10. September 2026, 9:17 Uhr |
Lesezeit: 4 Minuten
Wenn es um Fellfarben geht, hat wohl jeder Katzenfan seine Vorlieben. Doch bei einem Merkmal sind sich die meisten einig: Weiße Pfoten sehen einfach besonders niedlich aus. Tatsächlich haben viele Hauskatzen die typischen „Söckchen“ nicht zufällig. Die Antwort darauf reicht weit zurück in die Geschichte der Katze. Als sich die Vorfahren unserer Stubentiger vor rund 11.000 Jahren den ersten menschlichen Siedlungen anschlossen, begann ein Prozess, der nicht nur ihr Leben veränderte, sondern auch ihr Aussehen. Warum weiße Pfoten bei Katzen so häufig vorkommen, hängt daher eng mit ihrer Domestikation zusammen.
In der Natur bilden weiße Pfoten bei Katzen eher die Ausnahme
Die Pfoten der wilden Vorfahren unserer Hauskatzen waren typischerweise grau, braun oder rötlich. Falbkatzen sind einheitlich sandfarben und mehr oder weniger deutlichen Streifen und Punkten. Auch andere Arten wie die Europäische Wildkatze sind unauffällig gelblich-braun bis silbergrau gefärbt – einschließlich ihrer Pfoten. Denn dadurch sind sie in ihrem Lebensraum bestens getarnt und verschmelzen quasi mit ihrer Umgebung. Beste Voraussetzungen also, um auf die Jagd nach Mäusen oder anderen kleinen Tieren zu gehen.
In der Natur kommen Katzen mit weißen Pfoten dennoch immer mal wieder vor. Hier sind sie jedoch eher die Ausnahme, denn die helle Farbe fällt in grün-braunen Wald-, Wiesen- oder Wüstenlandschaften deutlich stärker auf. Wilde Katzen mit hellem Fell laufen eher Gefahr, selbst Opfer eines größeren Raubtiers zu werden.
Professorin nennt Vorliebe des Menschen als möglichen Grund
Warum unsere Hauskatzen trotzdem so oft weiße Pfoten haben, hat Leslie Lyons in einem Beitrag der Wissenschaftswebsite „LiveScience“ analysiert. Sie ist emeritierte Professorin der Missouri-Universität. Ihr Fazit: Die Vorliebe der Menschen hätte dazu geführt, dass sich dieses Merkmal unter den domestizierten Katzen immer mehr verbreiten konnte.
Leslie Lyons vermutet außerdem, dass sich schon vor tausenden von Jahren viele Menschen für Katzen mit weißen Pfoten begeistern konnten. Es ist also denkbar, dass diese eher gehegt, gepflegt und gefüttert wurden. Denn sie waren etwas Besonderes, vielleicht sogar ein Statussymbol – ähnlich wie eine edle Rassekatze heute. Zudem konnten unsere Vorfahren anhand spezieller Merkmale wie weißer Pfoten ihre Katze von anderen Artgenossen besser unterscheiden. Dadurch ließen sich auch gegebenenfalls Besitzansprüche gegenüber Nachbarn einfacher durchsetzen. „Es gab sicher Leute, die gesagt haben: ‚Ich mag dieses Kätzchen, denn es hat weiße Füße. Lasst uns sicherstellen, dass es überlebt“, erläutert Leslie Lyons vom Feline Genetics Laboratory an der tiermedizinischen Fakultät der Wissenschaftswebseite „LiveScience“.
Verraten weiße Pfoten bei Katzen etwas über ihren Charakter?
Womöglich haben sich Katzen mit außergewöhnlichen Fellfarben aber auch einfach besonders gerne dem Menschen angeschlossen. Professorin Leslie Lyons nimmt außerdem an, dass diese Tiere instinktiv wussten, dass sie in der freien Natur aufgrund ihres Aussehens schlechtere Überlebenschancen hatten. Daher waren sie im Zusammenleben mit dem Menschen wahrscheinlich geselliger und verträglicher als andere Tiere.
Zwar gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen der Fellfarbe und dem Charakter einer Katze. Jedoch tauchen weiße Flecken in der Zuchtgeschichte immer dann auf, wenn die umgänglichsten Individuen ausgewählt und gekreuzt werden. Das gilt nicht nur für Katzen, sondern auch für Pferde, Schweine, Kühe und Mäuse. Warum das so ist, ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Quellen
Planetwissen.de, „Katzen“ (aufgerufen am 10.09.2026)
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