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Spürt meine Katze, wenn ich Schmerzen habe?

Gestreifte Katze liegt auf Menschen
Viele Halter sind sich sicher: Ihre Katze fühlt, wenn es ihnen schlecht geht, und sucht dann aktiv die Nähe. Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

29. Juli 2025, 18:12 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Viele Katzenhalter berichten davon, dass ihre Tiere erkennen, wenn es ihnen schlecht geht – körperlich oder emotional. Doch ist da wirklich etwas dran? Spürt die Katze, wenn wir Schmerzen haben, krank sind oder gar dem Tod nahe? Als promovierte Biologin und Expertin für Katzenverhalten geht PETBOOK-Redakteurin Saskia Schneider der Frage auf den Grund und wirft einen Blick auf die erstaunlichen Fähigkeiten unserer Haustiere.

Meine beiden Katzen können mich im Alltag manchmal sehr fordern, doch sobald ich Schmerzen habe, zeigen beide ein völlig anderes Verhalten. Vor allem bei Migräneattacken sucht Katze Nairobi aktiv meine Nähe auf und legt sich zu mir. Das tut sie aber auch, wenn ich traurig bin, oder wenn mich etwas sehr bewegt und ich Stress habe. Sweety hingegen zieht sich zurück oder schmiegt sich manchmal an mich und schnurrt laut. Wie viele andere Katzenhalter bin ich mir daher sicher: Die eigene Katze spürt, wenn wir Schmerzen haben und wenn es uns schlecht geht. Aber was sagt der aktuelle Forschungsstand?

Warum die Sinne unserer Katze so viel sensibler sind

Katzen sind von Natur aus hochspezialisierte Jäger – und ihre Sinnesleistungen spiegeln das wider. Ihr Gehör reicht bis zu Frequenzen von etwa 64.000 Hertz, weit über das menschliche Hörvermögen hinaus. Auch ihr Geruchssinn ist beeindruckend: Mit rund 200 Millionen Geruchszellen (Menschen besitzen lediglich etwa 5 Millionen) und einem zusätzlich ausgeprägten Vomeronasalorgan können sie chemische Signale – sogenannte Pheromone – wahrnehmen, die für uns völlig geruchlos sind.

Doch damit nicht genug: Auch ihr Sehsinn ist auf Bewegung und nächtliche Aktivität optimiert, ihre Vibrissen (Tasthaare) dienen als hochempfindliche Bewegungs- und Raumfühler. All diese Fähigkeiten machen sie nicht nur zu lautlosen Jägern, sondern auch zu überaus aufmerksamen Beobachtern ihrer Umwelt – und der Menschen, mit denen sie leben. 1

Spüren Katzen Schmerzen beim Menschen?

Gezielte Studien, die diese Fragestellung untersucht haben, gibt es leider nicht. Doch es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass Katzen in der Lage sind, Veränderungen im Verhalten, Geruch oder sogar der Körpersprache ihrer Menschen wahrzunehmen, die auf Schmerzen oder Krankheit hindeuten. Studien zeigen, dass Katzen Emotionen wie Wut oder Freude anhand von Gesichtsausdrücken und Stimmklang unterscheiden können – und entsprechend darauf reagieren. 2

Wenn wir Schmerzen haben, verändert sich nicht nur unser Verhalten, sondern auch unsere Stimme, unsere Bewegungen und unser Geruch. Katzen nehmen diese Signale mit ihrer scharfen Wahrnehmung wahr – selbst wenn sie nicht konkret „verstehen“, was uns fehlt, merken sie doch, dass etwas nicht stimmt. 3

Wie Katzen auf Schmerzen beim Menschen reagieren

Die Reaktion von Katzen auf menschliche Schmerzen ist individuell verschieden. Manche Katzen werden anhänglich, legen sich gezielt auf schmerzende Körperstellen, schnurren oder zeigen verstärkte Zuneigung. Andere beobachten aus der Distanz, wirken aber aufmerksamer als sonst. Einige Katzen spiegeln sogar das Verhalten ihres Menschen: Wenn wir still oder bedrückt sind, ziehen auch sie sich zurück.

