Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Neues aus Wissenschaft und Forschung Alle Themen
Forscher finden heraus

Einfacher Weg, wie Katzen wesentlich länger leben

Katze liegt entspannt auf dem Catio in einem Stuhl
Forscher haben anhand einer riesigen Analyse herausgefunden, wie Katzen bis zu drei Jahre Lebenszeit gewinnen können Foto: Getty Images / Yuliya Taba
Artikel teilen
Louisa Stoeffler
Redakteurin

26. März 2026, 9:19 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Viele Katzenhalter glauben, dass nur Freigang ein glücklicheres Leben für ihre Katze bedeutet. Eine umfassende wissenschaftliche Analyse zeigt jedoch ein anderes Bild: Katzen, die regelmäßig draußen unterwegs sind, haben ein deutlich höheres Risiko für Verletzungen, Krankheiten und einen vorzeitigen Tod, während Tiere in Wohnungshaltung länger leben. Eine Übersichtsstudie fasst zahlreiche Forschungsergebnisse zusammen – und kommt zu dem Schluss, dass „Einsperren“ Katzen oft weniger schadet. PETBOOK-Redakteurin Louisa Stoeffler fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Welche Auswirkungen hat Freigang wirklich?

Hauskatzen gehören weltweit zu den beliebtesten Haustieren und leben auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Mit ihrer zunehmenden Verbreitung wuchs jedoch auch die Diskussion über ihre Auswirkungen auf Wildtiere sowie über mögliche Risiken für Menschen und Nutztiere durch Krankheiten.

Viele Debatten konzentrieren sich darauf, dass Katzen Vögel und andere Wildtiere jagen. Diese Diskussionen sind jedoch häufig kontrovers. Einige Wissenschaftler halten die Auswirkungen für erheblich, andere sehen sie als überschätzt an und verweisen auf weitere Faktoren wie Lebensraumverlust oder Urbanisierung.

Die Autoren der vorliegenden Studie argumentieren, dass diese Konflikte oft den Blick auf ein anderes wichtiges Thema verstellen: das Wohlergehen der Katzen selbst. Denn tierärztliche Organisationen weisen seit Jahren darauf hin, dass freilaufende Katzen deutlich höheren Risiken ausgesetzt sind. Dazu gehören Verkehrsunfälle, Kämpfe mit anderen Tieren, Infektionskrankheiten, Vergiftungen und auch absichtliche Misshandlungen durch Menschen. So schätzt man schon länger, dass Katzen in Wohnungshaltung länger leben als Freigänger.

Gleichzeitig kann auch reine Wohnungshaltung Probleme verursachen, etwa Bewegungsmangel, Übergewicht oder Verhaltensstörungen. Daher stellt sich die zentrale Frage: Überwiegen insgesamt die Vorteile oder die Nachteile einer Haltung ohne ungesicherten Freigang?

Hauptgefahren durch Freigang

Die Studie wurde von Michael C. Calver und Kollegen von der Murdoch University in Australien sowie weiteren internationalen Forschungseinrichtungen durchgeführt. Sie erschien 2026 im Fachjournal „Global Ecology and Conservation“.

Die Autoren analysieren in einer umfangreichen Übersicht von 2495 Publikationen die gesundheitlichen und wohlfahrtsbezogenen Folgen verschiedener Haltungsformen bei Hauskatzen (Felis catus). Im Fokus standen vier Hauptgefahren für Katzen:

  • Traumatische Verletzungen, etwa durch Verkehrsunfälle, Stürze oder Tierkämpfe
  • Infektionskrankheiten und Parasiten, die bei Begegnungen mit anderen Katzen oder Wildtieren übertragen werden
  • Vergiftungen, beispielsweise durch Giftköder, Rodentizide (Rattengifte) oder giftige Pflanzen
  • Misshandlungen oder Vernachlässigung durch Menschen

