sie Durchfall. Kuhmilch dagegen verträgt kein Igel – die Tiere sind laktoseintolerant.
Eine Erhebung der tierärztlichen Fakultät der LMU München aus dem Jahr 2018 bestätigte, dass die meisten Weißbauchigel hierzulande falsch gehalten werden. In 70 Prozent aller Fälle lebten die bewegungsfreudigen Tiere, die in der Natur weite Strecken zur Nahrungsaufnahme zurücklegen, in zu kleinen Gehegen.
Auch Ernährungsfehler sind sehr häufig, wie Igelexperten berichten. Nicht ohne Grund erreichen die wenigsten Igel in Gefangenschaft kaum ihr Höchstalter von etwa sieben Jahren. Die meisten Weißbauchigel sterben wegen falscher Haltung sehr viel früher. Laut Welttierschutzgesellschaft sind für mehr als 70 Prozent der Erkrankungen bei Weißbauchigeln Haltungsfehler verantwortlich.
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Werden Weißbauchigel gezüchtet?
Meist ja – und darin liegt ein weiteres Problem. Denn mittlerweile leiden immer mehr Tiere infolge von Inzucht an schweren Krankheiten. Eine davon ist das „Wobbly Hedgehog Syndrome“ (WHS), das „Wackel-Igel-Syndrom“. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, das bei betroffenen Tieren zu Lähmungen und daraus resultierenden wackligen Bewegungen führt, die der Krankheit ihren Namen gaben. WHS tötet das Tier innerhalb weniger Monate und ist sehr qualvoll.
Unter anderem, um den Genpool aufzufrischen, werden immer wieder Weißbauchigel in freier Wildbahn gefangen, um sie zur Zucht einsetzen zu können. Viele Tiere überleben den Transport zum Züchter nicht, denn die Bedingungen, unter denen sie transportiert werden, sind alles andere als artgerecht.
Weißbauchigel, die aus Züchtungen stammen, sind ebenfalls sehr empfindliche Tiere und werden auch nie wirklich zahm. Mit viel Geduld kann man den Weißbauchigel an die Gegenwart des Menschen gewöhnen, doch ist und bleibt er ein Wildtier. Weißbauchigel, die bereits beim Züchter keine Anzeichen von Zutraulichkeit zeigen, werden meist gnadenlos aussortiert.
Weißbauchigel als Haustier halten: Fazit
Auch wenn es nicht verboten ist, Weißbauchigel als Haustiere zu halten, sollte man dem Tier zuliebe darauf verzichten. Das kleine Tier leidet in Gefangenschaft und stirbt vermutlich früh. Stattdessen kann man sich bei einem Igelschutzverein engagieren, von denen es deutschlandweit zahlreiche gibt, wenn man den niedlichen Wildtieren etwas Gutes tun möchte. Wer einen Garten hat, kann ihn igelfreundlich gestalten. Das bietet den Tieren den besten Lebensraum. Tipps dazu gibt es im Internet und bei Naturschutzverbänden. Und vielleicht hat man dann auch das Glück, einen Igel dort zu beobachten, wo er hingehört – in der Natur.