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Besonders bemerkenswert ist das Schnurren: Es ist nicht nur Ausdruck von Wohlbefinden, sondern auch ein potenzieller Heilimpuls. Bestimmte Frequenzen des Katzenschnurrens wirken laut Studien heilungsfördernd – sie unterstützen unter anderem die Knochenregeneration, lindern Schmerzen, senken den Blutdruck und beruhigen das Nervensystem.

Auch interessant: 5 Gründe, warum Katzen gern auf Menschen liegen

Können Katzen Krankheiten spüren?

Zahlreiche Katzenhalter berichten davon, dass ihre Katze auffälliges Verhalten zeigte – oft Wochen oder Monate, bevor eine ernsthafte Erkrankung diagnostiziert wurde. Ob Krebs, Herzprobleme oder hormonelle Veränderungen: All diese Zustände verändern die chemische Zusammensetzung des Körpers. Katzen können diese Veränderungen vermutlich riechen. 4

Besonders Tumorgewebe setzt spezifische Abbauprodukte frei, die für Menschen geruchlos, für Katzen aber wahrnehmbar sind. Auch Verhaltensänderungen wie eine ungewohnte Müdigkeit oder veränderte Bewegungsmuster werden von Katzen registriert – sie kennen unsere Routinen und merken, wenn etwas nicht stimmt. 5

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Können Katzen spüren, wenn jemand bald stirbt?

Es existieren viele Berichte über Katzen, die sich in den letzten Tagen oder Stunden eines sterbenden Menschen nicht mehr von dessen Seite rührten. Ein bekanntes Beispiel ist Oscar, die Pflegeheimkatze aus Rhode Island, die mehrfach den nahenden Tod von Patienten vorhergesagt hat, indem sie sich zu ihnen legte. 6

Wissenschaftlich gibt es dafür mehrere Erklärungsansätze: Einerseits könnten sterbende Menschen spezifische Pheromone oder Gerüche abgeben, die Katzen wahrnehmen. Andererseits verändert sich auch die Körpertemperatur in den letzten Lebensstunden – eine mögliche sensorische Information für Katzen. Ihre enge emotionale Bindung zum Menschen spielt dabei sicher ebenfalls eine Rolle.

Fazit: Die Katze spürt Schmerzen, Krankheiten und sogar den nahenden Tod

Katzen besitzen faszinierende Fähigkeiten, wenn es darum geht, das Befinden ihrer Menschen wahrzunehmen. Mit ihren hochentwickelten Sinnen, ihrem Gespür für Routinen und ihrer sozialen Intelligenz gelingt es ihnen, Schmerzen, Krankheiten und sogar den nahenden Tod zu spüren – auch wenn sie nicht begreifen, was genau vor sich geht. Ihre Reaktionen mögen unterschiedlich sein – von Nähe und Trost bis hin zu Rückzug –, doch sie sind Ausdruck einer tiefen, oft unterschätzten Verbundenheit.

Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

Zur Autorin

Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrem Studium an der Freien Universität Berlin widmete sie sich vor allem der Zoologie und dem Verhalten von Tieren. Neben der Ausbildung zur Redakteurin absolvierte sie eine Ausbildung zur Verhaltensberaterin mit Schwerpunkt Katze.

Quellen

  1. vca animal hospital, „How your kitten's senses differ from yours“ (aufgerufen am 29.07.2025) ↩︎
  2. Quaranta, A., d'Ingeo, S., Amoruso, R., Siniscalchi, M. (2020) „Emotion Recognition in Cats“. Animals (Basel). Jun 28;10(7):1107. doi: 10.3390/ani10071107. PMID: 32605256; PMCID: PMC7401521. ↩︎
  3. Catster.com, „Can a Cat Sense Pain in Humans? Vet-Reviewed Science & Info“ (aufgerufen am 29.07.2025) ↩︎
  4. cats.com, „Can Cats Sense Illness In Humans?“ (aufgerufen am 29.07.2025) ↩︎
  5. enviroliteracy.org, „Can cats sense medical issues in humans?“ (aufgerufen am 29.07.2025) ↩︎
  6. Szawarski, P. (2016) „Classic cases revisited: Oscar the cat and predicting death“. J Intensive Care Soc. Nov;17(4):341-345. doi: 10.1177/1751143716646123. Epub 2016 Apr 25. PMID: 28979519; PMCID: PMC5624465. ↩︎

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