Zusätzlich verglichen die Autoren Studien über Katzen mit Freigang und Katzen in kontrollierter Haltung. Dabei wurden unter anderem Daten aus Tierarztpraxen, Versicherungsstatistiken, Besitzerbefragungen sowie Studien mit Kameras an Katzenhalsbändern berücksichtigt. Ziel der Untersuchung war es außerdem zu prüfen, ob Argumente aus dem Tierschutz – statt nur aus dem Naturschutz – stärker von einer kontrollierten Haltung von Katzen überzeugen könnten. Dazu zählt auch gesicherter Freigang auf dem Balkon oder dem eigenen Grundstück.

Verletzungen und Verkehrsunfälle häufigste Notfälle

Die Auswertung zeigt ein klares Muster: Katzen mit ungesichertem Freigang sind deutlich stärker gesundheitlichen Risiken ausgesetzt als Katzen, die überwiegend oder vollständig auf dem eigenen Grundstück gehalten werden. Demnach zählten Verletzungen weltweit zu den häufigsten Notfällen bei Katzen. Besonders häufig sind Verkehrsunfälle, Stürze aus Höhe sowie Kämpfe mit anderen Tieren. In vielen Studien sind die meisten verletzten Katzen jünger als fünf Jahre, und männliche Tiere sind überproportional betroffen.

Ein weiteres großes Risiko sind Infektionskrankheiten. Freigänger kommen häufiger mit anderen Katzen in Kontakt und haben daher höhere Infektionsraten bei Krankheiten wie dem Felinen Leukämievirus (FeLV) oder dem Felinen Immundefizienzvirus (FIV). Beispielsweise lag in einer US-Studie die FeLV-Exposition bei reinen Wohnungskatzen bei 4,45 Prozent, bei Katzen mit Freigang jedoch bei bis zu 14,15 Prozent.

Auch Vergiftungen treten häufiger bei freilaufenden Katzen auf. Eine Untersuchung aus Skandinavien ergab beispielsweise, dass 59 vergiftete Katzen am Tag zuvor unbeaufsichtigt draußen unterwegs gewesen waren. Videoaufnahmen von Katzen mit Halsbandkameras zeigen zudem, wie häufig riskante Situationen auftreten: In einer Studie überquerten 45 Prozent der beobachteten Katzen Straßen, 25 Prozent begegneten fremden Katzen, und ebenfalls etwa ein Viertel trank oder fraß draußen potenziell gefährliche Dinge.

Katzen leben in der Wohnung bis zu drei Jahre länger

Diese Risiken wirken sich entsprechend auch auf die Lebensdauer aus. Laut den analysierten Daten leben Wohnungskatzen im Durchschnitt etwa zwei bis drei Jahre länger als Katzen mit Freigang. Insgesamt beträgt die durchschnittliche Lebensdauer freilaufender Katzen nur etwa 70 bis 80 Prozent der Lebensdauer von Wohnungskatzen.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die Haltung von Katzen ohne freien Zugang zur Umgebung aus gesundheitlicher Sicht erhebliche Vorteile haben kann. Besonders relevant ist dies für Tierärzte, Tierschutzorganisationen und Naturschutzfachleute, die Katzenhalter beraten. Langfristig dient diese Erkenntnis vor allem dem Tierschutz. Die Autoren betonen, dass diese Argumente oft überzeugender sein könnten als reine Naturschutzbedenken, wenn es um die Entscheidung geht, die Katze unbeaufsichtigt ins Freie zu lassen. Denn viele Katzenhalter reagieren defensiv auf Hinweise, dass ihre Tiere Wildtiere töten – oder spielen die ökologischen Folgen herunter.

