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Expertinnen geben Einschätzung

Sollte man mit Katzen Gassi gehen?

Katze geht an Leine Gassi
An der Leine Gassi zu gehen, liegt eigentlich nicht in der freiheitsliebenden Natur einer Katze Foto: picture alliance / Zoonar | Dmitrii Marchenko
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

13. November 2025, 16:04 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Sie schnuppert neugierig am Grashalm, späht mit großen Augen ins Gebüsch – doch schon ein Knacken im Unterholz reicht, und die Katze duckt sich verunsichert. Ein Ausflug an der Leine klingt spannend, doch nicht jedes Tier ist dafür gemacht. Für manche Wohnungskatzen kann der kontrollierte Freigang eine Bereicherung sein – wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Doch Tierschützer und PETBOOK-Redakteurin Louisa Stoeffler sehen Gassi mit der Katze eher kritisch.

Nicht jede Katze ist fürs Gassi geeignet

Katzen gelten als unabhängig und freiheitsliebend – Eigenschaften, die auf den ersten Blick kaum mit Gassi, Geschirr und einer Leine zusammenpassen. Dennoch entscheiden sich manche Halter dafür, ihre Katze mit nach draußen zu nehmen. Ob das sinnvoll ist, hängt stark vom individuellen Tier ab.

„Anders als Hunde, die gern mit Herrchen oder Frauchen auf Erkundungstour gehen, sind Katzen sehr eigenständige Tiere, die es vorziehen, selbstbestimmt umherzustreifen“, sagt Nadia Wattad vom Deutschen Tierschutzbund. Wer eine Katze an Leine und Geschirr führen möchte, müsse dies gut abwägen – und den Freigang nur unter bestimmten Voraussetzungen versuchen.

Vor allem Wohnungskatzen können von kontrollierten Streifzügen profitieren. „Wenn Freigang wegen des Verkehrs oder anderer Gefahren nicht möglich ist, kann der Ausflug an der Leine den natürlichen Erkundungsdrang unterstützen“, sagt Wattad.

Die Voraussetzung dafür ist, dass die Katze sich beim Gassi wohlfühlt. „Ängstliche oder eher schreckhafte Tiere eignen sich nicht zum Freigang mit Leine.“ Auch Freigänger, die sonst selbstbestimmt durch ihr Revier streifen, haben keinen Nutzen davon.

Zeichen von Überforderung seien deutlich: Bleibt die Katze stehen, bewegt sich kaum oder versucht, das Geschirr loszuwerden, sollte der Ausflug sofort beendet werden. „Das ist ein klares Stresssignal“, sagt Wattad.

Vorbereitung ist entscheidend für einen gelungenen Ausflug

Damit ein Spaziergang für die Katze zur positiven Erfahrung wird, braucht es Zeit und Training. Das Geschirr sollte gut sitzen – weder zu locker noch zu eng – und in der gewohnten Umgebung langsam eingeführt werden. „Die Leine sollte kurz sein, Flexileinen sind ungeeignet“, erklärt Nadia Wattad. Halsbänder sind tabu, da Katzen sich daran leicht verletzen oder gar strangulieren könnten.

Der erste Freigang sollte in einer sicheren, vertrauten Umgebung stattfinden, etwa im eingezäunten Garten. Abstand zu Bäumen ist wichtig, damit sich die Leine nicht in Ästen verfängt. „Katzen sollten außerdem nicht in Gegenden ausgeführt werden, in denen viele Hunde unterwegs sind“, warnt Wattad. Begegnungen mit Hunden führten häufig zu Stress auf beiden Seiten.

Eine Transportbox kann zusätzlich Sicherheit geben. „In unübersichtlichen Situationen bietet sie Schutz und verhindert, dass die Katze entwischt.“ Ganz ausschließen lasse sich ein Entkommen jedoch nie. Deshalb sollten Katzen immer geimpft, kastriert, gekennzeichnet und bei einem Haustierregister registriert sein.

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Spaziergänge sind kein Ersatz für echten Freigang

Trotz sorgfältiger Vorbereitung bleibt ein Spaziergang an der Leine immer ein Kompromiss. „Ein echter Freigang lässt sich dadurch nicht ersetzen“, betont Wattad. Katzen schätzten es, selbst zu entscheiden, wohin sie gehen. 

