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Expertin gibt Tipps

Wie man Katzen effektiv vom Weihnachtsbaum fernhält

Schwarz-weiße Katze sitzt auf Boden und schaut gespannt hoch zum Weihnachtsbaum
Der Weihnachtsbaum scheint Katzen magisch anzuziehen. Er birgt aber auch viele Gefahren, weshalb man sein Haustier lieber davon fernhalten sollte. Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

8. Dezember 2025, 16:46 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Weihnachtsbäume faszinieren nicht nur kleine Kinder – auch auf Katzen haben sie eine magische Anziehung. Kugeln werden zum Spielzeug und der Baum selbst zum Kletterspaß – bis alles scheppernd zu Boden fällt. Aber nicht nur deshalb sollte man seine Katze vom Weihnachtsbaum möglichst fernhalten. Wie das tiergerecht gelingt, verrät PETBOOK-Redakteurin und Katzenexpertin Saskia Schneider.

Katzen sind von Weihnachtsbäumen fasziniert

Bunt glänzende Kugeln, die sich bewegen, glitzerndes Lametta und das alles an einem echten Baum im Wohnzimmer. Mit Gerüchen von draußen und so vielem, was man erschnüffeln und entdecken kann. Für Katzen ist der Weihnachtsbaum ein Abenteuerspielplatz. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: Sie sollten sich ernsthaft Gedanken machen, wenn der Weihnachtsbaum Ihre Katze total kaltlässt.

Wie sehr die Tiere auf Erkundungstour gehen, ist dabei unterschiedlich. Manche sind eher vorsichtig, schnuppern nur oder finden den Baum vielleicht anfangs sogar unheimlich. Andere hüpfen wie selbstverständlich sofort in die Nadeln – mit Folgen. Doch auch wenn Katzen anfangs unbeeindruckt vom Weihnachtsbaum wirken oder ihn nur umgehen, seien Sie sicher: Der Tag wird kommen, an dem Ihr Tier versucht, hinein- oder hinaufzuklettern, oder Lametta und Kugeln als Spielzeug entdeckt.

Diese Gefahren lauern im Baum

Eine der größten Gefahren ist, dass die Katze den Baum umkippt und sich dabei verletzt. Etwa, weil dabei noch andere Dinge mitgerissen werden. Das Tier bekommt Panik, bleibt vielleicht irgendwo hängen und reißt sich eine Kralle aus oder bricht sich sogar Knochen.

Auch zerbrochene Glaskugeln oder Ornamente stellen eine Verletzungsgefahr dar. Noch gefährlicher wird es bei Lametta. Zwar nutzt heute kaum mehr jemand traditionelles Lametta aus Metall, aber auch Lamettaketten aus Plastik können zu Darmverschlüssen und schlimmstenfalls zum Tod der Katze führen, wenn diese sie verschluckt. Dazu kommen Lichterketten, die gerne mal beknabbert werden, giftige Tannennadeln, und auch das Wasser des Baums selbst kann für Katzen hochgiftig sein, wenn sie davon trinken. Kurzum: Eine Katze hat am traditionell geschmückten, echten Weihnachtsbaum nichts verloren.

Auch interessant: Welche Gefahren es in der Adventszeit für Katzen gibt

So halten Sie Ihre Katze vom Weihnachtsbaum fern

Ich weiß, dass viele Katzenhalter sich hier jetzt einfache Tricks wünschen, die in kurzer Zeit dafür sorgen, dass die Katze nicht mehr an den Baum herangeht und alle entspannt die Weihnachtszeit genießen. Aber da muss ich Sie enttäuschen: Wer sich im Katzenhaushalt für einen echten Weihnachtsbaum entscheidet, muss auch das entsprechende Engagement aufbringen. Denn eine einfache und schnelle Lösung gibt es nicht, wenn man möchte, dass es der Katze damit auch gut geht.

Beobachten und eingreifen

Katzen sind von Natur aus neugierig. Daher sollte man sein Tier gut beobachten – und zwar bewusst. Also nicht: Weihnachtsbaum aufstellen, Handy raus und warten, bis was passiert. Sie sollten Ihr Tier anfangs nicht aus den Augen lassen – genau wie wir das bei einem Kleinkind machen würden, das das erste Mal einen Weihnachtsbaum erkunden möchte. Und auch bei der Katze heißt es: Sofort eingreifen, wenn das Tier Anstalten macht, zu springen oder zu klettern.

Zum einen signalisieren Sie damit: Dieses Verhalten ist nicht in Ordnung. Zum anderen sind sie sofort zur Stelle und können zumindest Schlimmeres verhindern. Denn manchmal sind Katzen beim Erkunden doch schneller, als wir glauben.

Konsequent bleiben

Was macht man aber nun, wenn die Katze im Baum landet und man sie herauspflückt? Ganz einfach: absetzen und dann konsequent bleiben, also immer wieder vom Baum entfernen oder nicht mehr in die Nähe lassen. Dabei bitte ruhig bleiben: Nicht herumschreien oder panisch zum Tier rennen, wenn es springt. Handeln Sie zügig und bestimmt, aber ohne Strenge oder Aggression. Das beeindruckt viele Katzen, denn damit zeigen Sie Souveränität und dass es Ihnen wichtig ist.