Hinweise auf die Risiken für die eigene Katze – etwa Verkehrsunfälle oder schwere Krankheiten – stoßen dagegen häufig auf mehr Verständnis. Gleichzeitig betonen die Autoren, dass Wohnungshaltung nur dann optimal ist, wenn Katzen ausreichend beschäftigt werden. Dazu gehören Spielmöglichkeiten, Klettermöglichkeiten, Rückzugsorte oder gesicherte Außenbereiche wie sogenannte „Catios“. Solche Maßnahmen können Bewegungsmangel und Verhaltensprobleme verhindern.

„Goldene Regeln“ für Wohnungshaltung

Damit Katzen auch im Haus ausgelastet sind, empfiehlt PETBOOK abwechslungsreiche Beschäftigungsmöglichkeiten. Dazu zählen:

  • Fensterplätze mit Ausblick
  • Spielzeug und Kratzflächen
  • erhöhte Kletter- und Sitzmöglichkeiten
  • Rückzugsorte zum Verstecken
  • gesicherte Bereiche auf dem Balkon oder in einem ausbruchssicheren Garten (Catios)

Wenn Katzen ausschließlich im Haus leben, benötigen sie zudem ausreichend Katzentoiletten. Die Faustformel lautet: Anzahl der Tiere plus eine Toilette extra. Eine Einzelkatze sollte also zwei Toiletten zur Verfügung haben, ein Pärchen drei. Sie sollten an ruhigen Orten stehen und regelmäßig gereinigt werden – und niemals in der Nähe des Futternapfes.

Auch Spaziergänge mit Geschirr und Leine sind möglich. Eine Untersuchung aus Norwegen zeigt, dass kontrollierter Freigang unter Aufsicht das Wohlbefinden von Katzen fördern kann. Allerdings entscheidet auch hier das Tierwohl. Fühlt sich die Katze an der Leine nicht wohl, profitiert sie nicht davon.

Mehr zum Thema

Weniger Jagd auf wildernde Katzen

Wenn Katzen kontrolliert gehalten werden, profitieren laut Studie nicht nur die Tiere selbst, sondern auch Wildtiere, da weniger Jagd stattfindet. Die Studie fasst eine große Menge vorhandener Forschung zusammen. Das ermöglicht einen breiten Überblick über Risiken und Vorteile verschiedener Haltungsformen.

Gleichzeitig weist dieser Ansatz auch Einschränkungen auf. Die analysierten Studien unterscheiden sich stark in ihren Methoden, Datensätzen und geografischen Regionen. Dadurch ist es schwierig, die Ergebnisse exakt miteinander zu vergleichen oder statistisch zusammenzuführen. Während in Australien beispielsweise ungesicherter Freigang so gut wie nicht mehr vorkommt, ist er in Deutschland noch verbreitet oder wird sogar von Tierheimen gefordert.

Klare Botschaft für Katzenhalter

Ein weiteres Problem ist die sogenannte Datenverzerrung durch Tierarztstatistiken. Viele Studien basieren auf Fällen aus Tierkliniken. Katzen, die bei einem Unfall sofort sterben oder im Freigang verschwinden, erscheinen in solchen Daten oft gar nicht. Dadurch könnten die tatsächlichen Risiken für Freigänger sogar noch unterschätzt werden.

Trotz dieser Einschränkungen kommen die Autoren nach Auswertung zahlreicher Studien zu dem Schluss, dass die Vorteile einer kontrollierten Haltung insgesamt deutlich überwiegen. Für Katzenhalter ergibt sich daraus eine klare Botschaft: Eine sichere Haltung auf dem eigenen Grundstück oder im Haus – kombiniert mit ausreichend Beschäftigung und Umweltanreicherung – kann sowohl das Wohlbefinden verbessern als auch dafür sorgen, dass Katzen insgesamt länger leben. 1

Quellen

  1. Calver, M. C., Crawford, H. M., Lepczyk, C. A., Farrow, D. E., & Fleming, P. A. (2026). Imperilled paws: how conservation biologists can use pet cats’ health and welfare rather than their impacts on wildlife to argue for their containment. Global Ecology and Conservation, e04067. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.