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Verhalten erklärt

Warum Katzen ausgerechnet am Kopf ihrer Menschen schlafen – und was es bedeutet

Collage von Kater Remo, der am Kopf auf seinem Kissen schläft
Wäre am Kopf schlafen eine olympische Disziplin, hätte Kater Remo längst eine Goldmedaille Foto: PETBOOK / Louisa Stoeffler
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

23. Oktober 2025, 12:36 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Für PETBOOK-Redakteurin Louisa Stoeffler ist eins klar: Kater Remo darf und soll mit im Bett schlafen. Mal thront er, eingerollt wie ein Mini-Löwe, mitten auf ihrem Kopfkissen, dann wieder liegt er auf seinem eigenen Teddyfell-Kissen direkt neben ihr. Dass die Katze in unmittelbarer Nähe oder sogar auf dem Kopf schläft, kennen viele Katzenhalter. Und es ist kein Zufall – sondern ein Ausdruck tiefen Vertrauens.

Nächtlicher Besuch mit Schnurren und Pfoten

Kaum lege ich mich abends hin und mache das Licht aus, dauert es keine zwei Minuten – da höre ich das vertraute Trappeln kleiner Pfoten über den Dielenboden. Remo ist auf dem Weg. Ich spüre, wie er mit einem eleganten Sprung aufs Bett springt, kurz zögert, dann zielstrebig zum Kopfende trottet. Manchmal rollt er sich direkt neben mir ein und will noch kuscheln. Dann liegt er so nah an meinem Gesicht, dass ich seinen Atem spüren kann und das Schnurren durch die Matratze vibriert.

Als ich ihn aus dem Tierschutz holte, wollte er auch schon mit im Bett schlafen, allerdings am Fußende, in „seiner“ Kuscheldecke, die ich zu einem Nest gedreht habe. Diesen Platz haben wir lange seinen „Donut“ genannt. Nach einiger Zeit hat Remo jedoch begonnen, weiter nach oben zu wandern. Zunächst morgens zum Kuscheln, später dann auch vor dem Zubettgehen. Aber immer in der Mitte des Betts.

Heute hat er ein spezielles Teddyfell-Kissen, das er meist benutzt, wie wir Menschen es tun, indem er seinen Kopf darauflegt. Es sei denn, er thront komplett darauf, damit er auf uns hinabgucken kann, was auch gelegentlich vorkommt. Oder er legt sich ohne Umwege einfach direkt auf mein Kopfkissen. Bis ich nachts aufwache, weil ich einen dicken Katzenpo im Nacken fühle, der sich mittlerweile mehr als nur ein wenig taub anfühlt. Und trotzdem würde ich nicht darauf verzichten wollen. Auch nicht auf das nächtliche Schnurren, Putzen um 4 Uhr morgens oder Pfoten, die sich unter meine Bettdecke stehlen und sich in meinen Arm drücken. Denn die nächtliche Nähe einer Katze ist kein Zufall – sondern ein Ausdruck tiefen Vertrauens.

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Ein stiller Liebesbeweis auf vier Pfoten

In den allermeisten Fällen ist es kein Akt der Dominanz, wenn die Katze am Kopf schläft – auch wenn dies manche vermuten –, sondern ein Zeichen inniger Verbundenheit. Dahinter stecken sowohl emotionale als auch instinktive Gründe, die gerade den Kopfbereich für Katzen so attraktiv machen.

Wärme

Katzen haben eine höhere Körpertemperatur als Menschen und lieben es entsprechend warm. Besonders im Schlaf geben wir viel Wärme ab und den Großteil davon über den Kopf. Kein Wunder also, dass Katzen wie Remo sich regelmäßig direkt neben den Kopf der Halter legen oder das Kissen gleich ganz für sich beanspruchen. Am liebsten ist es ihnen dann auch, wenn sie zwischen ihren Menschen liegen können. In der Nacht ist dies – mit Ausnahme der Heizung – der wärmste Platz in der Wohnung.

Sicherheit

Auch wenn sie domestiziert sind (mehr oder weniger, da streitet sich die Wissenschaft), tragen Katzen noch immer Instinkte aus ihrer Zeit als Wildtiere in sich. Nähe zu ihrem Menschen bietet ihnen daher Schutz und Geborgenheit. Insbesondere der langsame Rhythmus unseres Atems, Herzschlags und der vertraute Geruch wirken beruhigend auf Katzen. Dies signalisiert, dass alles in Ordnung ist. Hinzu kommt: Der Kopf bewegt sich im Schlaf kaum – ideal für Katzen, die ungestörte Ruhe lieben.

