11. November 2025, 16:47 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Können Katzen an Demenz erkranken? Die Antwort ist: ja – und das häufiger, als viele denken. Eine Studie zeigt sogar überraschende Parallelen zwischen dem geistigen Abbau bei Menschen und dem kognitiven Rückgang bei Katzen (PETBOOK berichtete). Einige Symptome sind sogar erstaunlich ähnlich. Doch wie erkennt man, ob die eigene Katze betroffen ist? Und wie kann man sie in dieser Lebensphase bestmöglich unterstützen?
Häufige, aber wenig erkannte Erkrankung
Die sogenannte „feline kognitive Dysfunktion“, auch als Katzen-Demenz bekannt, ist eine altersbedingte Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten. Es äußert sich meist durch Verhaltensänderungen, die sich nicht durch andere medizinische Ursachen erklären lassen.
Untersuchungen legen nahe, dass die Erkrankung unter älteren Katzen weitverbreitet ist. So zeigte eine Studie, dass mehr als die Hälfte aller Katzen im Alter von 15 Jahren Anzeichen von Demenz aufwiesen.1
Verhaltensauffälligkeiten, die mit der Krankheit in Verbindung gebracht werden, wurden jedoch bereits bei Katzen ab sieben Jahren beobachtet. Bei rund 28 Prozent der Katzen im Alter von 11 bis 14 Jahren wurde mindestens eine Verhaltensveränderung, die mit einer beginnenden Demenz in Verbindung gebracht wurde, beobachtet. 2
Diese Verhaltensänderungen können bei Katzen auf Demenz hinweisen
Auffällige Verhaltensänderungen sind bei jeder Erkrankung oft das erste Signal, dass etwas nicht stimmt. Die folgenden acht Symptome gelten als häufige Hinweise auf eine beginnende Demenz bei Katzen:
- Ungewöhnliche Lautäußerungen: Wenn Katzen plötzlich übermäßig miauen – besonders nachts – oder in für sie untypischen Situationen laut werden, kann das ein Anzeichen für kognitive Veränderungen sein.
- Verändertes Sozialverhalten: Manche Katzen werden auffällig anhänglich oder suchen verstärkt Nähe. Andere hingegen ziehen sich zurück, wirken gereizt oder erkennen vertraute Personen nicht mehr.
- Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus: Viele betroffene Tiere schlafen tagsüber mehr als sonst und zeigen sich nachts unruhig oder rastlos.
- Unsauberkeit: Die Unfähigkeit, die Katzentoilette wie gewohnt zu nutzen, kann ein Warnzeichen sein – auch wenn dieses Symptom ebenso auf andere Erkrankungen hinweisen kann.
- Desorientierung: Betroffene Katzen laufen scheinbar ziellos umher, starren ins Leere, bleiben hinter Möbeln stecken oder verwechseln die Seiten von Türen.
- Veränderter Aktivitätslevel: Einige Tiere sind auffällig träge, spielen weniger oder vernachlässigen ihre Fellpflege. Andere wiederum wirken nervös oder überaktiv.
- Angstverhalten: Situationen, die der Katze früher vertraut waren – etwa bestimmte Geräusche oder Personen – können plötzlich Angst auslösen. Rückzugsverhalten wie das Verstecken unter Möbeln ist ein häufiges Symptom.
- Lernprobleme: Wenn eine Katze plötzlich Schwierigkeiten hat, ihren Futternapf zu finden oder erlernte Verhaltensweisen verliert, kann das ebenfalls ein Hinweis auf Demenz sein.
- Vermindertes Reaktionsvermögen und Verwirrung: Manche Katzen wirken plötzlich abwesend oder scheinen „den Faden zu verlieren“. Sie reagieren nicht mehr wie gewohnt auf ihren Namen, Geräusche oder vertraute Reize und bleiben manchmal einfach stehen, als wüssten sie nicht mehr, was sie gerade tun wollten.
Besonders bei Freigängern kann es vorkommen, dass sie sich nicht mehr an den Weg nach Hause erinnern und bei Nachbarn oder an fremden Orten auftauchen. Dieses Verhalten deutet darauf hin, dass die Orientierung und das Erinnerungsvermögen der Katze nachlassen – ein typisches Anzeichen für kognitive Veränderungen im Alter.
Diagnose und Behandlung
Da sich viele Symptome mit anderen Erkrankungen wie Arthrose oder Nierenschwäche überschneiden, ist ein Besuch beim Tierarzt bei auffälligem Verhalten unerlässlich. Nur so können andere mögliche Ursachen ausgeschlossen und eine Diagnose gestellt werden.
Bislang ist die Forschung zur Katzen-Demenz leider auch noch sehr begrenzt. Viele Empfehlungen zur Vorbeugung und Behandlung basieren auf Erkenntnissen aus der Human- und Hundeforschung. Eine Heilung gibt es derzeit nicht, doch bestimmte Maßnahmen können den Verlauf verlangsamen oder das Wohlbefinden verbessern.
Das richtige Umfeld kann helfen – aber nicht immer
Geistige Anregung ist einer der Schlüssel zur Unterstützung kognitiver Funktionen. In leichten Fällen können spielerisches Jagen mit interaktiven Spielzeugen oder Suchspiele mit Leckerlis die geistige Aktivität fördern.
Allerdings sollte man dabei auch immer mit Bedacht vorgehen. Bei Katzen mit schwerer kognitiver Beeinträchtigung kann eine Veränderung ihrer Umgebung zu Verwirrung und Angstzuständen führen, wodurch sich die Verhaltenssymptome verschlimmern können.
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Auch die Ernährung spielt eine Rolle
Futterergänzungen mit Antioxidantien wie Vitamin E und C sowie mit essenziellen Fettsäuren könnten dabei helfen, Entzündungsprozesse im Gehirn zu verringern und so den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.
Allerdings sollte man hier bei der Auswahl der Produkte besonders sorgsam vorgehen. Speziell für Hunde konzipierte Futterzusätze sollten nicht an Katzen verabreicht werden, da sie für sie giftige Substanzen enthalten können – wie Alpha-Liponsäure.
Wer Nahrungsergänzungen ausprobieren möchte, sollte daher nur solche verwenden, die ausdrücklich für Katzen zugelassen sind, und sich von seinem Tierarzt beraten lassen. 3
Frühzeitiges Erkennen kann entscheidend sein
Je früher die Anzeichen einer Demenz erkannt werden, desto besser lässt sich auf die veränderten Bedürfnisse der Katze reagieren. Durch gezielte Anpassungen im Alltag und eine enge tierärztliche Begleitung lässt sich die Lebensqualität häufig deutlich verbessern – auch wenn die Krankheit selbst nicht heilbar, sondern nur linderbar ist.