Spaziergänge an der Leine könnten den Alltag einer Wohnungskatze bereichern, „aber sie bleiben immer ein Kompromiss“. Der Deutsche Tierschutzbund sieht das Konzept daher „eher kritisch“, hält es aber in ruhiger Umgebung oder auf privatem Gelände für akzeptabel.

Auch Sabrina Karl von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten rät, genau hinzusehen, ob das Tier Freude daran hat. Ob eine Katze Spaziergänge genießt, hängt ihrer Erfahrung nach von Persönlichkeit, Vorgeschichte, Gesundheitszustand und dem Bedürfnis nach Bewegung ab. „Anhand dieser Faktoren sollte man entscheiden, ob der Spaziergang eine willkommene und praktikable Aktivität für die Katze ist.“

Louisa Stoeffler
Redakteurin

Nicht nur auf Hunde, sondern auch auf Kinder achten!

„Ich habe Gassi gehen selbst mit meinem Kater Remo versucht – und schnell gemerkt, dass es für ihn einfach nicht passt. Schon beim Anlegen des Geschirrs war er extrem unruhig und wirkte angespannt, lief sehr lange nur geduckt und sprang in die Luft, um das ungewohnte Gewicht auf dem Rücken loszuwerden.

Draußen wurde die Situation noch schlimmer: Wenn wir in den Hinterhof gingen, bewegte er sich kaum, hatte sichtlich Angst und wollte auf den Arm genommen werden, was er sonst nur sehr mürrisch zulässt. Als sich beim dritten Spaziergang dann auch noch ein Kind näherte und ihn unbedingt streicheln wollte, obwohl er schon völlig verängstigt auf meinem Arm saß, verlor er endgültig die Kontrolle. Er wand sich aus dem Geschirr heraus und verschwand blitzschnell unter einem geparkten Auto.

In der Zeit, die ich brauchte, um ihn zu sichern, starb ich wahrscheinlich genauso viele Tode wie er. Seitdem ist klar: Für Remo und mich sind Spaziergänge an der Leine keine Option.“

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Katze langsam an Geschirr gewöhnen

Wichtig sei, das Tier langsam und mit positiven Erfahrungen an Geschirr und Leine zu gewöhnen. Sabrina Karl rät, das Anlegen des Brustgeschirrs in viele kleine Schritte zu unterteilen. Je nach Motivation und Lerngeschwindigkeit könne das Training Tage oder Wochen dauern. Belohnungen wie Futter, Streicheleinheiten oder Spielpausen helfen, Vertrauen aufzubauen und die Motivation zu fördern.

Erst, wenn die Katze sich mit dem Geschirr sicher fühlt, sollte sie die ersten Schritte ins Freie wagen – am besten auf der Terrasse oder dem Balkon, bevor es in den Garten geht. „Dann kann man nach und nach die Intensität der Ablenkungen und Außenreize steigern.“

Frau hat Katze nach dem Gassi auf dem Arm
Wenn die Katze so deutlich zeigt, dass sie keine Lust auf Gassi hat, sollte man wirklich umdrehen Foto: picture alliance / Zoonar | Dmitrii Marchenko

Auf Körpersprache der Katze achten

Ob der Katze das Abenteuer wirklich gefällt, zeigt ihre Körpersprache: Eine lockere Haltung, neugieriges Schnüffeln oder leises Maunzen sind gute Zeichen. Wirkt das Tier dagegen angespannt, panisch oder zieht sich zurück, sollten Halter sofort reagieren und den Ausflug abbrechen. „Dann lieber neu ansetzen und in kleineren Schritten weitermachen“, rät Sabrina Karl.

Langfristig geht es immer auch um Vertrauen. „Verlässlichkeit und liebevolle Unterstützung sind die Grundlage jeder Mensch-Katzen-Beziehung“, sagt Karl. Wer die Bedürfnisse seiner Katze erkennt und geduldig auf sie eingeht, stärkt die Bindung – auch draußen an der Leine.

Mit Material der dpa

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