10. November 2025, 11:14 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Ob plötzlicher Appetitverlust, ungewöhnliche Müdigkeit oder stumpfes Fell – wenn sich Katzen auffällig verhalten, steckt nicht selten eine ernstzunehmende Erkrankung dahinter. Viele Symptome bleiben von Haltern zunächst unbemerkt oder werden unterschätzt. Doch frühzeitiges Erkennen kann entscheidend sein. Diese sieben häufigen Krankheiten bei Katzen sollten Haustierbesitzer unbedingt im Blick behalten.
Übersicht
1. Katzenschnupfen
Eine der häufigsten Krankheiten bei Katzen, die vor allem bei Streunern und Freigängern auftritt, ist der Katzenschnupfen. Unter diesem Begriff fassen Experten bestimmte Atemwegs- und Schleimhauterkrankungen bei Katzen zusammen. In der Fachsprache sind auch die Bezeichnungen „Infektiöse Katzenrhinitis“ bzw. „Katzenpneumonitis“ üblich. Ausgelöst wird der Katzenschnupfen durch verschiedene Erreger wie feline Herpesviren, Caliciviren oder Bakterien wie Bordetellen oder Chlamydien.1
Betroffene Katzen können folgende Symptome zeigen
- tränende, verklebte Augen
- Ausfluss aus der Nase
- Fieber
- Appetitlosigkeit
- Geschwüre in der Mundschleimhaut
- Wird der Katzenschnupfen nicht rechtzeitig behandelt, können Fieber, sowie Appetitlosigkeit hinzukommen. Bakterielle Auslöser des Katzenschnupfens können mit einem Antibiotikum behandelt werden. Gegen Herpesviren und Caliciviren gibt es Impfungen.
Behandlung: Die bakteriellen Auslöser des Katzenschnupfens können mit einem Antibiotikum behandelt werden. Gegen Herpesviren und Caliciviren gibt es Impfungen.
2. Nierenschwäche
Ein Spruch unter Tierärzten lautet, dass die alte Katze und die kranke Niere Hand in Hand gehen. Daher zählt die Nierenschwäche zu den häufigsten Katzenkrankheiten. Die Nieren gelten als die Schwachstelle der Katze. Insbesondere viele ältere Tiere entwickeln eine chronische Niereninsuffizienz, bei der die Nierenfunktion stetig abnimmt. Die Krankheit äußert sich unter anderem durch folgende Symptome:
- starker Durst bzw. vermehrtes Trinken
- vermehrter Harnabsatz
- Fressunlust
- Apathie (Teilnahmslosigkeit)
Behandlung: Zwar ist die chronische Niereninsuffizienz nicht heilbar, doch mithilfe einer speziellen Nierendiät kann eine betroffene Katze noch viele glückliche Monate oder sogar Jahre erleben. Geeignetes Diätfutter enthält viel hochwertiges Eiweiß und wenig Phosphor, um die geschädigten Nieren nicht zu belasten. 2
3. Parasitenbefall
Der Parasitenbefall an sich ist zwar noch keine Krankheit, die Plagegeister können aber zum einen krankmachende Viren übertragen, oder durch ihren Befall Symptome bei der Katze auslösen, die einer Krankheit gleich kommen. Das ist etwa beim Würmern der Fall. So besiedeln beispielsweise Spulwürmer den Darm und lassen sich über den Kot der Katze nachweisen. Ein Wurmbefall führt zu Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Erbrechen und Gewichtsverlust und wird mit einer Wurmkur behandelt.
Aber auch Ektoparasiten wie Zecken, Flöhe und Milben lösen unterschiedliche Krankheitsanzeichen bei der Katze aus. Sie finden sich auf der Haut bzw. im Fell der Katze und können starken Juckreiz auslösen. Mit speziellen Spot-on-Präparaten kann man seine Katze vor den kleinen Quälgeistern schützen. Kratzt sich das Tier auffallend häufig, hat es kahle Stellen im Fell oder Schuppen, kann dies für einen Parasitenbefall sprechen.
Weiterführender Artikel: Parasiten bei Katzen erkennen und loswerden
4. Katzenseuche (FPV oder FPLV)
Die Katzenseuche ist die gefährlichste der häufigsten Krankheiten, die Katzen bekommen können. Sie wird auch „Katzenstaupe“ bzw. „Panleukopenie“ genannt. Dabei handelt es sich um eine lebensbedrohliche Vireninfektion, die vor allem bei jungen Kätzchen auftritt. Auslöser für diese schwere Erkrankung ist das feline Panleukopenie-Virus (FPV oder FPLV). Katzenseuche äußert sich durch folgende Symptome:
- hohes Fieber
- Abgeschlagenheit
- Futterverweigerung
- teils blutiger Durchfall
Behandlung: Ein Medikament, was man gezielt einsetzen könnte, gibt es nicht. Tierärzte behandeln vor allem die Symptome, den Rest muss das Tier allein schaffen. Unbehandelt kann diese Katzenkrankheit insbesondere bei jungen oder vorerkrankten Tieren innerhalb von Stunden zum Tod führen. Ausgewachsene, wohlgenährte Katzen verkraften die Infektion meist besser. Um dieser schweren Erkrankung vorzubeugen, steht eine Impfung zur Verfügung.
