24. Juli 2025, 15:12 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Es gibt Zonen, an denen Katzen nur ungern berührt werden. Neben dem Bauch gehören auch die Pfoten dazu. Das macht das Kontrollieren der Pfötchen und das Krallenschneiden zu einer echten Herausforderung. Warum viele Katzen so ungern an den Pfoten berührt werden und wie man die Tiere langsam daran gewöhnen kann, verrät PETBOOK-Redakteurin und Expertin für Katzenverhalten Saskia Schneider.
Klein, flauschig und mit knubbeligen, schwarzen oder rosa Ballen, die so zart aussehen – Katzenpfoten üben auf uns eine anziehende Wirkung aus. Doch wer schon einmal versucht hat, die Pfote einer Katze zu berühren, weiß: Die meisten Tiere ziehen diese sofort zurück – und das aus gutem Grund.
Katzenpfoten sind extrem sensibel
Die Pfoten unserer Katzen sind extrem empfindlich. Denn sie sind nicht nur zum Laufen da. Insbesondere die Pfotenballen erfüllen verschiedene Funktionen und dienen als Sinnesorgane. So enthalten sie viele Nervenrezeptoren, mit denen Katzen bereits kleinste Veränderungen der Beschaffenheit, des Drucks und möglicherweise von Vibrationen über ihre Pfotenballen spüren. Daher reagieren die Pfotenballen besonders empfindlich auf Temperatur, Druck und Schmerz. 1
Das bedeutet jedoch nicht, dass Berührungen an der Pfote für die Tiere generell unangenehm sind. Einige Katzen lieben es sogar, an den Pfoten und zwischen den Ballen massiert zu werden. Manche strecken ihren Besitzern auch regelrecht die Pfote ins Gesicht, um Berührungen einzufordern. Das erfordert in der Regel aber viel Vertrauen.
Verletzungen an der Pfote
In der Regel können Katzen Schmerzen gut verbergen. Daher kann es lange nicht auffallen, wenn die Tiere eine Verletzung an der Pfote haben. Manche humpeln nicht einmal, wenn sie sich etwa eine Granne eingetreten haben. Ließ sich die Katze sonst immer gern an den Pfoten berühren und zeigt sie plötzlich abwehrendes Verhalten, ist eine Verletzung an der Pfote wahrscheinlich.
Ein sehr trauriger Grund, warum manche Katzen nicht an den Pfoten berührt werden wollen, ist, wenn ihnen die Krallen gezogen wurden. In Deutschland ist diese Praxis zum Glück seit Jahren verboten. Es gibt aber noch Fälle, in denen Katzen die Krallen entfernt worden sind. Vor allem Tiere, die aus dem Ausland adoptiert werden, können dieses grausame Schicksal erlitten haben, denn in anderen Ländern, vor allem den USA, ist das sogenannte „declawing“ noch erlaubt.
Schlechte Erfahrungen
Hat eine Katze einmal die Erfahrung gemacht, dass ihr beim Berühren der Pfote Schmerzen zugefügt wurden, lässt das Tier dies meist nicht mehr zu. Ein Hauptauslöser ist, wenn Halter versuchen, der Katze selbst die Krallen zu schneiden. Vor allem bei dunklen Krallen ist schwer zu erkennen, wo das sogenannte „Leben“ (so nennt man den durchbluteten Teil der Katzenkralle) anfängt. Schneidet man dann zu tief, ist das sehr schmerzhaft für das Tier und es kann sogar stark bluten.
Aber auch Katzen, die mit ihren Krallen irgendwo hängen bleiben, sich diese ausreißen und die Situation dann mit ihrem Menschen verknüpfen, der seinem Tier in der misslichen Lage einfach nur helfen wollte, dulden es oft nicht mehr, dass man ihre Pfote berührt.
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Arthrose und Schmerzen
Auch ältere Katzen lassen sich meist nicht mehr gern an den Pfoten berühren. Das kann zum einen daran liegen, dass Senioren im Allgemeinen weniger Geduld aufbringen als Kitten oder junge Katzen. Zum anderen steigt das Risiko, im Alter an Arthrose zu erkranken. Diese kann auch in den Pfoten auftreten und zu Schmerzen führen. Vor allem bei feuchtem Wetter können die Tiere dann empfindlich reagieren. 2
Bestimmte Rassekatzen haben sogar eine genetische Vorbelastung. Scottish Fold, eine Qualzucht, die in Deutschland verboten ist, haben nicht nur geknickte Ohren. Die Mutation, die die Faltohren verursacht, sorgt auch für knöcherne Bildungen an den Gelenken der Vorder- und Hinterpfoten. Dadurch können schmerzhafte Knoten und Erhebungen entstehen. 3
Wie kann ich meine Katze daran gewöhnen, an den Pfoten berührt zu werden?
Wenn Sie eine Katze besitzen, die sich nur ungern oder gar nicht an den Pfoten berühren lässt, sollten Sie mit viel positiver Verstärkung arbeiten. Dazu müssen Sie zuerst herausfinden, was für Ihre Katze der absolute Jackpot ist. Normalerweise sind das bestimmte Leckerli (gekochtes Hühnchen steht bei vielen hoch im Kurs), es kann aber auch ein besonderes Spiel oder eine Streicheleinheit sein. Nutzen Sie dies, um Ihrer Katze beizubringen: Immer wenn ich deine Pfote berühre, passiert etwas Tolles.
Dafür fangen Sie möglichst mit kleinen Schritten an. Schieben Sie Ihre Hand zunächst nur in die Nähe der Pfote und beobachten Sie, ab welcher Distanz Ihr Tier die Pfote wegzieht. Das ist Ihr Ausgangspunkt. Jedes Stillhalten der Pfote belohnen Sie mit dem Jackpot – selbst wenn Ihre Hand die Pfote noch gar nicht berührt. So nähern Sie sich Stück für Stück. Alternativ oder auch parallel können Sie mit Ihrer Katze das Pfötchengeben üben.
Wichtig: Machen Sie kurze, aber dafür mehrere Übungseinheiten am Tag und hören Sie auf, solange Ihre Katze noch gut mitmacht – spätestens aber, wenn das Tier die Situation verlassen möchte.
Zur Autorin
Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrem Studium an der Freien Universität Berlin widmete sie sich vor allem der Zoologie und dem Verhalten von Tieren. Neben der Ausbildung zur Redakteurin absolvierte sie eine Ausbildung zur Verhaltensberaterin mit Schwerpunkt Katze.