Das ist aber noch kein Garant dafür, dass die Katze den Baum dann auch in Ruhe lässt. Hier brauchen Sie einen langen Atem und viel Geduld. Das ist manchem Katzenbesitzer schnell zu anstrengend – verständlicherweise. Daher würde ich immer eine Art Mittelweg empfehlen aus folgenden Maßnahmen:

Management

Natürlich kann man den Weihnachtsbaum auch katzensicherer gestalten. Etwa, indem man unten nur Plastikkugeln verwendet und auf Lametta oder andere gefährliche Deko verzichtet. Damit Katzen nicht in die Versuchung kommen, die giftigen Nadeln abzukauen oder das Wasser zu trinken, kann ein künstlicher Baum sinnvoll sein. Allerdings besteht auch hier die Gefahr, dass Plastikteile abgekaut werden. Es hängt also immer von der einzelnen Katze und deren Verhalten ab.

Eine andere Möglichkeit ist, den Baum auf dem Balkon oder im Garten aufzustellen – oder an einem Ort, zu dem die Tiere keinen Zugang haben. Allerdings möchten die meisten Menschen den Baum ja im Zimmer bewundern und die Weihnachtsgeschenke darunterlegen. Daher hier noch ein paar Tipps für Bäume, die auf jeden Fall im Innenbereich stehen sollen.

Baum gegebenenfalls sichern

Vor allem für Katzenhalter, die Kitten oder junge Kätzchen im Haus haben, kann es sich lohnen, den Baum zusätzlich zu sichern, damit er nicht umfallen kann. Vor allem, wenn mehrere Tiere plötzlich auf die Idee kommen, in die Äste zu springen. Das Absichern gelingt etwa durch zwei Seile, die man vom Baum zur Wand spannt. Großer Nachteil: Meist muss man dafür Haken und Löcher in der Wand anbringen. Oder man wählt einen extrem robusten Ständer aus.

Türen schließen

Es klingt banal, doch um wirklich sicherzugehen, dass der Weihnachtsbaum auch noch am nächsten Tag steht, sollte man den Katzen keinen Zugang gewähren, wenn man sie nicht beaufsichtigen kann. Zumindest nicht, wenn die Tiere noch jung oder neu sind. Ältere Katzen, die mit dem Konzept Weihnachtsbaum seit Jahren vertraut sind und deren Verhalten man abschätzen kann, müssen natürlich nicht ausgesperrt werden.

Alternativen schaffen

In der Katzenverhaltens-Therapie heißt es: „Wer nein sagt, muss auch ja sagen“. Soll heißen: Wenn der Baum als Abenteuerspielplatz tabu ist, sollte man seiner Katze eine adäquate Alternative bieten. Zum Beispiel eine Spielecke mit bunten Plastikkugeln, die vom Kratzbaum hängen. Oder ein spannendes Futterspielzeug aus bunten Klorollen, aus denen die Katze Leckerli fischen kann.

Manche Katzenfreunde gehen sogar so weit, ihren Tieren einen eigenen – katzengerechten – Weihnachtsbaum hinzustellen. Mittlerweile gibt es auch Kratzbäume, die wie Weihnachtsbäume dekoriert sind. Für Katzen ist das natürlich das absolute Highlight. Aber hier muss jeder selbst entscheiden, wie weit er für sein Tier geht.

Eins ist dabei wichtig: Eine Alternative sorgt nicht automatisch dafür, dass die Katze den echten Baum in Ruhe lässt. Dieser bleibt ja weiterhin attraktiv und es erfordert weiterhin Management und Geduld. Aber es verhindert Frust, denn Ihr Tier kann trotzdem etwas erkunden und seinen Spiel- und Jagdtrieb ausleben, wenn es vernünftige Alternativen gibt.

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Finger weg von Abwehrdüften, Wasserspritze und Co.

Immer wieder findet man Ratschläge, wie die Katzen mit einer Wasserspritze fernzuhalten oder Duftöle zum Vergrämen einzusetzen. Auch der fragwürdige Social-Media-Trick, die Katze mit dem Baum zu bedrohen, kursiert jedes Jahr aufs Neue. Und ja: Diese Methoden können erfolgreich sein, haben aber einen entscheidenden Nachteil: Sie verunsichern oder verängstigen Katzen. Denn plötzlich taucht da dieses riesige Ding im Revier auf und dann macht die Katze auch noch negative Erfahrungen: Sie wird nass oder es riecht plötzlich sehr streng. Das kann zu Verunsicherung und Unsauberkeit führen.

Auch das Tier anzuschreien oder gar wegzujagen, wenn es in die Nähe des Baums geht, ist keine Option, denn es kann nachhaltig das Vertrauen und die Bindung der Katze schädigen. Sicher dürfen Sie auch einmal lauter und auch ernster mit der Stimme werden – aber bitte in dem Moment, in dem die Katze einen Schritt zu weit geht, und nicht, wenn der Baum schon am Boden liegt.

Fazit: Geduld haben und Alternativen schaffen

Fast alle Katzen sind fasziniert von Weihnachtsbäumen. Haben Sie dafür Verständnis und bedenken Sie dies von Beginn an mit – am besten noch bevor Sie den Baum anschaffen. Meist lassen sich die größten Gefahren durch einfaches Management schon verhindern. Doch das fordert anfangs einiges an Einsatz, denn die Tiere sollten zu Beginn nie unbeobachtet in der Nähe des Baums sein. Doch der Aufwand lohnt sich, denn so kann die Weihnachtszeit auch für unsere Katzen zu etwas ganz Besonderem werden.

Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

Zur Autorin

Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrem Studium an der Freien Universität Berlin widmete sie sich vor allem der Zoologie und dem Verhalten von Tieren. Neben der Ausbildung zur Redakteurin absolvierte sie eine Ausbildung zur Verhaltensberaterin mit Schwerpunkt Katze.

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