5. Katzenleukämie (FeLV)
Auch die Katzenleukämie gehört zu den häufigsten Krankheiten bei Katzen. Sie wird durch eine Vireninfektion verursacht. Eine Ansteckung mit dem felinen Leukämie-Virus (FeLV) kann zu Tumoren führen und die Blutzellbildung im Knochenmark behindern. Infizierte Katzen zeigen unspezifische Symptome, darunter:
- Fieber
- Gewichtsverlust
- vermehrte Müdigkeit
Behandlung: Die Krankheit ist auch unter dem Namen „Feline Leukose“ bekannt und gilt als unheilbar. Da die betroffenen Katzen ein geschwächtes Immunsystem haben, sind sie anfällig für weitere Infektionskrankheiten und sollten regelmäßig dem Tierarzt vorgestellt werden. Gut zu wissen: Gegen das feline Leukämie-Virus gibt es eine Impfung. Mehr zu feliner Leukose lesen Sie in diesem Artikel.
6. Zahnprobleme (FORL)
Die häufigste Zahnerkrankung bei Katzen heißt FORL – heute meist als „Resorptive Läsionen“ (RL) bezeichnet. Studien zufolge sind bis zu 70 Prozent aller Katzen betroffen, insbesondere Tiere über drei Jahre. Doch nur wenige werden wegen Zahnsymptomen vorgestellt – die Dunkelziffer ist hoch. Denn: Katzen mit Zahnschmerzen fressen oft weiter – das bedeutet jedoch nicht, dass sie keine Schmerzen haben.
Die Erkrankung beginnt unsichtbar im Bereich der Zahnwurzel, wo körpereigene Zellen (Odontoklasten) die Zahnsubstanz angreifen. Sichtbare Symptome wie freiliegende Zahnhälse, gerötetes Zahnfleisch oder abgebrochene Zähne treten oft erst spät auf – Schmerzen bestehen aber bereits früh.3
Typische Anzeichen für FORL sind:
- einseitiges Kauen, Kopfschiefhaltung
- Zucken beim Fressen, verstärkter Speichelfluss
- Futterverweigerung, besonders bei kaltem oder hartem Futter
- unangenehmer Mundgeruch
- sichtbare Zahnverluste oder Zahnfleischwucherungen
Eine eindeutige Diagnose ist nur mittels Dentalröntgen in Narkose möglich. Dabei wird oft deutlich, dass scheinbar fehlende Zähne noch mit entzündeten Wurzelresten im Kiefer vorhanden sind. Die einzig wirksame Therapie: operative Entfernung der betroffenen Zähne, ggf. mit Kronenamputation bei Typ-2-Resorptionen.
Experten empfehlen regelmäßige Zahnuntersuchungen und dental geschulte Tierärzte (COHAT – Comprehensive Oral Health Assessment and Treatment).4
Symptome und Behandlung der Katzenseuche FPV
Katzenschnupfen rechtzeitig erkennen und behandeln
7. Diabetes mellitus
Diabetes zählt zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen bei Katzen und tritt vorwiegend bei übergewichtigen Tieren über zehn Jahren auf. Etwa 70–80 Prozent der betroffenen Katzen leiden an Typ-2-Diabetes, bei dem die Zellen nicht mehr richtig auf Insulin reagieren.
Klassische Symptome sind:
- starker Durst (Polydipsie)
- häufiges Wasserlassen (Polyurie)
- vermehrter Appetit bei gleichzeitigem Gewichtsverlust (Polyphagie)
- Muskelschwäche, besonders in den Hinterbeinen (plantigrader Gang)
- Mattigkeit, Lethargie
Nach der Diagnose durch den Tierarzt erfolgt die Therapie meist mit einem speziell für Katzen zugelassenen Insulin. Alternativ können auch orale Medikamente eingesetzt werden, die die Zuckerausscheidung fördern. Wichtig sind regelmäßige Blutzuckerkontrollen – diese können geschulte Halter auch selbst durchführen.5
Die Fütterung spielt eine entscheidende Rolle: Proteinreiche und kohlenhydratarme Diäten verbessern die Blutzuckereinstellung deutlich. Übergewichtige Katzen sollten gezielt abnehmen, denn selbst eine Gewichtszunahme von weniger als zwei Kilogramm kann die Insulinempfindlichkeit bereits halbieren.
Wichtig: Bei frühzeitiger Diagnose ist bei einigen Katzen sogar eine Remission möglich – sie benötigen dann keine Medikamente mehr, bleiben aber anfällig und müssen weiter überwacht werden.6
Fazit
Nicht nur sichtbare Veränderungen, sondern auch subtile Symptome wie verändertes Fressverhalten, vermehrter Durst oder Unsauberkeit können erste Hinweise auf eine ernstzunehmende Erkrankung sein. Frühzeitige Diagnosen und regelmäßige tierärztliche Checks – insbesondere auch mit Dentalröntgen – helfen, unnötiges Leid zu vermeiden.