22. Dezember 2025, 6:24 Uhr | Lesezeit: 2 Minuten
Jede Redewendung hat einen Ursprung. Aber wie kommt man darauf, Mäuse und Melken in einen Sinnzusammenhang zu bringen? Wer denkt, hinter der Redewendung steckt nur die Andeutung an Friemelarbeit, irrt sich gewaltig.
Woher kommt die Redewendung?
Bei vielen anderen Sprichwörtern oder Redewendungen kann man ziemlich gut ihre Herkunft rekonstruieren. Doch in diesem Fall ist es anders. Einen genauen Zeitstrahl gibt es nicht. Wer angefangen hat, die Redewendungen in seinen Sprachalltag einzubauen, kann also nicht direkt nachvollzogen werden. Zum Glück gibt es einige Vermutungen, die etwas Licht ins Dunkeln bringen. „Mäusemelken“ soll eine Redewendung aus dem Westfälischen sein. Besonders häufig wurde es im 20. Jahrhundert verwendet. Warum man in dieser Zeit vermehrt sagte, hat einen ziemlich skurrilen Grund.
6 tierische Redensarten und was sie bedeuten
8 „kuhle“ Fakten über Kühe
Wieso man keine Maus melken würde
Wenn man „Es ist zum Mäusemelken“ in einen Satz einbaut, dann steht einem die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Denn eine Maus zu melken, ist aus mehreren Gesichtspunkten fast unmöglich. Mäuse produzieren sehr wenig Milch, man müsste schon viel Zeit und Mühe investieren, um eine nennenswerte Menge zu erhalten. Und wer würde sich das und dem Tier antun? Schließlich gibt es einen beachtlichen Größenunterschied, der einem solchen Vorhaben auf die Füße fallen würde.1
Wie ein Ulmer die Mäusemelk-Maschine erfand
Unerwartet bekam die Redewendung Anfang der 1980er-Jahre sogar einen echten Bezug zur Realität: In Ulm entwickelte der Ingenieur Herbert Schmitt zu dieser Zeit tatsächlich eine funktionstüchtige Mäusemelkmaschine – und das ganz ohne Ironie. Hintergrund war ein Forschungsprojekt der Transfusionsmedizin, das sich mit dem in Mäusemilch enthaltenen Laktoferrin beschäftigte, einem Eiweiß, das bei der Abwehr bakterieller Infektionen eine Rolle spielt. Für die Untersuchungen konstruierte Schmitt ein Gerät mit Vakuumpumpe und einer Plattform, auf der vier Mäuse gleichzeitig gemolken werden konnten.
Die Tiere wurden betäubt, mit winzigen Zitzenbechern versehen und gaben pro Durchgang etwa zwei Milliliter Milch ab – ohne dass eine Maus zu Schaden kam. Rund drei Jahre blieb die außergewöhnliche Apparatur im Einsatz, insgesamt entstanden dabei etwa zehn Liter Mäusemilch. Von den fünf gebauten Geräten verblieben zwei an der Universität Ulm, existieren heute jedoch nicht mehr. Was aus den Forschungsergebnissen wurde, kann Schmitt nicht sagen – doch seine ungewöhnliche Erfindung zeigt, dass manche Redewendungen mehr Realität in sich tragen, als man jemals vermuten würde. 2