Remo liegt in seinem Deckendonut
Bevor er das Kopfende für sich entdeckte, schlief Remo in seinem „Donut“ Foto: PETBOOK / Louisa Stoeffler

Duftbotschaften

Katzen sind Meister der geruchlichen Kommunikation. Über spezielle Duftdrüsen am Kopf und an den Wangen markieren sie sowohl Revier als auch Sozialpartner. Manchmal reibt sich Remo auch an meinem Kopf, bevor er sich hinlegt. Damit markiert er mich als „seinen“ Menschen. Dieser Ausdruck der Zuneigung steht in der kätzischen Kommunikation für: „Du gehörst zu mir, bist mein Sozialpartner“. Katzen riechen an unserem Kopf, aber auch besonders intensiv unseren eigenen Geruch – vor allem in der Nähe von Haaren oder Haut. 1

Aussichtspunkt

Katzen bevorzugen erhöhte Liegeplätze – sie geben das Gefühl von Kontrolle. Das Kopfkissen erfüllt diesen Zweck ideal – ebenso wie der menschliche Kopf selbst. Hinzu kommt, dass Katzen, auch wenn man das große Glück hat, dass sie die ganze Nacht still neben einem liegen, keinen so tiefen Schlaf haben, wie Menschen.

Wenn ich mich drehe, hebt Remo auch meist direkt den Kopf, um direkt zu schauen, was ich mache. Ich streichle ihm dann kurz über den Kopf, damit er beruhigt ist, und er rollt sich dann auch direkt wieder zusammen, manchmal seufzt er sogar genüsslich.

Routine

Nicht zu unterschätzen ist auch der Faktor Gewohnheit. Katzen sind kleine Routinetiere – wenn sie einmal einen Ort als besonders angenehm erlebt haben, behalten sie ihn meist bei. Besonders dann, wenn der Mensch dort jeden Abend an derselben Stelle liegt, bietet das eine konstante, verlässliche Umgebung. Für Katzen ist das gleichbedeutend mit emotionaler Stabilität, denn sie schlafen nur dort, wo sie sich absolut sicher fühlen. Im Katzenverhalten gilt körperliche Nähe, vor allem während des Schlafs, als Ausdruck tiefer sozialer Bindung. Wer seine Katze am Kopf liegen lässt, wird von ihr als Teil der „eigenen Gruppe“ betrachtet. 2

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Was, wenn der Schlaf leidet?

Ich habe das große Glück, dass Remo tatsächlich so lange liegenbleibt, bis er merkt, dass ich morgens wach werde. Aber nicht jeder Halter hat dieses Glück oder empfindet das nächtliche Schnurren oder Putzen als angenehm. Da ich aufgrund menschlicher Schnarchgeräusche sowieso immer mit Ohropax schlafe, bekomme ich es meist nicht mit, wenn Remo sich ausgiebig beschleckt.

Wer allerdings durch die Katze am Kopf schlechter schläft, muss sie nicht ganz aus dem Schlafzimmer verbannen. Stattdessen rät es sich, eine gemütliche Alternative in Kopfnähe zu schaffen. Etwa wie bei mir, mit einem eigenen Kissen, einem Körbchen mit einer Kuscheldecke neben dem Bett oder in Form eines Bettchens, das man in den Rahmen des Betts klemmen kann. Um die Tiere an diese Alternative zu gewöhnen, empfiehlt es sich, dort ein Schlaf-T-Shirt zu drapieren, das man ein bis zwei Nächte getragen hat, oder es mit Katzenminze- oder Baldrian-Sprays zu besprühen.

So findet die Katze weiterhin Nähe und Wärme – und der Mensch wieder erholsamen Schlaf. Egal, wie oft ich aufwache, egal, ob er mich mit Schnurren, Putzen oder einer sanften Pfote an der Wange aus dem Schlaf holt – ich kann ihm nie böse sein. Denn in diesen Momenten liegt so viel Ruhe, Vertrauen und Zuneigung, dass ich jedes Mal lächle, bevor ich wieder einschlafe.

Wenn das Verhalten plötzlich auftritt

So sehr sich viele über die nächtliche Nähe freuen – sollte dieses Verhalten plötzlich beginnen oder deutlich zunehmen, sollte man achtsam werden. Denn dahinter können auch gesundheitliche Probleme, Stress oder allgemeines Unwohlsein stecken. Dies gilt insbesondere, wenn das Tier selbst nicht schläft, sondern sich (und seine Menschen) beleckt, um sich zu beruhigen.

Manche Katze, die am Kopf schläft, beginnt auch damit, Menschen im Schlaf zu putzen, und entwickelt eine Obsession. Es kann auch ein stereotypes Verhalten dahinterstecken, das katzenpsychologisch abgeklärt werden wollte.

Nimmt das Tier dabei viele und vor allem lange Haare auf, kann das unschöne „Würstchenketten“ ergeben, wenn es das nächste Mal auf die Katzentoilette geht. Außerdem kann es, je nachdem welches Körperpflegeprodukt man benutzt, für die Tiere nicht sonderlich gesund sein.

Quellen

  1. TheVets.com, „Why Does My Cat Sleep On My Head?“ (aufgerufen am 23.10.2025) ↩︎
  2. Petmd.com, „Why Does My Cat Sleep on My Head?“ (aufgerufen am 23.10.2025) ↩︎

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