4. März 2026, 5:59 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ratte, Büffel, Tiger, Hase – bekommen Sie die zwölf Tiere des chinesischen Tierkreises zusammen? Den meisten fällt erst beim zweiten Nachdenken auf, dass eines fehlt: die Katze. Ausgerechnet sie, weltweite Ikone zwischen Wohnzimmer und Internet, hat es nie in den Zwölf-Jahres-Zyklus geschafft. Dabei standen ihre Chancen angeblich gar nicht schlecht.
Im chinesischen Kalender trägt jedes Jahr den Namen eines Tieres, dem bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden. Rund um das Neujahrsfest ist viel von Drachen, Pferden oder Affen die Rede – doch wie diese Ordnung überhaupt entstand, wissen nur wenige. Und genau dort beginnt die Geschichte einer folgenschweren Entscheidung. Denn dass die Katze heute leer ausgeht, hat nichts mit mangelnder Beliebtheit zu tun – sondern mit Verrat, Ehrgeiz und einem Rennen, das alles veränderte.
Warum die Katze eigentlich dabei sein sollte
Wir begeben uns gedanklich in eine Zeit, die schon lange hinter uns liegt, und tauchen in die Geschichte einer ebenso alten Sage. Die Legende wird von verschiedenen Quellen unterschiedlich erklärt. PETBOOK erzählt eine der populärsten nach.
Die Versammlung oder auch „Das große Rennen“
In der Zeit, in der wir uns befinden, gab es ein großes Problem: Es gab keine Berechnung der Zeit. Um dem entgegenzuwirken, ließ der Jadekaiser (Yù Dì), die höchste Gottheit im Daoismus, eine Versammlung (im Chinesischen „Shengxiao“ genannt) der Tiere ausrufen. Unter diesen wollte er zwölf auswählen, um ihnen ein Jahr zuzordnen. Daraus sollte ein Nummerierungssystem entwickelt werden, das sich wiederholen kann und bei genauer Datierung hilft. 1, 2
Zu der Versammlung waren viele Tiere eingeladen, unter anderem auch die Katze. Diese hatte einen guten Freund, und zwar niemand Geringeren als die Ratte. Am Vorabend der großen Versammlung bat die Katze aus Angst, den Morgen zu verschlafen, die Ratte, sie doch bitte am nächsten Morgen zu wecken. Die Ratte wollte der Bitte aus guter Freundschaft nachkommen. Am nächsten Tag wachte die Ratte in den frühen Morgenstunden auf und wollte nun wie versprochen die Katze wecken. Doch es sollte anders kommen: Noch bevor die Ratte die Katze aufweckte, begann sie zu grübeln. Die Katze ist natürlich schneller als die Ratte und würde so vielleicht eher von dem Jadekaiser ausgewählt werden. Schließlich ging es auch darum, als Erster vor ihm zu stehen. Was also tun? 3
Anstatt die Katze zu wecken, nahm sich die Ratte vor, alleine zu der Versammlung zu gehen. Und nicht nur das: Als sie losziehen wollte, kam der schnelle Ochse vorbei. Die Ratte überlegte nicht lang und sprang auf den Rücken des großen Tieres. Zu ihrem Glück war der Ochse das bislang schnellste Tier und rechnete fest damit, auch als Erster beim Jadekaiser einzutreffen. Doch da hatte er nicht mit der gewieften Ratte gerechnet. Als das Ziel zum Greifen nah war, machte die Ratte einen großen Satz und landete damit als erstes Tier im Ziel.
Als die Katze davon Wind bekam, wurde sie von unglaublicher Wut erfüllt. Laut der Legende ist das der Grund, warum Katzen bis heute Ratten nachjagen.
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Warum der Hahn nach dem Drachen kräht
Diese Sage beinhaltet aber nicht nur die ewige Jagd der Katze nach der Ratte, sondern auch eine Erklärung dafür, warum es keine Drachen mehr gibt und uns am frühen Morgen der Hahn mit all seiner Kraft aus dem Bett kräht.
Als die Katze nämlich am Vorabend mit der Ratte spricht, führen auch der Drache und der Hahn ein Gespräch. Bislang hatte der Drache einen recht blanken Kopf, während der Hahn seinen Kamm zur Schau stellen konnte. Der Drache fand diesen Kamm so bezaubernd, dass er ihn auch für sich haben wollte, und fragte den Hahn, ob er ihn für die Versammlung und das Rennen dorthin ausleihen könnte. Der Hahn bejahte, und so liefen beide als eines der ersten zwölf Tiere ins Ziel.
Daraufhin wollte der Hahn berechtigterweise seinen schönen Kamm zurück. Doch der Drache dachte gar nicht daran und wollte ihn für sich behalten. Und um dem Hahn zu entgehen, tauchte er für immer im Meer unter. Von Zorn geplagt schrie der Hahn ab sofort jeden Morgen mit Leibeskraft nach dem Drachen, um endlich seinen Kamm zurückzubekommen.
Vom Pech verfolgt – aber nicht überall vergessen
Wie bei vielen alten Überlieferungen existieren auch von dieser Sage unterschiedliche Versionen. Mal ist es nicht der Neid der Ratte, sondern schlichte Vergesslichkeit, die die Katze um ihren Platz bringt. In anderen Erzählungen wählt sie den falschen Weg oder überquert den falschen Fluss und kommt schlicht zu spät zur Versammlung. Die Konstante aber bleibt: Die Ratte erreicht ihr Ziel – und die Katze geht leer aus. So wird ihre bis heute andauernde Jagd mythologisch erklärt.
Ganz verschwunden ist sie aus der ostasiatischen Zeitrechnung dennoch nicht: Im vietnamesischen Tierkreis ersetzt die Katze den Hasen und bekommt dort ihren festen Platz im Zwölf-Jahres-Zyklus. Vielleicht ist sie also nicht das vergessene Tier – sondern nur im falschen Kalender gelandet.